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Verkehrspolitik in Metropolen: Der Radler-Club wird immer größer

Nicht jeder Amerikaner fährt Auto: Radfahrer in New York.

Nicht jeder Amerikaner fährt Auto: Radfahrer in New York.

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Imago

Berlin -

Wohl wahr. „Das Auto hat an Image verloren, das Fahrrad gewonnen. Diese Chance gilt es zu nutzen.“ So steht es im Entwurf der neuen Berliner Radverkehrsstrategie. Auch anderswo haben Verkehrsplaner und -politiker erkannt, dass ihre Städte profitieren, wenn möglichst viele Fahrten mit Pedal- statt mit Motorkraft zurückgelegt werden. Weil Rad fahren kaum Geräusche und keine Abgase erzeugt, weil Radwege wenig Geld kosten. Allerdings gehen Politiker im Ausland oft beherzter vor als in Berlin. Kopenhagen und Amsterdam, wo seit jeher viel geradelt wird, sind nicht mehr die einzigen Beispiele. New York, wo Radler bislang Seltenheitswert hatten, ist eines der jüngsten Mitglieder im Club der Fahrradstädte.

Private Finanzierung statt Steuern

Nein, ein Öko ist Michael Bloomberg, Milliardär und Bürgermeister von New York, nicht. Als er jüngst den Startschuss für das Fahrradmietsystem Citi Bike gab, sagte er lapidar: „Die Idee ist einfach. Wir wollen den Bürgern eine weitere Möglichkeit geben, sich durch die Stadt zu bewegen.“ Freedom of choice, die Freiheit der Wahl, gehört zu den Grundfesten des politischen Denkens in den USA. Think big ebenfalls. So ist auch das Mietsystem ein paar Nummern größer als anderswo. Geplant ist, dass es Sommer 2013 fertig wird. Dann sollen an 600 mit Solarenergie betriebenen Stationen 10.000 blaue Drei-Gang-Räder bereitstehen.

Für 95 Dollar (77 Euro) kann man sie dann ein Jahr lang nutzen – sofern jede Tour nicht länger als eine halbe Stunde dauert. Und da der Staat und Steuern in den USA noch unbeliebter sind als hierzulande, haben Bloomberg und seine Mitstreiter für ihr Megaprojekt eine hundertprozentig private Finanzierung auf die Beine gestellt. Die Citibank steuert 41 Millionen Dollar bei, Mastercard 6,5 Millionen – insgesamt fast 39 Millionen Euro.

Wann kommen die Klaus-Bikes?

Nicht nur in New York, auch in Los Angeles zum Beispiel werden viele neue Radfahrstreifen und -wege markiert. Solche Projekte stoßen auch auf Kritik. Viele wittern den „Nanny State“, der die Bürger mit Öko-Spleens bevormunden will. Für viele Pendler bleibt das Auto wegen der weiten Wege das einzig sinnvolle Verkehrsmittel. Autofahrer und einige Anlieger laufen Sturm gegen neue Radrouten. Doch wenn es die Trassen gibt, werden sie genutzt.

Was andere Metropolen von Berlin unterscheidet: Im Ausland setzen sich die Bürgermeister gern an die Spitze der Bewegung. In Paris posierte Bertrand Delanoë vor Vélib-Ausleihstationen, die Mieträder in London heißen Boris Bikes – nach Bürgermeister Boris Johnson. So, wie es aussieht, wird man in Berlin auf Klaus-Räder wohl noch warten müssen.