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Wahl der Gemeindevertreter: Gideon Joffe ist wieder Chef der Jüdischen Gemeinde

Die Neue Synagoge ist das Zentrum der jüdischen Gemeinde Berlins.

Die Neue Synagoge ist das Zentrum der jüdischen Gemeinde Berlins.

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imago/Schöning

Es ist wohl nicht anzunehmen, dass es in Zukunft ruhiger werden wird um die Jüdische Gemeinde zu Berlin. Bereits die erste Sitzung des Gemeindeparlaments geriet am Sonntagabend wieder zu einem derart zähen Ringen zwischen den zerstrittenen Fraktionen dieser Gemeinschaft, dass Beobachtern nur noch schwindlig werden konnte.

Ein neuer Vorstand sollte gewählt werden und in Anbetracht der Ergebnisse bei den Wahlen im Dezember war klar, dass er wieder Gideon Joffe heißen würde. Kampflos würde die Opposition das allerdings nicht hinnehmen. Das macht sie an diesem Abend von Anfang an deutlich.

Es sind viele ältere Mitglieder nach Charlottenburg in das Gemeindehaus an der Fasanenstraße gekommen. Bereits vor Beginn der Sitzung ist die Stimmung angespannt. Gideon Joffe tritt aufgeregt von einem Fuß auf den anderen. Oppositionsmitglieder verteilen Protestnoten. Sie weisen darauf hin, dass sie die Sitzung für illegitim halten.

Lala Süßkind, die früher die Geschicke der Gemeinde geleitet hat, spricht von Betrug. Sie will auf keinen Fall, dass Gideon Joffe nun ein weiteres Mal zum Kopf dieser Gemeinde gewählt wird. Auch wenn seine Fraktion 13 der 21 Sitze im Gemeindeparlament errungen hat. „Wenn das jetzt passiert, trete ich aus“, sagt sie.

Seit Wochen schwelt dieser Konflikt bereits. Das Wahlbündnis Emet um den Anwalt und Publizisten Sergey Lagodinsky bezweifelt, dass das Wahlergebnis mit rechtmäßigen Mitteln zustande gekommen ist. Wie auch schon vor vier Jahren sollen massenhaft Stimmen per Briefwahl das Ergebnis ins Gegenteil verkehrt haben.

Emet wendete sich an den gemeindeeigenen Schiedsausschuss. Als dessen Vorsitzender plötzlich zurück trat, suchte das Bündnis Hilfe beim Zentralrat der Juden. Der erklärte sich allerdings für nicht zuständig. Unterdessen hatte die bisherige Gemeindeführung die Wahlergebnisse für endgültig erklärt und eine erste, konstituierende Sitzung für den gestrigen Sonntagabend angesetzt.

Das geht nur eine halbe Stunde lang gut, dann kommt es zu ersten Zwischenfällen. Igor Bender, Nathan Del, Mike Delberg, einer nach dem anderen nehmen die gewählten Repräsentanten der Emet-Fraktion ihre Wahl zwar an, allerdings nicht ohne einen anschließenden Protest zu formulieren. „Ich halte diese Repräsentantenversammlung für illegitim“, sagt der Jurastudent Mike Delberg. Einige im Publikum klatschen, es sind aber auch Buhrufe zu hören. Einen anhaltenden Applaus bekommt allein Gideon Joffe. Im Publikum sind an diesem Abend eindeutig die meisten auf seiner Seite.
Delberg ist es dann, der für die erste Unterbrechung sorgt. Er will erklären, warum diese Sitzung in seinen Augen nicht rechtmäßig zustande gekommen ist. Aber er darf es nicht. Dreimal wird die Sitzung unterbrochen. Dann gibt Delberg auf.

Es ist 20.30 Uhr, als Gideon Joffe und seine Mitstreiter dann in den Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gewählt werden. Sie bestimmen anschließend aus ihrer Mitte den neuen Vorsitzenden. Er heißt – wie nicht anders zu erwarten war – Gideon Joffe.

Die Jüdische Gemeinde geht damit allerdings nur in eine neue Runde der internen Auseinandersetzung. Die Opposition wird weiter versuchen, den Zentralrat der Juden in Deutschland zu Aktionen zu bewegen.
Fürs erste hat sie sich schon mal ein Gutachten des Obersten Schieds- und Verwaltungsgerichts beim Zentralrat besorgt. Mit Datum vom 21. Januar heißt es da, das Wahlergebnis in der Berliner Gemeinde stehe noch nicht fest. Die Einberufung einer Sitzung zur Wahl des Gemeindevorstands sei voreilig. Alle Beschlüsse seien nun „schwebend unwirksam“ und müssten zurück genommen werden, wenn sich herausstellen sollte, dass die Wahlen im Dezember nicht rechtmäßig erfolgt sind. Ein „Damoklesschwert“ hänge über den Repräsentanten und ihren Entscheidungen, so die Richter.

Gideon Joffe allerdings sorgt an diesem Abend noch für eine Überraschung. „Meine Hand ist zur Zusammenarbeit ausgestreckt“, sagt er an seine Widersacher gerichtet, „ich kann nur hoffen, dass die letzten vier Jahre eine traurige Ausnahme waren.“ Er sei dazu bereit, den Streit zu begraben, mit jedem einzelnen. „Lasst es uns anpacken“, sagt Joffe.
Fünf Minuten später gehen sich Gideon Joffe und Sergey Lagodinsky allerdings bereits wieder verbal an die Kehle. Friedensappelle haben in dieser Gemeinde nur eine sehr begrenzte Halbwertzeit.


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