20.02.2012

Warnstreiks der BVG: Jetzt kann es auch die Berufspendler treffen

Von Andrea Beyerlein
        

Klare Ansage: Auch auf dem BVG-Betriebshof Cicerostraße standen am Sonnabend alle Busse still.
Klare Ansage: Auch auf dem BVG-Betriebshof Cicerostraße standen am Sonnabend alle Busse still.
Foto: dpa
Berlin –  

Berlin meisterte den Ausstand bei der BVG mit sichtlicher Gelassenheit. Doch in dieser Woche sind weitere Warnstreiks möglich.

Weitere Warnstreiks bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) werden immer wahrscheinlicher. Und wenn sich der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi während ihrer siebten Verhandlungsrunde am Montagnachmittag nicht doch noch annähern, könnte es schon kurz darauf in dieser Woche auch die auf die BVG angewiesenen Berufspendler und Schüler treffen. Der 15-stündige Warnstreik am Sonnabend war von den BVG-Nutzern dagegen noch recht entspannt aufgenommen worden. Auch das befürchtete Verkehrschaos war ausgeblieben.

Die Tweets des Tages zum BVG-Streik

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„Falls die Arbeitgeberseite bei ihrer sturen Haltung bleibt, ist mit weiteren Aktionen zu rechnen“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Lothar Andres der Berliner Zeitung. Welche das sein werden, darüber will die Tarifkommission am Montag ab 17 Uhr beraten. Bei Verdi hieß es, dass beim nächsten Mal möglicherweise nicht die Fahrerinnen und Fahrer, sondern Beschäftigte aus anderen BVG-Bereichen dazu aufgerufen werden, die Arbeit niederzulegen. Das würde die Fahrgäste schonen. „Sie sind nicht unser Gegner“, so Andres. „Die Chancen auf ein besseres Angebot sind eher gering“, sagte Verdi-Sprecher Andreas Splanemann. „Wir stehen vor einer ähnlichen Situation wie im Frühjahr 2008.“

Bis heute Frust über alten Streikausgang

Damals hatten die gut 12.000 BVG-Mitarbeiter über mehrere Wochen gestreikt. Am Ende waren nicht nur die Fahrgäste entnervt. Die BVGer mussten sich damals mit Lohnsteigerungen von nur vier Prozent zufriedengeben – gefordert hatten sie das Dreifache. Der Frust über den Verlauf und den Ausgang der Streiks wirkt bis heute auf allen Seiten nach. Diesmal fordert Verdi für jedes Jahr einen Ausgleich der Inflationsrate, die 2011 bei 2,3 Prozent lag und ein nicht näher beziffertes „kleines Plus“, sagte Splanemann. „Das ist sehr moderat.“

Der Streik der BVG: Keine U-Bahn fährt mehr

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Am Sonnabend hatten sich nach Verdi-Angaben rund 5000 Mitarbeiter der BVG an dem ersten Warnstreik zu den gegenwärtigen Tarifverhandlungen beteiligt. Er dauerte von 4 Uhr morgens bis 19 Uhr und betraf alle U- und Straßenbahnen sowie die Linienbusse. An einem regulären Sonnabend befördert die BVG sonst 1,8 Millionen Fahrgäste.

Während des Ausstandes wichen viele Fahrgäste auf die S-Bahn aus, die als Bahn-Tochter nicht betroffen war und zusätzliche Züge einsetzte. Eine Zugabfertigerin auf dem S-Bahnhof Friedenau war ganz perplex, wie gelassen Berliner und Touristen den Totalausfall der BVG hinnahmen: „Wenn die S-Bahn nur ein paar Minuten zu spät kommt, regen sich die Leute tierisch auf“, sagte sie. „Aber jetzt meckert gar keiner.“

"Viel Schlimmeres befürchtet"

Auch die von einer Privatfirma eingesetzten Busfahrer der ab Jungfernheide im Fünf-Minuten-Takt verkehrenden Shuttle-Linie zum Flughafen Tegel waren erleichtert: „Die Leute sind total happy und entspannt“, sagte Dany Capolai. „Ich habe viel Schlimmeres befürchtet.“

Selbst rund um das ausverkaufte Hertha-Spiel mit 74 000 Zuschauern im Olympiastadion gab es keine besonderen Vorkommnisse. Auch im Vorfeld befürchtete Massenstaus gab es nicht. Viele Berliner blieben wohl einfach zu Hause. So waren die Hauptleidtragenden des Streiks offenbar die Einzelhändler. „Wir liegen beim Umsatz 20 bis 40 Prozent unter vergleichbaren Tagen“, sagte Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin-Brandenburg.

Vier Graffiti-Sprayer erhofften sich von dem Streik Gelegenheit für eine ungestörte Mal-Aktion. Sie waren nach Polizeiangaben in den oberirdischen U-Bahnhof Biesdorf-Süd eingedrungen und hatten unterhalb der Bahnsteigkante gesprüht. Danach erwischten aber Sicherheitsmitarbeiter zwei 14 und 15 Jahre alte Jungen. (mit pn., dpa)

Die Berliner Verkehrsbetriebe
Fahrleistung

Rechnerisch fahren sie jeden Tag einmal zum Mond und zurück: die Busse, Trams und U-Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG).

Das nachgebesserte Angebot der Arbeitgeber für die BVG-Beschäftigten
Stufenweise Tariferhöhung

Ab Mai 2012 erhalten die Beschäftigen 2,3 Prozent mehr Entgelt, weitere 1,3 Prozent ab Juni 2013 und eine Erhöhung von 1,5 Prozent ab Juli 2014.

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