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Verletzungsgefahr für Flüchtlinge: Berliner Firma liefert keinen Nato-Draht nach Ungarn

Kein Nato-Draht für Ungarn: Eine Berliner Firma verweigert die Lieferung.

Kein Nato-Draht für Ungarn: Eine Berliner Firma verweigert die Lieferung.

Foto:

imago

Messerscharfe Rasierklingen sitzen auf kalt glänzenden, fast unzerstörbaren silbernen Stahlrollen. Schon der Anblick von Nato-Draht, mit dem Ungarn seine Grenzen vor Flüchtlingen schützen will, ist furchteinflößend. Es handelt sich um eine besondere Form des Stacheldrahts, und er wird verwendet, um Piraten von Schiffen am Horn von Afrika fernzuhalten und Gefängnisse oder Atomanlagen zu sichern. Die Verletzungen, die er erzeugt, sind grausam und oft tödlich.

Mitte Juli bat Ungarn in mehreren Ländern Hersteller von Nato-Draht, ein Angebot für Tausende Rollen einzureichen – ein Großauftrag. 500.000 Euro Auftragswert hat Talat Deger sich ausgerechnet, soviel hätte der Auftrag einbringen können.

Verletzungen können zum Tod führen

Auch seine Firma Mutanox in Neukölln wurde angefragt, ein Angebot einzureichen. Doch der 39-jährige Geschäftsführer lehnte ab. „Nato-Draht ist dafür da, kriminellen Taten vorzubeugen. Aber ich kann doch nicht einen Flüchtling, der nichts weiter hat als das, was er trägt, mit einem Kind auf dem Arm durch einen Nato-Draht laufen lassen.“

Das Risiko, dass Menschen tatsächlich durch den Draht zu Schaden kommen, sei groß. Werde er einfach auf dem Boden verlegt, entstehe Gefahr für Leib und Leben. Deger sagt: „Es könnten Menschen in der Nacht durchlaufen, den Draht nicht sehen und sich dann arge Verletzungen zuziehen, die zum Tod führen können.“ Auch deshalb soll der Draht Degers Angaben zufolge auch nur auf Zäunen in einer Höhe von mindestens zwei Metern angebracht werden.

Nato-Draht bei Ebay

Doch nicht nur Ungarn setzt in großem Stil Nato-Draht ein. Auch Rohstoff- und sogar Autohändler nutzen ihn. Ein normaler Stacheldraht reicht ihnen zum Schutz von Kupferrollen und Gebraucht-BMW anscheinend nicht aus. Bei Ebay gibt es die 50-Meter-Rolle Nato-Draht für unter 30 Euro zu kaufen – natürlich mit dem Hinweis, der Einsatz des Drahtes solle mit den örtlichen Behörden abgesprochen werden. Auch in Internetforen fragen Nutzer danach, ob man den Nato-Draht nicht auch zum Schutz des eigenen Grundstücks verwenden könne.

Talat Deger ist es nicht egal, was sein Produkt anrichtet. Auf solch ein Geschäft verzichtet er gern. Respekt.