blz_logo12,9

Vonovia gegen Deutsche Wohnen: Showdown im Kampf um mehr als 100.000 Berliner Wohnungen

Alte Häuser, neue Häuser. Der Blick über die Dächer von Prenzlauer Berg.

Alte Häuser, neue Häuser. Der Blick über die Dächer von Prenzlauer Berg.

Foto:

imago/Seeliger

Am Anfang reichen sie sich noch die Hand und tauschen Nettigkeiten aus. Aber dann geht es doch zur Sache. Die versprochene Schaffung neuer Arbeitsplätze in Berlin sei eine „Milchmädchenrechnung“, giftet Michael Zahn, Vorstandschef der Deutsche Wohnen, des größten Einzelvermieters in Berlin.

Adressat ist Klaus Freiberg, Vorstandschef der Vonovia, des größten deutschen Immobilienkonzerns mit bundesweit 367.000 Wohnungen. Die Vonovia will die Deutsche Wohnen, die 147.000 Wohnungen besitzt, übernehmen – gegen deren erklärten Willen. Es ist der Versuch einer feindlichen Übernahme.

Synergien in Millionenhöhe

Am Mittwochnachmittag sitzen die Chefs der beiden Unternehmen im Bauausschuss des Abgeordnetenhauses, um Fragen der Parlamentarier zu beantworten. Die haben bei dem Geschäft zwar nichts zu entscheiden, wollen sich aber ein Bild machen, was auf Berlins Mieter zukommen könnte. Denn 103.000 Wohnungen der Deutsche Wohnen liegen in der Hauptstadt. Damit die Übernahme klappt, benötigt Vonovia 50 Prozent der Anteile der Deutschen Wohnen plus eine Aktie.

Um den Aktionären der Deutsche Wohnen die Zustimmung zur Übernahme schmackhaft zu machen, stellt Vonovia ihnen „Synergien“ in Höhe von 84 Millionen Euro jährlich in Aussicht. Die will das Bochumer Unternehmen unter anderem durch seine Größe und geschicktes Einkaufen erzielen, wie Freiberg sagt. Nach der Übernahme der Deutschen Wohnen sei Vonovia in der Lage, in den kommenden zehn Jahren 10.000 Wohnungen in Berlin zu errichten, erklärt Freiberg. Rund eine Milliarde soll in den Neubau investiert werden, eine weitere Milliarde in vorhandene Wohnquartiere. Geld werde trotz der milliardenschweren Übernahme weiter fließen, lautet die Botschaft.

Das bezweifelt nicht nur die Deutsche Wohnen. „Jede kreditfinanzierte Übernahme erzeugt einen Schuldenberg, der bei Wohnungsunternehmen letztlich von den Mietern refinanziert werden muss“, sagt der Bauausschuss-Vorsitzende Andreas Otto (Grüne). Ähnlich äußert sich der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild. Der Mieterverein sehe „keine Vorteile“ durch die Übernahme, „aber neue Risiken“, sagt Wild. „Deswegen halten wir die Fusion nicht für sinnvoll.“ Eine Lanze für die Deutsche Wohnen bricht er damit aber nicht. Die Deutsche Wohnen versuche, bei Mieterhöhungen den Mietspiegel zu umgehen, kritisiert Wild. Dies sei nicht akzeptabel.

Senator übt Kritik

Unterstützung erhält er dabei von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). Der sagt zwar, dass es bedauerlich für Berlin wäre, wenn die Stadt ein M-Dax-Unternehmen verliere. Doch habe es im Zusammenhang mit dem Mietspiegel erhebliche Konflikte mit der Deutschen Wohnen gegeben. „Insofern ist es zumindest originell, dass die Deutsche Wohnen jetzt um Unterstützung des Senats und des Abgeordnetenhauses nachsucht.“

Deutsche-Wohnen-Chef Zahn sagt zwar, er sehe den Mietspiegel kritisch, aber „kritisch-konstruktiv“. Gewinnen kann er damit an diesem Tag nichts. Leicht hat es bei dem Thema Vonovia-Chef Freiberg. „Wir akzeptieren von Hamburg bis München, von Dortmund bis Berlin die Vorschriften“, sagt er. Der Punkt geht an ihn. Ob er den Übernahmekampf gewinnt, entscheidet sich nächsten Dienstag. Um Mitternacht endet die Annahmefrist für die Aktionäre.