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Was passiert am Areal neben der Schillingbrücke?: Kreuzberger Filetgrundstück zu verkaufen

Die Frage, was im und rund um den markanten Viktoria-Speicher am Kreuzberger Spreeufer entstehen soll, ist wieder offen.

Die Frage, was im und rund um den markanten Viktoria-Speicher am Kreuzberger Spreeufer entstehen soll, ist wieder offen.

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imago stock&people

Ein Filetgrundstück in schönster Wasserlage und mitten in der Stadt ist wieder zu haben: das gut vier Hektar große Gelände der Berliner Hafen- und Lagerhausbetriebe (Behala) an der Köpenicker Straße in Kreuzberg. Die Behala, die das Areal neben der Schillingbrücke für ihren Betrieb nicht mehr benötigt, soll es im Auftrag der Senatswirtschaftsverwaltung verkaufen. Doch der auserwählte Interessent, ein Unternehmer aus Stuttgart, habe seine Kaufoption verstreichen lassen, teilte Behala-Chef Peter Stäblein am Donnerstag mit. Am 30. September sei die Frist für die Unterzeichnung des Kauvertrages abgelaufen. Der Investor, der seit drei Jahren Zeit für ein Konzept sowie für die Schaffung von Baurecht hatte, ließ sie verstreichen.

Warum, war am Donnerstag in Stuttgart nicht zu erfahren, der Unternehmer war telefonisch nicht erreichbar. Zu vermuten ist aber, dass er letztlich aufgab, weil er für sein Konzept in Berlin keine Chance sah. Erst Anfang des Jahres war er im Bezirksparlament Friedrichshain-Kreuzberg, das für die Bauplanung zuständig ist, abgeblitzt. Der Stuttgarter wollte bis zu 580 hochwertige Wohnungen, dazu ein Hotel und ein Ärztehaus bauen. Teure Wohn- und Bürolofts, Gastronomie sowie eine Markthalle wollte er in dem markanten, denkmalgeschützten Viktoriaspeicher, der im Jahr 1911 erbaut wurde, unterbringen. Nicht nur im Bezirk, auch im Baukollegium des Senats wurde diese Planung als viel zu massiv, zu eintönig und zu abgeschottet kritisiert.

Neubeginn ohne Stuttgarter Investor

Das Bezirksparlament plädierte im Sommer fraktionsübergreifend für einen Neubeginn auf dem Wassergrundstück – ohne den Stuttgarter Investor. Entsprechend erleichtert ist man im Bezirk jetzt über den Rückzug. „Wir sehen auf dem Grundstück jetzt eine gute Möglichkeit, die neue Liegenschaftspolitik Berlins umzusetzen und dort sozialverträglichen Wohnungsbau zu entwickeln“, sagt ein Sprecher von Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne).

Der Vorsitzende des Stadtplanungsausschusses, der SPD-Politiker John Dahl, hält es für gut möglich, dass dies nicht ein einziger Investor allein machen soll: „Vorstellbar ist, dass sich dafür landeseigene Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften oder auch Baugruppen zusammentun. Ähnlich äußert sich auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Selbst beim Grundstückseigentümer Behala scheint man nicht unglücklich über das gescheiterte Geschäft zu sein. Behala-Geschäftsführer Peter Stäblein sagt, man wolle jetzt „in aller Ruhe“ überlegen, wie es am Kreuzberger Spreeufer weitergeht. „Wir haben keinen Zeitdruck, denn das Gelände ist nahezu komplett vermietet und wir verdienen damit gutes Geld“, sagt er. Mehrere Firmen haben um den und im Viktoria-Speicher Lager und Büros, es gibt auch einen großen Getränkehandel. Über die Zukunft des Filetgrundstückes, so Stäblein, müssten jetzt der Senat und das Abgeordnetenhaus entscheiden.

„Störfallbetrieb“ Otek

Aus der Senatswirtschaftsverwaltung, die sich bislang immer gesträubt hatte, das Behala-Grundstück an einen anderen Käufer als an den Meistbietenden zu veräußern, heißt es am Donnerstag kurz und knapp, die Auffassung des Behala-Chefs werde „voll und ganz“ geteilt. Offenbar sind noch Abstimmungsprobleme zwischen den einzelnen Senatsverwaltungen zu lösen.

Doch egal ob auf dem Areal teure oder preiswerte Wohnungen, ein Hotel, Kitaplätze oder ein Park entstehen sollen – die Entwicklung der Behala-Fläche hat für jeden Investor einen Haken: Gegenüber befindet sich ein sogenannter Störfallbetrieb. Er heißt Otek und ist seit vielen Jahren auf die Beschichtung von Metallen spezialisiert, arbeitet mit gefährlichen Materialien wie Chrom, Nickel, Kupfer und Zink. Laut einer EU-Richtlinie von 1976, die nach dem tödlichen Chemieunfall im italienischen Seveso erlassen wurde, darf aber erst in „angemessenem Abstand“ zu solchen Betrieben gebaut werden.

Das Land bemüht sich seit Jahren um eine Verlagerung von Otek. Eine Fläche am Stadtrand stünde bereit, doch der Umzug soll Millionen kosten. Der Stuttgarter hatte versprochen, sie zu bezahlen. Jetzt werden auch hier die Karten neu gemischt.



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