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Berliner Zeitung | Verzögerungen beim Check-In : Überraschender Streik an Berliner Flughäfen
26. June 2014
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Verzögerungen beim Check-In : Überraschender Streik an Berliner Flughäfen

Passagiere in einer Abfertigungshalle in Tegel: Bisher kam es noch nicht zu streikbedingten Flugverspätungen.

Passagiere in einer Abfertigungshalle in Tegel: Bisher kam es noch nicht zu streikbedingten Flugverspätungen.

Berlin -

Flugreisende sollten sich rechtzeitig vor dem Abflug über die Lage an den Airports Tegel und Schönefeld informieren: Die Gewerkschaft Verdi hat am Donnerstagvormittag alle Beschäftigten der Firma Aviation Passage Service Berlin (APSB) zu Warnstreiks auf dem Flughafen Tegel aufgerufen. Der Warnstreik begann am Donnerstag um 10:00 Uhr und endet am Freitag um 18:00 Uhr. Beteiligt sind Beschäftigte aus Tegel und vom Flughafen Schönefeld. Nach Auskunft von Verdi sorgen die über 350 Beschäftigten der APSB, überwiegend Frauen, an beiden Flughäfen für das Einchecken und kümmern sich unter anderem um das Wiederauffinden von verloren gegangenem Gepäck.

Die für die Abfertigung an den Flughäfen zuständige Firma Globe Ground Berlin wurde 2008 durch den WISAG Konzern gekauft. Danach wurde die Globe Ground in eigenständige Gesellschaften gespalten. Die APSB ist einer dieser Gesellschaften.

Verzögerungen beim Check-In

Nach Auskunft einer Globe Ground-Sprecherin waren am Donnerstagvormittag noch keine Auswirkungen auf den Abfertigungsbetrieb festzustellen. Es müsse aber aber im Laufe des Donnerstags sowie am Freitag mit Verzögerungen beim Check-In gerechnet werden. Man versuche, die streikenden Mitarbeiter durch andere Kräfte zu ersetzen. Bisher scheint dies zu gelingen, sodass sich die Auswirkungen auf den Flugbetrieb bislang in Grenzen halten. Nach Angaben der Fluggesellschaft Air Berlin gab es zeitweise "minimale Engpässe" im Bereich "Lost and Found" sowie beim Transfer-Gepäck. "Dann sind aber Kollegen aus anderen Bereichen eingesprungen", sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft.

Eventuelle Flugverspätungen am Morgen seien durch eine Nebelwand bei Tegel verursacht worden. Ein Sprecher der Lufthansa sagte: "Die WISAG, zu denen APSB gehört, hat es geschafft, alle Positionen mit Ersatzpersonal zu besetzen. Deshalb gibt es bei uns weder Ausfälle noch Verspätungen." Dies trifft nach seinen Worten auch für die Tochtergesellschaften der Lufthansa zu.

Der Flughafen Berlin Brandenburg (FBB) -Sprecher Ralf Kunkel bittet Passagiere an den Flughäfen Schönefeld und Tegel um Verständnis: "Aufgrund von Warnstreiks kann es zu Verzögerungen bei der Abfertigung und Einschränkungen im Flugverkehr kommen".

Am Flughafen Tegel lief der Betrieb am Mittag normal. Vom Streik nahmen die Fluggäste vor allem größere Gruppen von demonstrierenden APSB-Beschäftigten in den verdi-typischen gelben Plastik-Streikwesten wahr. Die Check-In Schalter waren mit Mitarbeitern in Globe-Ground-Uniformen besetzt.

Die Gewerkschaft befürchtet Massenentlastungen, weil der Arbeitgeber Globe Ground Berlin die Abfertigungsverträge der APSB in Schönefeld zum 30.06.2014 gekündigt habe. Die Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag zur Abmilderung der sozialen Folgen von Kündigungen am vergangenen Samstag hätten keine Einigung gebracht, kritisierte Verdi.

„Wir streiken für vernünftige Abfindungen“

2008 wurde die Globe Ground Berlin durch den Wisag-Konzern gekauft. Danach wurde die Globe Ground immer weiter in eigenständige Gesellschaften gespalten. Die APSB ist eine dieser Gesellschaften. Auch der 2013 unter anderem mit der WISAG abgeschlossene Flächentarifvertrag für Bodenverkehrsdienstleistungen, der durch die Landesregierungen in Berlin und Brandenburg für allgemeinverbindlich erklärt wurde, habe die WISAG "nicht davon abgehalten, ihre „teile-und-herrsche-Politik“ fortzusetzen", erklärte der zuständige Gewerkschaftssekretär Max Bitzer. „Wir streiken für vernünftige Abfindungen“, sagte Bitzer der Berliner Zeitung. „Beim Verhandlungstermin am Samstag hat die Arbeitgeberseite ein deutlich zu niedriges Angebot vorgelegt.“ Hinter Globegroud stehe Wisag, eines der größten deutschen Unternehmen. „Ein Konzern dieser Größe hat alle Möglichkeiten, vernünftig mit seinen Mitarbeitern umzugehen.“ Die Streikbeteiligung sei sehr gut, sagte APSB-Betriebsrätin Susanne Siebert. „Auch viele Leiharbeitnehmer sind in den Pausenräumen geblieben, um uns zu unterstützen.“ Auch síe nannte das Angebot der Arbeitgeberseite unakzeptabel. „Das lag kaum über dem, was die Kollegen vor Gericht ohnehin bekommen hätten.“

"Der Streik ist völlig unangemessen“, sagte dagegen Bernhard Alvensleben, Geschäftsführer der APSB. Man habe mit Verdi einen weitreichenden Kompromissvorschlag ausgehandelt, der die Arbeitsplätze der rund 115 Check-in-Mitarbeiter der Aviation Passage Service Berlin am Flughafen Schönefeld sichern sollte. Er habe im Kern die Fortsetzung der Arbeitsverhältnisse bei einem neuen Anbieter zu gleichen Konditionen vorgesehen. Trotz dieser Zusage der Arbeitgeberseite habe Verdi die Mitarbeiter in Tegel und Schönefeld zu Warnstreiks aufgerufen. "Die Forderungen der Tarifkommission gefährden die Zukunft des Gesamtunternehmens, was für uns nicht nachvollziehbar ist," sagte Alvensleben.

Hebt Ihr Flug pünktlich ab? Eine aktuelle Übersicht über alle Verspätungen finden Sie auf der Homepage der Flughafengesellschaft.