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Tramtrasse zum Berliner Hauptbahnhof: Weiteres Bauprojekt könnte sich verspäten

In der Invalidenstraße liegen schon die Schienen. Aber an der Haltestelle Hauptbahnhof (im Hintergrund) mit ihren beiden Dächern wird weiterhin gebaut.

In der Invalidenstraße liegen schon die Schienen. Aber an der Haltestelle Hauptbahnhof (im Hintergrund) mit ihren beiden Dächern wird weiterhin gebaut.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

Berlin -

Zwar ist die Neubaustrecke in der Invalidenstraße in Mitte größtenteils fertig. Doch für ein wichtiges Detail trifft das nicht zu: An den Überdachungen der Haltestelle am Hauptbahnhof wird immer noch gearbeitet. Hinter den Kulissen wird nach Lösungen gesucht, ob die Strecke auch ohne die schicken Betonbauten öffnen könnte – um Berlin eine neue Peinlichkeit zu ersparen.

Dass der Großflughafen BER frühestens 2017 fertig wird und die Sanierung der Staatsoper ebenfalls auf Schwierigkeiten stößt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Dass aber selbst ein überschaubares Bauvorhaben wie zwei Dächer eine Herausforderung darstellen kann, dürfte manch einen überraschen.

Alles sehr anspruchsvoll

Offiziell will niemand von einer Problembaustelle sprechen. „Die Haltestelle ist ein architektonisch sehr anspruchsvolles Projekt“, sagt Markus Falkner, Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). „Um den repräsentativen Entwurf an diesem prominenten Ort zu realisieren, kommen Bauverfahren und Werkstoffe zum Einsatz, für die es beim Haltestellenbau bisher keine Erfahrungswerte gibt.“ Hinzu kämen komplizierte statische Vorgaben, weil die Bauten auf dem Tunnel der künftigen S-Bahn zum Nordring entstehen. Vor diesem Hintergrund wären exakte Zeitpläne schwierig.

Es sind die eigenen hohen Ansprüche, die den Senat und die BVG in die Bredouille gebracht haben. Vor dem wichtigsten Berliner Bahnhof könne man nicht irgendein Wartehäuschen aufstellen, hatte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher gesagt. In einem Gutachterverfahren setzte sich 2011 das Berliner Architekturbüro Gruber + Popp durch. Elegante, geschwungene Stahlbetonschalen, getragen von je sechs schlanken Stahlstützen, überdachen die Bahnsteige. Eine moderne Gestaltung, die das Gebiet aufwertet, schlicht trotz der dynamischen Form, lobten die Preisrichter. Eine „leichte und kunstvoll filigrane Geste“, so die Zeitschrift Bauwelt.

Was Architekturexperten erfreut, bringt die Bauleute nun ins Schwitzen. Allerdings wundern sich Beteiligte, warum der Bau der Sonderkonstruktion erst vor wenigen Monaten so richtig losging und wichtige Etappen weiterhin ausstehen. Dem Vernehmen nach soll das erste Dach erst nächste Woche betoniert werden. Die Frostperiode, die weitere Arbeiten erschwert, steht bevor.

Betriebsstart für 2002 geplant

„Bewusst haben wir keinen konkreten Termin für die Fertigstellung genannt, von einer Verzögerung kann keine Rede sein“, sagt BVG-Sprecher Falkner. Im Senat gibt es eine andere Version: Die BVG habe es für realistisch gehalten, dass der Westabschnitt der Straßenbahnstrecke vom Nord- zum Hauptbahnhof Ende des Jahres eröffnet werden kann. Darum gehe man weiterhin davon aus, dass dann erstmals eine Straßenbahn der Linie M 5 aus Hohenschönhausen zum Hauptbahnhof fährt. Im Sommer 2015 könnten auch die Linien M 8 und M 10 zum Hauptbahnhof verlängert werden.

„Aus unserer Sicht bleibt es beim 14. Dezember“, sagt Daniela Augenstein von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Eventuell müsse es ein Haltestellen-Provisorium geben. Knackpunkt ist, dass dann die Bahnen über die Baustelle fahren, was auf Rechts- und Sicherheitsprobleme stoßen könnte. Die BVG arbeitet an Vorschlägen, allerdings „haben wir für eine mögliche Lösung noch nicht alle erforderlichen Genehmigungen“, so ihr Sprecher.

Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) besteht auf dem Dezember-Termin. Ganz zu Anfang sollte die 2,9 Kilometer lange Strecke bereits 2002 fertig werden. Nun sollen die Berliner endlich sehen, dass es der Senat ernst meint mit einer besseren Anbindung des Hauptbahnhofs.