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Wahlplakat: Merkels Handzeichen am Hauptbahnhof

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Diese Wahlwerbung hängt seit dieser Woche an einem Baugerüst am Hauptbahnhof und ist auch nachts beleuchtet.
Diese Wahlwerbung hängt seit dieser Woche an einem Baugerüst am Hauptbahnhof und ist auch nachts beleuchtet.
 Foto: AP/dpa

Groß, größer, am Größten: Die CDU hängt am Hauptbahnhof ein riesiges Wahlplakat auf. Und beweist damit Kreativität.

Vielfach verspottet ist die Geste. Sie ist aber längst zu einem Markenzeichen der Bundeskanzlerin geworden und wird auch als Merkel-Raute bezeichnet. Weiß Angela Merkel nämlich nicht, wohin mit ihren Händen, wenn etwa Fernsehteams in der Nähe sind, dann nimmt sie diese Pose ein: Die Hände vor der Körpermitte. Die Daumen nach oben, die Fingerspitzen sind gegeneinander gelegt und weisen nach unten. Zusammen bilden Daumen und Zeigefinger ein Viereck. Die CDU macht sich die Popularität dieser Geste jetzt zunutze und setzt sie mit selbstironischer Note im Wahlkampf ein. Gut zweieinhalb Wochen vor der Bundestagswahl zieren Merkels Hände ein Riesenposter am Hauptbahnhof, das am Baugerüst für das neue Steigenberger-Hotel angebracht ist.

Wozu noch ein Gesicht zeigen oder über Inhalte philosophieren, wenn die Raute als Ikone reicht? „Das Plakat ist toll gemacht. Jeder weiß, das ist Frau Merkel. Das ist etwas ganz anderes als die Einheitsfloskeln auf anderen Wahlplakaten, die sich niemand merkt“, sagt Dirk Spakowski. Er ist Werbeexperte und Geschäftsführer der Werbeagentur BBDO Proximity Berlin, die in diesem Jahr in Cannes auf dem Internationalen Werbefestival zahlreiche „Löwen“ gewonnen hat. Dass die CDU die Hände gewählt hat, über die man sich lustig gemacht hat, und jetzt als Symbol nutzt, findet Spakowski mutig. „Hier wird ein vermeintlicher Nachteil souverän präsentiert. Das zeigt: Ich bin selbstbewusst, ich kann darüber lachen. Das macht Frau Merkel authentisch und sympathisch“, sagt der Werbefachmann.

Mit dem Mega-Poster scheint der CDU ein guter Schachzug gelungen zu sein. Zehntausende Fahrgäste sind täglich am Hauptbahnhof unterwegs und werden von der Kanzlerin begrüßt. Kanzleramt und Bundestag sind in Sichtweite. Und solch ein riesengroßes CDU-Poster hat es auch noch nie gegeben. Fast 2 400 Quadratmeter ist es groß. Wie es Generalsekretär Hermann Gröhe formuliert, setze man „ein optisches Ausrufezeichen“. So sind auf 70 mal 20 Metern Merkels Hände zu sehen. Das Besondere an dem Poster ist: Das Bild setzt sich wie ein Mosaik aus 2 150 einzelnen Handmotiven von Merkel-Unterstützern zusammen. „Aus kreativer Sicht ist das wirklich gut gelungen. Das sind alles Hände, die tätig sind. Und sie werden geführt von Frau Merkel“, interpretiert das Spakowski. Die Aussage sei: Bei Merkel ist man in guten Händen. So ähnlich steht es auch auf dem 50 mal 20 Meter großen Plakat auf der Nachbarfassade. Dies sei pfiffig gemacht und stehe im Kontrast zu den „inhaltsleeren Floskeln auf den Plakaten an den Laternen“.

Indirekt verstärkt Merkel nach dem TV-Duell mit SPD-Herausforderer Peer Steinbrück ihre mantraartig vorgetragene Botschaft, die Wähler wissen genau, was sie an ihr haben. Illegal hängt das Riesenposter am Hauptbahnhof nicht, wie Merkels Gegner reflexartig vermuten. „Wahlwerbung unterliegt in der Wahlkampfzeit von drei Monaten nicht den Bestimmungen der Berliner Bauordnung“, sagt Tanja Lier, Leiterin des Stadtentwicklungsamtes in Mitte. Eine Genehmigung ist anders als bei Produktwerbung nicht erforderlich. Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) lässt den Vorgang trotzdem prüfen.

Im Wahlkampf vor vier Jahren hat die CDU schon einmal mit einem Mega-Poster für Aufsehen gesorgt. Damals hat sie ihre Werbung am Baugerüst des Charlottenburger Tores platziert. Es zeigte 1 800 Menschen, die der Partei ihre Stimme geben wollten. Doch die Aktion war umstritten. Denn ein Vertrag zwischen Bezirk und der Stiftung Denkmalschutz Berlin aus dem Jahr 2004 sah vor, dass während der Sanierung keine religiöse oder politische Werbung stattfinden darf. Nach 14 Tagen war der Streit um das größte Wahlplakat Deutschlands beendet: Das Logo der CDU und ihr Wahlslogan mussten entfernt werden.

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