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Zweite grüne Welle für Radler in Berlin

So soll es sein: Auf der Uhlandstraße bekommt ein Radler grünes Licht.

So soll es sein: Auf der Uhlandstraße bekommt ein Radler grünes Licht.

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Berliner Zeitung/Markus Wächter

Noch wird geschätzt, gerechnet, entworfen. Doch in wenigen Monaten soll alles fertig sein. Dann wird die nächste grüne Welle für den Fahrradverkehr geschaltet. Die Uhlandstraße im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wird die zweite Straße in Berlin sein, auf der die Ampeln so programmiert werden, dass Radfahrer dort schneller vorankommen. „Es ist vorgesehen, die Pilotmaßnahme in diesem Jahr in Betrieb zu nehmen“, sagt Petra Rohland, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). „Mit ihr nimmt Berlin bundesweit eine Vorreiterrolle ein.“ Intern heißt es, dass es spätestens im Herbst so weit ist. Dann haben die Planer ein hartes Stück Arbeit hinter sich.

„Wir begrüßen es, dass der Senat das Thema angeht“, sagt Nikolaus Linck. Der Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs in Berlin (ADFC) ist oft mit dem Rad unterwegs. Er weiß: Grüne Wellen können den Radverkehr nicht nur beschleunigen, sie verhindern auch Stress. Linck weiß aber auch: Vielerorts zeigt fast jede Ampel rot.

Kompromiss für Tempo 20

Den Anfang machte 2014 die Belziger Straße in Schöneberg. Dort wurden zwei Ampelpaare so geschaltet, dass sie jeweils in einem Rutsch passiert werden können. Das Teilstück der Uhlandstraße in Wilmersdorf, um das es jetzt geht, ist anderthalb Kilometern lang – und damit deutlich länger. Die stark genutzte Nord-Süd-Verbindung reicht von der Lietzenburger zur Berliner Straße und umfasst sieben Kreuzungen. Grüne Welle: Das klingt einfach. Ampeln zu schalten kann doch nicht so schwer sein. „Die Planungen sind kompliziert“, entgegnet Linck. Das fange schon bei der Frage an, für welche Geschwindigkeit die Ampeln koordiniert werden sollen.

Als sich ein Team der Technischen Universität (TU) mit Messgeräten auf die Mühlenstraße in Friedrichshain stellte, traf es auf Radler, die mit Tempo 7 dahin schlichen, während andere mit Tempo 27 fast rasten. Eine grüne Welle für Radfahrer ist stets ein Kompromiss. Ihren Berechnungen für die Uhlandstraße legten die TU-Forscher vom Fachgebiet Straßenplanung und Straßenbetrieb Tempo 20 zugrunde.

Der Bund gibt Geld

Eine weitere Herausforderung sind kreuzende Straßen, die wichtiger sind – in diesem Fall der Hohenzollerndamm. Damit kein Stau entsteht, muss die grüne Welle darauf abgestimmt werden. Auch das dauert Monate. Darum halten Senatsplaner Forderungen nach 50 Grünen Wellen für Radfahrer, wie sie die Initiatoren des Fahrrad-Volksentscheids erheben, für unrealistisch.

„Die Umsetzung erfolgt sehr langsam“, kritisiert Linck. Derzeit sind die TU-Leute dabei, ihre Planung abzuschließen. „Dann bereitet die Verkehrslenkung Berlin die Umsetzung vor“, sagt Rohland. Das Bundesverkehrsministerium fördert das Projekt aus Mitteln des Nationalen Radverkehrsplans. Und die Autofahrer? Auch sie profitieren, heißt es. Derzeit seien die Ampeln auch für sie ungünstig geschaltet.