Mit großem Getöse wird das Ende der Berliner Deutschlandhalle eingeleitet. Foto: dapd
Mit großem Getöse wird das Ende der Berliner Deutschlandhalle eingeleitet. Foto: dapd
Berlin –
Mit 40 Kilogramm Dynamit ist am 3. Dezember das Dach der Deutschlandhalle gesprengt worden. Wir haben den historischen Moment für Sie gefilmt.
Mit 40 Kilogramm Dynamit ist am Samstag in Berlin das Dach der Deutschlandhalle gesprengt worden. Das 6000 Quadratmeter große Laternendach stürzte innerhalb weniger Sekunden ein. Es bildete sich eine riesige Staubwolke. Das Gelände war aus Sicherheitsgründen weiträumig abgesperrt worden. Der Verkehr auf der A 115 (Avus) ruhte während der Arbeiten. Die stehen gebliebenen Mauern sollen nach Angaben der Messe Berlin bis Frühjahr 2012 abgetragen werden.
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„Für die Messe ist das der Startschuss in die Zukunft“, sagte ein Messesprecher. Der Landesbetrieb will an der Stelle bis 2013 für 65 Millionen Euro eine neue Messe- und Kongresshalle bauen. Der zweigeschossige Bau mit bis zu 9000 Plätzen soll das Kongressgeschäft für Berlin retten, während nebenan das asbestbelastete Internationale Congress Centrum (ICC) ab 2014 saniert wird.
Eine Momentaufnahme: die Sprengung der Deutschlandhalle
Plötzlich wölbt sich das Dach der Deutschlandhalle nach oben...
Foto: Markus Wächter
Millisekunden später: Aus den Fenstern und Wänden schießen Staubwolken nach außen, als der Druck der Sprengung immer größer wird...
Foto: Markus Wächter
Die 40 Kilogramm Dynamit zeigen ihre Wirkung: um Punkt 9.55 Uhr stürzt das 6.000 Quadratmeter große Laternendach in sich zusammen...
Foto: Markus Wächter
Plötzlich ist nur noch eine riesige Staubwolke zu sehen...
Foto: Markus Wächter
Langsam schwebt sie weiter durch Charlottenburg...
Foto: Markus Wächter
Der Verkehr auf der A 115 (Avus) musste wegen der riesigen Staubwolke zwischenzeitlich gestoppt werden.
Foto: Markus Wächter
Langsam zeichnen sich die Konturen der gesprengten Deutschlandhalle wieder ab. „Es ist zu 100 Prozent perfekt gelaufen“, berichtet Sprengmeister Christoph Halter.
Foto: Markus Wächter
Ein Abriss des Daches mit einem Bagger wäre aus Sicht des Sprengmeisters wegen der besonderen Bauweise zu gefährlich gewesen. „Das Dach hätte bei den Arbeiten einstürzen können“, betonte der Sprengmeister. 8.000 Euro hat die Sprengung gekostet. Bis März nächsten Jahres sollen die stehen gebliebenen Mauern abgetragen werden.
Foto: Markus Wächter
„Wir mussten 1.000 Meter Kabel verlegen, um die Sprengladungen miteinander zu verbinden“, erläutert der Sprengmeister Christoph Halter. 235 Löcher wurden in die Dachpfeiler gebohrt. „Die Sprengung an sich dauerte nur eine Sekunde," erzählt der zufriedene Sprengmeister.
Die Deutschlandhalle weckt bei vielen Berlinern Erinnerungen - nicht nur positive: 1935 hatte Adolf Hitler die damals weltgrößte Mehrzweckhalle eröffnet, die Nazis nutzten sie für Massenveranstaltungen. Bekannt wurde der Charlottenburger Bau durch die Artistenschau „Menschen, Tiere, Sensationen“. Die Pilotin Hanna Reitsch kreiste mit einem Hubschrauber durch die Halle. Nach Zerstörung, Wiederaufbau und Neueröffnung 1957 spielten dort die Rolling Stones, The Who, Queen und Jimi Hendrix.
1998 wurde die denkmalgeschützte Halle wegen Baufälligkeit geschlossen. Dennoch wurde sie 2001 noch vorübergehend zur Eissporthalle umfunktioniert. Auf dem Gelände in Westend soll bis Ende 2013 eine deutlich größere Kongresshalle entstehen. Es sei zwar traurig, dass die Deutschlandhalle „abgerissen werden soll, aber auf der anderen Seite entsteht dadurch wieder Neues“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit.
Die Deutschlandhalle: Menschen, Tiere, Sensationen
Vor der Sprengung des Dachs am Sonnabend hat der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) an die Geschichte des Gebäudes erinnert. Die Traditionshalle habe großartige Veranstaltungen und Konzerte beherbergt, sagte er. "Aber die Zeit der Deutschlandhalle ist nicht erst seit gestern, sondern seit längerer Zeit vorbei", sagte er.
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Auf dem Gelände in Westend soll bis Ende 2013 eine deutlich größere Kongresshalle entstehen.
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Hier ein Holzmodell des neuen Kongresszentrums im Arbeitszimmer des Geschäftsführers der Messe Berlin. Er will die 70 Jahre alte, denkmalgeschützte Deutschlandhalle abreißen und dort das neue "Deutschlandhalle Convention Center" (DCC) errichten.
Bekannt wurde der Charlottenburger Bau durch die Artistenschau „Menschen, Tiere, Sensationen“ (hier eine Jongliergruppe aus der Mongolei 1997), die traditionell auf dem Weihnachtsprogramm vieler Familien in der Hauptstadt stand.
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Auch diese "Elefanten-Ballett" vom Zirkus Knie trat bei "Menschen-Tiere-Sensationen" auf.
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Nach Zerstörung, Wiederaufbau und Neueröffnung 1957 spielten dort unter anderem die Rolling Stones, The Who, Queen und Jimi Hendrix. Kiss gaben sich 1996 die Ehre.
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Die italienische Operndiva Renata Tebaldi während ihres ersten Auftritts in der Deutschlandhalle 1961. Die von ihrem Entdecker Arturo Toscanini als "Engelsstimme" gerühmte Sängerin gilt bis heute als eine der größten Sopranistin der Nachkriegszeit.
Der Showmaster Vico Torriani mit seinen Assistentinnen Ina (l.), Barbara (M.) und Alexandra (r.) in der 25.Ausgabe der ZDF-Show "Der Goldene Schuss" in der Berliner Deutschlandhalle (Archivfoto von 1967). Mit der Show kam die farbige Fernsehwelt in die deutschen Wohnstuben.
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Mit Weltmeistergürtel und Siegerkranz posiert der deutsche Boxweltmeister im Super-Weltergewicht Eckhart Dagge auf dem Archivbild vom 15. März 1977 in der Deutschlandhalle. Er verteidigte seinen Titel mit einem Unentschieden gegen den Herausforderer Maurice Hope aus Großbritannien.
David Bowie hatte in dem Film "Christiane F." einen Auftritt in der Deutschlandhalle.
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Am 12. November 1989 fand ein Festival zum Mauerfall in der Halle statt, bei dem unter anderem Nina Hagen und Udo Lindenberg auftraten.
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Der Entertainer und Moderator Thomas Gottschalk freut sich während der Bravo-Supershow über die Auszeichnung "Platin Otto". Die Konzertveranstaltung des Jugendmagazins der Bauer-Verlagsgruppe erlebte ihre Taufe im Jahr 1994 in der Deutschlandhalle.
Der Dirigent und Regisseur der Oper "Aida", Guiseppe Raffa, sitzt neben der Aida-Darstellerin Leona Mitchell vor einer Sphinx-Plastik auf der Bühne der Berliner Deutschlandhalle. Die größte Operninszenierung der Welt mit über 1000 Mitwirkenden fand 1995 in der Spreemetropole statt.
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Die Zeiten, als Bayern München noch mit Nationalspielern in der Deutschlandhalle antrat, sind vorbei: 1996 bezwangen sie dort im Finale des Hallenfußballturniers den FC St. Pauli, damals noch mit Markus Babbel (3.v.r.), dem heutigen Ex-Hertha-Trainer.
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Brent Scott (r., Indiana Pacers) gegen Anthony Miller (l., Seattle Supersonics): Die US-Stars kamen 1996 im Rahmen einer NBA-Werbetour in die seit Wochen ausverkaufte Deutschlandhalle.
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Profi-Boxweltmeister Henry Maske gibt 1995 in der Deutschlandhalle während der Eröffnungsveranstaltung der VIII. Amateur-Boxweltmeisterschaften Autogramme.
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Ralf Rocchigiani (r.) und Jay Snyder zeigen ihre Muskeln in der Deutschlandhalle: 1996 verteidigte "Rocky II" seinen WBO-Titel im Cruisergewicht gegen den Amerikaner.
Diese Szene gehört zu dem Abenteuer-Spektakel auf Schlittschuhen "Asterix on Ice", das 1996 in der Hauptstadt Premiere feierte.
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Die dreimalige deutsche Eiskunstlaufmeisterin Marina Kielmann mit einem Plakat für das Berliner Gastspiel von "Holiday on Ice" 1997. Die Show wurde nach 43 Jahren letztmalig in der Deutschlandhalle aufgeführt.
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1998 wurde die denkmalgeschützte Halle wegen Baufälligkeit geschlossen. Dennoch wurde sie 2001 noch vorübergehend zur Eissporthalle umfunktioniert und vereinzelt für Sport- und Kulturveranstaltungen genutzt.
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Im vierten Akt der Oper "Nabucco" von Giuseppe Verdi wird der Held der Freiheitsoper, Nabucco - dargestellt von Alain Fondary - im Tempel des Baal die Götzenbilder zerstören. Für vier Abende gastierte das Ensemble der Arena di Verona 2003 in der Berliner Deutschlandhalle.
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Der deutsche Hiphopper Clueso sang 2004 während des Eröffnungskonzertes der Musikmesse Popkomm in der Deutschlandhalle.
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An einem roten Seil hängend probt dieser Turner über dem Logo des Turnfestes in der Deutschlandhalle für die bevorstehenden Wettkämpfe. Über 100.000 Teilnehmer wurden zu dem Internationalen Deutschen Turnfest erwartet, das 2005 in der Hauptstadt stattfand.
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Nun muss die legendäre Deutschlandhalle Platz machen für Neues.
Sie war die größte Mehrzweckhalle der Welt: Die Deutschlandhalle (hier ein Bild aus dem Jahr 2009) wurde ein Jahr vor den Olympischen Spielen in Berlin 1935 mit 10.000 Plätzen eröffnet. Die Nazis nutzten sie für Massenveranstaltungen.
Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hatte aus Denkmalschutzgründen versucht, den Abriss zu verhindern. Der Senat setzte sich jedoch durch. Auf dem Messegelände mit seinen 26 Hallen wird es bei Großveranstaltungen wie der Internationalen Funkausstellung (IFA) regelmäßig eng. Zuletzt bezogen Aussteller auch Zelte. Eine Abschiedsfeier für die Halle ist nicht geplant. (dpa/dapd)
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