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Verwahrloste Wohnungen in Prenzlauer Berg und Schöneberg: Skrupelloser Vermieter lässt Wohnungen verfallen

Wohnhaus in der Kollwitzstraße 2 in Prenzlauer Berg.

Wohnhaus in der Kollwitzstraße 2 in Prenzlauer Berg.

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Benjamin Pritzkuleit

Ist alles nur Zufall? Oder gezielte Schikane? Sowohl in der Kollwitzstraße 2 in Prenzlauer Berg als auch in der Grunewaldstraße 87 in Schöneberg leiden die Mieter darunter, dass ihr Haus verwahrlost – und in beiden Fällen steckt der gleiche Geschäftsführer hinter den Firmen, denen die Häuser gehören: Es ist ein 45-jähriger Geschäftsmann. Das Haus in der Kollwitzstraße 2 gehört der KSJ 2014 GmbH, das Haus in der Grunewaldstraße 87 ist im Besitz der Alpha Plan GmbH.

„Fenster sind kaputt, Leuchten und Türöffner defekt“, klagen Mieter des Hauses Kollwitzstraße 2. Sie haben Angst, dass sie aus ihren Wohnungen verdrängt werden. Grund: Der Eigentümer bietet in einem Exposé die Wohnungen in der Kollwitzstraße zum Kauf an. Von den einst 16 Mietparteien, die in dem noch unsanierten Haus in begehrter Lage wohnen, sind nur noch acht im Haus.

Teure Modernisierung

Zwar dürfte sich der Eigentümer mit seinen Verkaufsplänen verrechnet haben. Denn das Haus liegt in einem Milieuschutzgebiet. Die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen ist hier verboten. Was bleibt, ist die Gefahr, dass die Wohnungen nach einer energetischen Sanierung teuer vermietet werden. Jährlich können elf Prozent der Modernisierungskosten auf die Miete umgelegt werden. Durchschnittlich belaufen sich die Kosten einer Vollsanierung auf 200 Euro pro Quadratmeter. Das führt zu einer Mieterhöhung von 1,83 Euro pro Quadratmeter. Diese Mieterhöhung ist in der Regel nicht ansatzweise über niedrigere monatliche Heizkosten auszugleichen.

In der Grunewaldstraße 87 leiden die Mieter seit Monaten unter teils unzumutbaren hygienischen Zuständen. Hier leben zeitweise bis zu 200 Rumänen auf engstem Raum. Immer wieder muss der Bezirk den Eigentümer auffordern, die Abflüsse zu reinigen oder den Müll aus den Treppenhäusern und Höfen zu beseitigen. Hinzu kommen viele Polizeieinsätze. Unter den wenigen verbliebenen Altmietern geht man davon aus, dass der Eigentümer sie vergraulen will. Wie berichtet, streben sie eine Sammelklage gegen den Eigentümer an. Dieser hat offenbar vor, das Gebäude zu sanieren. Nach Angaben des Bezirks werden etwa seit November 2014 Gespräche über eine Modernisierung geführt. Bis der Eigentümer seine Pläne umsetzen kann, will er offenbar vor allem Roma-Familien dort wohnen lassen.

Senat unterstützt Bezirke

Die Mieter und der Vermieter in der Grunewaldstraße sollen sich mittlerweile mit Anzeigen gegeneinander wehren, heißt es. Nach Angaben der Polizei soll der Vermieter im Frühjahr Mieter wegen Stromdiebstahls angezeigt haben, weil sie Wände aufgestemmt und Kabel in ihre stromlosen Wohnungen gelegt hatten. Von dem Geschäftsmann war am Donnerstag keine Stellungnahme zu den Vorgängen in den Häusern in der Kollwitzstraße und der Grunewaldstraße zu erhalten.

Der Berliner Mieterverein (BMV) macht unterdessen Druck auf die Politik. BMV-Geschäftsführer Reiner Wild verlangte am Donnerstag, dass die Bezirke notfalls per Ersatzvornahme notwendige Reparaturen veranlassen und diese dann dem Eigentümer in Rechnung stellen. Im Falle des Hauses in der Grunewaldstraße hatte das der Bezirk bisher abgelehnt, weil ihm die finanziellen Mittel dafür fehlen. Jetzt gibt es aber Unterstützung aus dem Senat.

Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) erklärte: „Wir unterstützen die Bezirke bei ihrem Bemühen gegen diese unhaltbaren und illegalen Zustände. Ich finde es richtig, dass die Polizei in der Grunewaldstraße eingeschritten ist. Ein solches Verhalten, wie einige Vermieter es hier an den Tag legen, ist absolut untragbar.“ Geisels Sprecher Martin Pallgen sagte, wenn ein Bezirk Missstände per Ersatzvornahme beseitigen wolle, aber nicht das Geld dafür habe, könne er die Mittel bei der Senatsverwaltung beantragen. „Ordnung muss durchgesetzt werden, auch wenn es kostet.“

Nach dem Wohnungsaufsichtsgesetz können die Behörden anordnen, Mängel zu beseitigen, wenn die bauliche Beschaffenheit von Wohnungen nicht den Mindestanforderungen an erträgliche Wohnverhältnisse entspricht. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn es innerhalb der Wohnung keine Koch- und Heizungsmöglichkeit gibt oder wenn Wasserversorgung und Ausguss fehlen oder ungenügend sind.



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