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UMTS und LTE von E-Plus im BVG-Netz Berlin: Schlechte Zeiten für das mobile Internet in der Berliner U-Bahn

E-Plus hat 147 U-Bahn-Kilometer mit UMTS- und LTE-Technik ausgestattet.

E-Plus hat 147 U-Bahn-Kilometer mit UMTS- und LTE-Technik ausgestattet.

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imago/Bernd Friedel

Das Netz der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ist vom Rest der Welt abgeschnitten – zumindest, wenn es um das mobile Internet geht. Wer in die U-Bahn steigt, bewegt sich dafür zwar nur ein paar Meter hinab unter die Erde. Für den Mobilfunk ist das aber noch immer eine schier unüberwindliche Barriere.

Als erster Mobilfunkanbieter kündigte E-Plus im April 2014 konkrete Pläne an, die Berliner U-Bahn mit schnellem Internet zu versorgen. Bis zum vergangenen Dezember sollten im gesamten BVG-Netz die dafür gängigen Mobilfunkstandards UMTS/HSPA+ und LTE zur Verfügung stehen.

Dieses Versprechen konnte E-Plus aber nicht ganz einhalten. Die Strecken der Linien U1 und U7 sind bisher nur teilweise mit den nötigen Antennen versorgt. Die Strecken der U3 sowie der verhältnismäßig kurzen Linien U4 und U55 fehlen noch ganz.

Einen Blick hinter die Kulissen der dafür nötigen Aufrüstung gewährte E-Plus im November 2014. Der Journalist Thorsten Neuhetzki berichtete damals für das Verbraucherportal Teltarif über die technischen Details des UMTS- und LTE-Ausbaus in der Berliner U-Bahn.

Dafür nötig sind demnach Antennen, genauer gesagt Spezialanfertigungen aus Thüringen, die gar nicht wie Antennen aussehen. An den Tunneldecken würden etwa ein Meter lange und zehn Zentimeter dicke Stäbe installiert, die eher an Stahlhalterungen erinnern. In zehn gesicherten Betriebsräumen laufen alle Daten zusammen.

Fahrgäste der U-Bahn-Linien U2, U5, U6, U8 und U9, die E-Plus-Kunden sind, freuen sich bereits über durchgehend bis zu 50 MBit/s schnelles Internet. Wer sich derzeit etwa alle Prominenten-Ansagen auf der U2 zwischen Ruhleben und Pankow anhören will, kann während dieser rund 45 Minuten langen Fahrt auch durchgehend im Internet surfen und etwa mit dem Smartphone nachsehen, wer sich hinter den Stimmen verbirgt.

Anders sieht es leider im Netz von T-Mobile, Vodafone und O2 aus. Für gut 75 Prozent aller Mobilfunkkunden herrscht deshalb in der Berliner U-Bahn noch immer das SMS-Zeitalter. Sie können sich höchstens mittelfristig darauf einstellen, mit dem Smartphone in der U-Bahn auch mal Mails checken oder Spotify nach neuen Songs durchstöbern zu können.

Neben E-Plus hätten bisher zwei weitere Firmen Interesse bekundet, ihr Mobilfunknetz in der Berliner U-Bahn ausbauen zu wollen, teilen die Berliner Verkehrsbetriebe mit. Man verhandle bereits mit der BVG, bestätigte die Deutsche Telekom auf Anfrage. Es sei aber noch unklar, bis wann die Modernisierungsmaßnahmen umgesetzt werden könnten.

Grundsätzlich sei bei der BVG jeder Anbieter willkommen, hieß es dort. Baumaßnahmen im Tunnel seien aber nicht so einfach durchführbar, weil im täglichen Betrieb im Tunnel wenig Platz und das Zeitfenster für Baumaßnahmen eng bemessen sei.

Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn erhält LTE-Technik

Im derzeit gesperrten Nord-Süd-Tunnel der Berliner S-Bahn zeigen die Vorzeichen genau in die andere Richtung. Während der Sanierungsarbeiten der Schienenanlagen lässt die Deutsche Bahn den Tunnel auch mit der schnellen LTE-Technik ausrüsten, berichtet Teltarif. Federführend für den Netzausbau sei hier Vodafone.

Anders als bei E-Plus im U-Bahn-Netz der BVG könnten im Tunnel der Deutschen Bahn auch andere Mobilfunkbetreiber das Mobilfunknetz von Vodafone nutzen. Nach den Sanierungsarbeiten Anfang Mai dürfte deshalb im Nord-Süd-Tunnel für die meisten Mobilfunknutzer schnelles mobiles Internet zur Verfügung stehen. Diese Lösung einer Netzzusammenlegung ist bei der Berliner U-Bahn scheinbar nicht so einfach möglich.

Unterirdisch geht es deshalb für die meisten Mobilfunkkunden online auch künftig nur im Schneckentempo vorwärts. Da helfen auch keine Tricks: Das Gerücht beispielsweise, dass es helfe, in den ersten Wagen einzusteigen, damit das eigene Handy immer als erstes in den Bereich der nächsten Antenne kommt, bringe leider nichts, erklärt der Mobilfunkexperte Thorsten Neuhetzki. Denn die Antennen im Netz von T-Mobile und Vodafone seien in der U-Bahn nicht an den Tunnelein- und Ausgängen platziert, sondern parallel an den Tunnelwänden entlang der gesamten Strecke montiert.