Voll, da selten: Die Berliner S-Bahn hat noch immer mit Personalmangel zu kämpfen.
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Voll, da selten: Die Berliner S-Bahn hat noch immer mit Personalmangel zu kämpfen.
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Berlin –
Viele Berliner haben sich den Warnstreik der BVG schlimmer vorgestellt. Der Totalausfall von U-Bahnen, Trams und Bussen hat nicht zum erwarteten Verkehrskollaps geführt. Das große Chaos blieb bislang aus.
Die Bahnabfertigerin auf dem S-Bahnhof Friedenau versteht die Welt nicht mehr. „Wenn bei uns mal ein Zug zwei Minuten zu spät kommt, regen sich alle tierisch auf“, sagt sie. „Aber heute, wo die BVG streikt, wird überhaupt nicht gemeckert.“ Und tatsächlich: Nicht nur entlang der S1 nehmen Berliner und Touristen den Totalausfall von U-Bahnen, Trams und Bussen erstaunlich gelassen.
Am Vormittag ist bei Fahrten mit der S-Bahn sogar kaum ein erhöhtes Fahrgastaufkommen wahrzunehmen. Das ändert sich am Nachmittag. Vor allem in den Zügen Richtung Olympiastadion. Ab dem Umsteigebahnhof Westkreuz wird es beklemmend voll. Aber auch bei anderen Massenveranstaltungen ist die Anfahrt mit dem öffentlichen Nahverkehr – auch ohne Streik – nicht immer behaglich.
Alles viel schlimmer vorgestellt
Selbst in dem ab S-Bahnhof Jungfernheide eingesetzten Shuttle-Bus zum Flughafen Tegel ist die Stimmung entspannt. Naja, sie sei schon etwas genervt, sagt Jasmin Kessler, eine junge Schweizerin die nach einer Woche Berlin mit dicker Reisetasche auf dem Heimweg ist. Eine halbe Stunde habe sie der Streik gekostet. „Aber so schlimm ist das auch nicht.“ Und Dany Cabolai, einer der Busfahrer des für die BVG tätigen Unternehmens Hartmann, ist sogar ganz aus dem Häuschen.
An diesem Samstag wird gestreikt: Der Warnstreik der BVG-Beschäftigten legt den Bus, U- und Straßenbahnverkehr in ganz Berlin lahm. Die Fahrgäste müssen auf die S-Bahn oder Taxis umsteigen oder zu Fuß laufen...
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An diesem Samstag traten die Beschäftigten der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) um 4.00 Uhr in einen 15-stündigen Ausstand.
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Die BVG-Beschäftigten fordern höhere Löhne. "Wir haben für die erste Streikaktion bewusst den Sonnabend gewählt, um die Auswirkungen für die Fahrgäste gering zu halten", erklärte die Gewerkschaft Verdi.
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Während des Ausstands müssen alle Fahrgäste auf S-Bahn- und Regionalzüge ausweichen, die nicht der landeseigenen BVG gehören.
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Am Busbahnhof Zoologischer Garten hängt eine Anzeigetafel mit Informationen über den Warnstreik der 5.000 BVG-Beschäftigten.
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"Unsere Geduld ist erschöpft", erklärte Verdi. Die Tarifkommission hatte am Mittwoch auch das jüngste Angebot des Kommunalen Arbeitgeberverbands (KAV) für die 12.500 Beschäftigten als unzureichend abgelehnt. Einige streikende Beschäftigte sitzen nun in einem Bus und hoffen auf Lohnerhöhung und einen Inflationsausgleich.
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Dass schon der erste Warnstreik am Sonnabend 15 Stunden dauerte, stieß auf heftige Kritik.
„Die Leute sind total entspannt und happy“, erzählt er lachend. Dabei hat er sich vor diesem Dienst schon gegruselt. „Ich dachte, man wird ständig angemotzt. Ich hab mir das viel schlimmer vorgestellt.“ Einem seiner Kollegen tun nur die ausländischen Besucher etwas leid. Die seien teils verunsichert und würden viel fragen und das Antworten auf englisch sei ja nicht so einfach.
Selbst an der BVG Verkaufsstelle auf dem Flughafen sind die Mitarbeiter ganz entspannt. „Alles Roger“, sagt eine kräftige Frau hinter dem Tresen. Ab und zu würde auch mal ein vom Streik überraschter Heimkehrer schimpfen. „Aber so was haben wir immer.“ Rund um den Potsdamer Platz, den zentralen Veranstaltungsort der Berlinale, regt sich ebenfalls kaum jemand auf. Die Geschäfte in den Arcaden laufen trotzdem gut. Jetzt, zum Ende der Filmfestspiele, lasse der Andrang ohnehin etwas nach, sagt eine Verkäuferin des Berlinale-Shops.
Bianca und Ulrich Aichner aus Merseburg am Bodensee sind gerade mit der S-Bahn angekommen und ganz erleichtert, wie gut das trotz Streik funktioniert hat. Aber ein bisschen ärgert sich das Paar doch. „Für unseren zweitägigen Besuch haben wir extra eine Welcome-Berlin-Karte für 17,50 Euro gekauft“, sagt Bianca Aichner. „Die können wir jetzt gar nicht abfahren. Und die BVG wollte uns das Geld nicht erstatten.“ Ein wenig missmutig ist auch der Taxifahrer, der ganz in der Nähe auf Kundschaft wartet. „Ich habe mir mehr versprochen“, sagt er. „Ich merke nichts von dem Streik.“
Rechnerisch fahren sie jeden Tag einmal zum Mond und zurück: die Busse, Trams und U-Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).
Streckennetz
Das landeseigene Unternehmen betreibt mit 300 Kilometern Schienenlänge das größte Straßen- und U-Bahnnetz in Deutschland. 12 600 Menschen sind bei der BVG und ihrer Tochter Berlin Transport beschäftigt.
Fahrgäste
Täglich nutzen durchschnittlich 2,5 Millionen Fahrgäste das Angebot. Die zum Bahnkonzern gehörige S-Bahn als zweites Standbein des Berliner Nahverkehrs zählt 1,3 Millionen.
Kosten
Das Land lässt sich die BVG viel Geld kosten: Für das vergangene Jahr war ein Verlust von 74,5 Millionen Euro prognostiziert.
Ziel
Vorstandschefin Sigrid Nikutta peilt für 2016 schwarze Zahlen an.
Das nachgebesserte Angebot der Arbeitgeber für die BVG-Beschäftigten
Ab Mai 2012 erhalten die Beschäftigen 2,3 Prozent mehr Entgelt, weitere 1,3 Prozent ab Juni 2013 und eine Erhöhung von 1,5 Prozent ab Juli 2014.
Einmalzahlung
Die Beschäftigten erhalten einmalig 100 Euro zum Januar 2015.
Urlaub
Die Urlaubsanspruch soll auf 30 Tage für alle Arbeitnehmer bis 2015 vereinheitlicht werden, bislang erhalten sie je nach Alter zwischen 26 und 30 Tage Urlaub.
Alle Beschäftigten
Die Angebote sollen auch für die Arbeitnehmer bei der BVG-Tochter Berlin Transport (BT) gelten, in der etwa 2.000 Busfahrer zu geringeren Gehältern tätig sind; zugleich wurde eine Beschäftigungssicherung bis 2020 zugesagt. (Quelle: Kommunaler Arbeitgeberverband)
Die Gewerkschaft Verdi hat alle Fahrerinnen und Fahrer der BVG für diesen Sonnabend zum Warnstreik aufgerufen. Von 4 Uhr bis 19 Uhr sollen in der ganzen Stadt weder U- noch Straßenbahnen oder Busse der BVG verkehren. Fahrgäste müssen damit rechnen, dass bereits ab 2 Uhr Fahrten ausfallen. Erst gegen 21 Uhr werde sich der Verkehr normalisiert haben. Auskunfte: Tel. 194 49.
Nur wenige Strecken werden am Sonnabend befahren. Auf folgenden Linien sind Busse aus dem Umland oder von Privatunternehmen im BVG-Auftrag unterwegs: 106, 112, 140, 161, 163, 168, 175, 184, 204, 218, 234, 263, 271, 275, 294, 326, 334, 363, 371, 372, 373, 390 und 399. Auch die Linien 107, 136 sowie Strecken mit 600er- und 700er-Nummern bleiben in Betrieb. Einschränken sind aber überall möglich.
Der Flughafen Tegel bleibt per Bus erreichbar. Wer dorthin will, fährt mit der S-Bahn (Ringlinien S 41/42) oder mit einem Regionalzug zum Bahnhof Jungfernheide. Von der Haltestelle Tegeler Weg/S-Bahnhof Jungfernheide geht es mit Privatbussen weiter, die im Auftrag der BVG bei Bedarf alle fünf Minuten zum Airport fahren sollen. Die erste Tour beginnt um 3.32 Uhr.
Die S-Bahn wird nicht bestreikt. Allerdings müssen Fahrgäste im Osten Berlins mit längeren Reisezeiten rechnen. Bis Montag, 1.30 Uhr, fahren zwischen Lichtenberg und Ostkreuz keine S-Bahnen. Von Lichtenberg gibt es zwei Möglichkeiten, weiter zu kommen: entweder mit dem Schienenersatzverkehr zum S-Bahnhof Rummelsburg an der S 3 – oder (besser) mit dem Bus-Shuttle, der zum S-Bahnhof Frankfurter Allee fährt.
Hertha-Fans sollten frühzeitig ins Olympiastadion kommen – es ist ab 13.30 Uhr geöffnet. Die S-Bahn setzt fünf Züge in 20 Minuten ein. Für Autofahrer wird der Messe-Parkplatz P 18 (Jafféstraße/ Tor 25) geöffnet. Von dort aus fahren Busse der Firma BEX ab 13.30 Uhr zum Stadion– und bis 19 Uhr zurück.
Autofahrer müssen mit mehr Verkehr rechnen – vor allem rund um das Olympiastadion und an der O2 World, wo ab 20 Uhr Alba Berlin gegen die Artland Dragons spielen wird.
Radfahren ist eine gesunde Alternative zum Verkehrs-Stress. Die Website www.bbbike.de bietet sich als Routenplaner an.
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