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Weniger S-Bahn-Züge in Berlin im Einsatz: Techniker entdecken Risse in S-Bahn-Wagen

Nur jede dritte S-Bahn fährt am Donnerstag

Nur jede dritte S-Bahn fährt am Donnerstag

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dpa

Berlin -

Ein neues Fahrzeugproblem bereitet den Berliner S-Bahnern Sorgen. Zahlreiche Wagen dürfen derzeit nicht eingesetzt werden, weil bei Kontrollen Risse entdeckt worden sind. „Bei den regelmäßigen Untersuchungen hat sich ergeben, dass unmittelbarer Handlungsbedarf besteht“, sagte ein S-Bahn-Sprecher. Die betroffenen Züge warten nun auf die Reparatur. Folge für die Fahrgäste: Seit einiger Zeit sind weniger S-Bahn-Wagen im Einsatz als vereinbart, und im Fall von Störungen steht kaum noch Ersatz zur Verfügung. Züge seien knapp geworden, berichtete ein S-Bahner.

Erneut zeigt sich, dass „mit Überraschungen gerechnet werden muss, die Zusatzarbeiten erfordern“, so der Sprecher. Noch steht nicht fest, wie groß das Problem noch werden könnte. Doch für die Techniker ist es bereits jetzt gravierend genug, und es ist in den vergangenen Tagen größer geworden. So standen in dieser Woche bereits 28 Wagen auf dem Abstellgleis.

Anlass waren stets „Risse in der Schweißnaht eines Anbauteils der Drehgestelle“, hieß es. Drehgestelle sind die Laufwerke eines Zuges, daran sind die Radsätze befestigt. In allen Fällen ist die Baureihe 480 betroffen, die in West-Berlin entworfen und ab 1986 geliefert wurde. Fans nennen diese Züge „Toaster“ – wegen ihrer gerippten Dachverkleidung, die an Haushaltsgeräte erinnert. Die S-Bahn hat 140 Wagen.

Reserven werden aufgebraucht

Ursprünglich sollten die Drehgestelle ohnehin saniert werden. Dies werde nun vorgezogen, sagte der Sprecher. „Die Reparatur führt dazu, dass die Reserven aufgebraucht werden.“ Die einsatzfähige Flotte ist kleiner als vorgeschrieben. Gemessen an der Vorgabe fehlten am Freitag 16 und am Dienstag 14 Wagen, teilte Elke Krokowski vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg mit.

Die unerwarteten Ausfälle treffen die S-Bahn zu einem ungünstigen Zeitpunkt, sagte ein S-Bahner. „Einige Fahrzeuge der Baureihe 480 stehen schon seit längerer Zeit in der Werkstatt“ – zum Beispiel der Sechs-Wagen-Zug, der bei einem Sturm am Südkreuz gegen einen umgestürzten Baum geprallt war.

Von den nun festgestellten Rissen ist die Struktur der Drehgestelle nicht betroffen, hieß es. Die Laufwerke müssten auch nicht gewechselt werden. Dass die Schäden entdeckt wurden, sei ein Zeichen dafür, dass das Frühwarnsystem funktioniert. Seit der S-Bahn-Krise, die 2009 ihre Höhepunkte erreichte, kontrolliert das Unternehmen seine Züge öfter und intensiver als zuvor.

Dabei wurden diverse Mängel entdeckt, von denen ein Teil darauf zurückging, dass in den Werkstätten zu sehr gespart worden war. Die Techniker stießen auf Risse in Achsen oder auf vernachlässigte Bremszylinder. Im Sommer machten Klimaanlagen schlapp, im Winter setzte Schnee die Elektronik schachmatt. Auf Druck der Öffentlichkeit schuf die S-Bahn wieder mehr Werkstattkapazität. So konnte Peter Buchner, seit 2009 Chef, den Betrieb wieder in ein ruhigeres Fahrwasser bringen.

Sonderprogramm beginnt

Die nächste große Aufgabe ist für die S-Bahner schon in Sicht. Die Baureihe 480 und die zu DDR-Zeiten konzipierte Baureihe 485 (früher wegen ihrer roten Lackierung Coladosen genannt) müssen fit gemacht werden, damit sie bis 2023 im Einsatz bleiben können. Kosten: rund 100 Millionen Euro. Auf 50 Millionen Euro belaufen sich die erhöhten Aufwendungen für den Weiterbetrieb der relativ alten Fahrzeuge. Ursprünglich sollten sie bis 2019 ausgemustert werden, doch die neuen S-Bahnen sind nicht mal bestellt.

Das Sonderprogramm wird jetzt vorbereitet, sagte Buchner. „In der Hauptwerkstatt Schöneweide werden 70 Mitarbeiter eingestellt.“


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