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Berliner Zeitung | Verkehrspolitik: Dieser Berliner will mehr Platz für Radfahrer erzwingen
25. February 2016
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Verkehrspolitik: Dieser Berliner will mehr Platz für Radfahrer erzwingen

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Ziel der Initiative Fahrradvolksentscheid: Mehr Platz für Radfahrer, weniger für Autos.

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imago/Jochen Tack

Heinrich Strößenreuther ist der zurzeit beste Beweis für die Feststellung, dass das Thema Fahrradfahren in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Der Mann, der Berlins Verkehrspolitikern und Planern mit einem Volksbegehren einheizen will, sieht nicht aus wie der typische Umweltaktivist.

„Anzug und Krawatte zu tragen, ist für mich nicht ungewöhnlich“, sagt der 48-jährige Charlottenburger, der sein Geld als selbstständiger Berater verdient. „Das ist meine Arbeitskleidung.“ Er trug sie auch, als er zusammen mit seinem Neuköllner Mitstreiter Peter Feldkamp jüngst die Ziele des Plebiszits vortrug – 350 Kilometer Fahrradstraßen für Berlin, 50 grüne Wellen für Radfahrer, 200.000 neue Rad-Stellplätze, um nur einige Beispiele zu nennen.

Allerdings ist Strößenreuthers Habitus keinesfalls als Anbiederung an den Mainstream und dessen Akteure zu verstehen. Das zeigt nicht nur die Radikalität des Forderungskatalogs, den die Berliner von Mai an mit ihren Unterschriften unterstützen können.

Heinrich Strößenreuther, Fahrrad-Aktivist

Heinrich Strößenreuther, Fahrrad-Aktivist

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Markus Wächter

Straßen für Menschen

Der Mann mit dem süddeutschen Namen, der bei Wilhelmshaven aufgewachsen ist, meint es ernst: Radfahrer, Fußgänger und der Nahverkehr müssen mehr Raum bekommen, zulasten der klimaschädlichen Autos. Straßen sollen für die Menschen da sein, wie er es im Dorf Breddewarden erlebte, wo er als Kind auf dem Asphalt malte. „Ich will, dass Eltern ihre Kinder wieder ohne Sorge zur Schule fahren lassen können“, sagt der Vater.

Wenn es um seine Überzeugung geht, kann der im Gespräch stets freundliche Wirtschaftsinformatiker auch deutlich werden. Er beteiligte sich an Parkplatzbesetzungen und Sitzblockaden gegen Raser. Er gibt die App Wegeheld heraus, mit der Falschparker gemeldet werden können.

Der große Wurf

Im Gegensatz zum Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, der seine Lobbyrolle zurückhaltend spielt, mag er es plakativ. Er reduziert die Berliner Komplexität auf einfache Sichtweisen. Mit politischem Klein-Klein (eine Folge der Demokratie, in der es nun mal viele Interessen gibt) und Planersorgen gibt er sich ungern ab. Er will den großen Wurf.

Für ihn und seine Mitstreiter wird es jetzt anstrengend. Damit das Volksbegehren gelingt, sind erst 20.000 und dann rund 175.000 Unterschriften zu sammeln – in einer Stadt, in der Radfahrer nicht nur Fans haben. Auch gibt es Gegenwind aus dem Senat und der SPD. „Wenn die SPD nicht aufpasst, werden die Wähler sie als Autofahrerpartei wahrnehmen“, entgegnet er. Die CDU äußere sich kooperativer. Heinrich Strößenreuther fühlt sich wohl in der Mitte der Gesellschaft.