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Von Ceska bis Kalaschnikow: Illegaler Waffenhandel in Berlin floriert

Ein illegales Waffenlager, das vor einiger Zeit in Kreuzberg entdeckt wurde.

Ein illegales Waffenlager, das vor einiger Zeit in Kreuzberg entdeckt wurde.

Foto:

DPA/Marcel Mettelsiefe

Berlin -

Ein Mann tritt vor ein voll besetztes Auto. Er zieht eine tschechische Pistole der Marke Ceska und drückt ab. Zwölf Projektile durchschlagen die Karosserie. Zwei Frauen sind sofort tot, ein Mann wird schwer verletzt. Der 25 Jahre alte Schütze sitzt zurzeit auf der Anklagebank, und noch ist unklar, wie er an die Waffe gelangt ist.

Das weiß man auch im Fall von Fevzi Ocak nicht. Der 41-Jährige war am Wochenende noch immer auf der Flucht. Er hatte am Freitagmorgen am Britzer Damm in Neukölln auf einen Geschäftspartner geschossen.

Auch im Mordfall Burak B., der am Gründonnerstag in Neukölln auf offener Straße mit einer Pistole erschossen wurde, ist noch nicht bekannt, wie der Schütze an die Waffe kam. Es soll sich dabei ebenfalls um eine Ceska handeln.

Preise für illegale Waffen sind gestiegen

Tschechische Pistolen verkaufen sich gut. Eine Standardausführung der Pistole kostet rund hundert Euro. Der illegale Handel mit Waffen floriert in Berlin. Nachdem er vor einigen Jahren zurück gegangen war, steigt er jetzt wieder leicht an, mutmaßen Fahnder. Diesen Verdacht haben sie, weil bei Wohnungsdurchsuchungen wieder mehr illegale und nicht registrierte Waffen sichergestellt werden.

Die Preise im illegalen Waffenhandel seien gestiegen, heißt es. Noch vor einigen Jahren kostete eine russische Makarow 250 Euro, ohne Munition. Der Preis liegt heute bei mehr als 300 Euro. Scharfe Handgranaten gibt es nicht mehr für 20 Euro wie früher, sondern mittlerweile für das Dreifache. Für das Sturmgewehr Kalaschnikow AK-47 müssen mehr als 1000 Euro auf den Tisch gelegt werden. Munition kostet extra.

Bestellung per Internet

Die meisten illegal gehandelten Waffen stammen aus Ländern der ehemaligen Sowjetunion, der Türkei, aus Bulgarien und Rumänien. Aber auch aus Holland oder arabischen Ländern werden Händler beliefert. Ein Großteil der illegalen Waffen wird im Internet bestellt. Häufig werden die Schießeisen in Einzelteilen geliefert. Deklariert sind die Postsendungen als Ersatzteillieferungen. Ein anderer Vertriebsweg geht über Zwischenhändler in Polen oder in Tschechien. Von dort werden Einzelstücke, die zuvor zerlegt werden, über die Grenze gebracht. Schwieriger ist der Transport von Munition. Sie gelangt, ähnlich wie illegale Zigaretten, einzeln oder in Kleinpackungen zu den Kunden.

In Berlin sind knapp 60.000 Waffen registriert, heißt es bei der Polizei. Sie gehören Sportschützen, Jägern, Geldtransporteuren und Wachschützern. Die Waffen der Sicherheitsbehörden gehören nicht dazu. 10.550 private Waffenbesitzer sind bei der Waffenbehörde der Polizei eingetragen. Sie bekommen in unregelmäßigen Abständen Besuch von Mitarbeitern der Waffenbehörde, die zum Landeskriminalamt gehört. Die Mitarbeiter kontrollieren die ordnungsgemäße Aufbewahrung von Waffen und Munition. 350 Privatpersonen besitzen in Berlin einen Waffenschein. Der berechtigt zum Tragen einer Waffe in der Öffentlichkeit. Der Schein muss immer wieder beantragt werden.

Fünf Jahre Gefängnis für illegalen Waffenbesitz

Trotz dieser Bestimmungen weiß niemand, wie viele legale Waffen es in Deutschland gibt. Deshalb soll bis zum Jahresende ein zentrales Waffenregister beim Bundesverwaltungsamt eingerichtet werden. Bislang sind die Daten über genehmigungspflichtige Waffen bei rund 600 einzelnen Behörden gespeichert. Sie sind nicht miteinander vernetzt. Ein Zentralregister habe den Vorteil, dass alle datenelektronisch abrufbar sind, sagen Polizisten.

Über die Zahl illegaler Schusswaffen kann die Polizei allerdings nur Vermutungen anstellen. Schätzungen zufolge ist die Zahl 20 Mal höher als die registrierter Waffen. Der Besitz illegaler Waffen kann mit Gefängnis bis zu fünf Jahren bestraft werden.

(mit kop.)



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