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Neue Tramlinie M 5 in Berlin: In der Straßenbahn zum Hauptbahnhof gibt es Sitzplätze für alle

M5 am Invalidenpark.

M5 am Invalidenpark.

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imago/Jürgen Ritter

Berlin -

Sie ist erst seit neun Tagen in Betrieb. Doch nach Einschätzung der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zeichnet sich schon jetzt ab, dass die neue Straßenbahnstrecke zum Hauptbahnhof ein Erfolg wird. „Im Alltagsbetrieb wird sie bereits gut angenommen“, sagte der Sprecher des Landesunternehmens, Markus Falkner. „In der ersten Woche seit der Betriebsaufnahme waren werktäglich jeweils rund 7200 Fahrgäste auf dem Neubauabschnitt in der Invalidenstraße unterwegs.“

Seit dem 14. Dezember hat Berlin eine neue Ost-West-Verbindung. Am dritten Advent begann auf der rund 1,8 Kilometer langen Straßenbahnstrecke, die von der Kreuzung Chausseestraße/ Invalidenstraße zum Hauptbahnhof und nach Alt-Moabit führt, der Betrieb. Weil der Anschluss zum Nordbahnhof noch nicht fertig ist, wird vorerst nur eine einzige Straßenbahnlinie über die neuen Gleise geführt – die Linie M 5, die in Hohenschönhausen beginnt.

„Teurer Unsinn“

Mit der Zahl der Fahrgäste ist die BVG zufrieden, besonders voll sind die Züge dennoch nicht. Selbst auf der Linie U 55 zwischen Brandenburger Tor und Hauptbahnhof ist mehr los – auf der kurzen „Stummel-U-Bahn“ sind täglich mehr als 8500 Fahrgäste unterwegs. Mit der allerdings auch deutlich längeren M 10, die Friedrichshain mit Mitte verbindet und täglich 60.000 Einsteiger zählt, ist die Neubaustrecke schon gar nicht zu vergleichen. Dass in den Straßenbahnen zum Hauptbahnhof meist noch einige Plätze frei sind, scheint nicht nur an der Weihnachtszeit zu liegen: Auf dem Neubauabschnitt in Mitte hat die Tram eine sehr starke Konkurrenz.

Wer vom Alexanderplatz oder vom Hackeschen Markt zum Hauptbahnhof will, ist mit der S-Bahn schneller. In ihrer jetzigen Form sei die Neubaustrecke „teurer Unsinn“, folgerte der Grünen-Abgeordnete Stefan Gelbhaar. „Einen Verkehrswert hat sie nicht. Da hätte auch der Bus gereicht“ – so lange, bis auch der Anschluss zum Nordbahnhof fertig ist und außer der M 5 auch die M 8 sowie die M 10 zum Hauptbahnhof fahren. Erst dann sei das 27-Millionen-Euro-Projekt wirtschaftlich, weil viele Bewohner von Prenzlauer Berg und Friedrichshain schneller zum Hauptbahnhof gelangen. Dass die Strecke bereits jetzt eröffnet wurde, hatte politische Gründe, so Gelbhaar: „Das geschah nur, weil der Senat noch 2014 die Fertigstellung verkünden wollte.“

Die neue Straßenbahntrasse – in ihrer jetzigen Form ein teurer Flop? Klaus Emmerich, der Chef der BVG-Angebotsplanung, widersprach. „Ich gehe davon aus, dass sich die Zahl der Fahrgäste schon jetzt gut entwickeln wird“, sagte er. In vielen Fällen sei die verlängerte M 5 in vielen Fällen das Verkehrsmittel der Wahl. „Wer zum Beispiel von der Oranienburger Straße zum Hauptbahnhof will, kommt mit ihr am schnellsten ans Ziel“, so Emmerich.

Mit der M 5 ins Ministerium

Für den Lokalverkehr in Mitte sei die neue M 5 wichtig. An der Invalidenstraße arbeiten viele Menschen, zwei Ministerien haben dort ihre Hauptsitze. Für Friedrichshainer, die nicht in die S-Bahn umsteigen wollen, sei die Neubautrasse ebenfalls ideal. „Sie schafft viele neue Direktverbindungen“, so der Planer.

In einem Punkt stimmte Emmerich Gelbhaar zu: Wenn die Neubaustrecke auf 2,3 Kilometer Länge wächst und auch die Linien M 8 und M 10 zum Hauptbahnhof führen, wird dort viel mehr los sein. Im August ist die Trasse komplett, hieß es. Emmerich: „Dann erwarten wir dort rund 20.000 Fahrgäste pro Werktag.“