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Wasserbecken am Tempelhofer Feld: Der Senat schafft Tatsachen

Blick in die Zukunft: Das Wasserbecken auf dem Tempelhofer Feld wird zwei Meter tief sein. Im Winter soll man dort auch Schlittschuh laufen dürfen.

Blick in die Zukunft: Das Wasserbecken auf dem Tempelhofer Feld wird zwei Meter tief sein. Im Winter soll man dort auch Schlittschuh laufen dürfen.

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crossmax

Manchmal geht es bei den Berliner Behörden ganz schnell. Am Donnerstag erklärte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung noch, sie nehme die Einwände von Naturschutzverbänden gegen den Bau des geplanten Regenwasserbeckens auf dem Tempelhofer Feld ernst – und werde sich mit der Kritik auseinandersetzen. Einen Tag später teilte Staatssekretär Christian Gaebler mit, dass seine Behörde die Baugenehmigung für das Wasserbecken erteilt habe. Er denke, in den nächsten drei bis vier Wochen könnten die Bagger anrollen, sagte er bei der Präsentation der Pläne. So werden in Tempelhof Fakten geschaffen – noch vor einem Volksentscheid über die Zukunft des Areals.

Widerstand angekündigt

Der Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Tilmann Heuser, kritisierte die Entscheidung. „Das zeigt, wie wenig die Senatsverwaltung bereit ist, eine offene Diskussion zu führen“, sagte er. Eine ernsthafte Öffentlichkeitsbeteiligung erfordere es, dass die Bürger die offiziellen Planungen nicht nur kommentieren dürfen, sondern dass es eine ernsthafte Auseinandersetzung mit kritischen Anmerkungen gebe. Er sehe „recht gute Klagechancen“ gegen den Bau, sagte Heuser. Vorher wolle er jedoch versuchen, die finanziellen Mittel für den Bau des elf Millionen Euro teuren Regenwasserbeckens über das Abgeordnetenhaus zu stoppen.

Das Wasserbecken ist der erste große Baustein für die geplante Parklandschaft auf dem Tempelhofer Feld. Das Becken soll mit einer Größe von rund 30 000 Quadratmetern das Regenwasser aufnehmen, das bisher auf dem Areal anfällt und ungeklärt in den Landwehrkanal geleitet wird.

Während der BUND und weitere Naturschutzverbände das Projekt als „massiven Eingriff“ in die Umwelt kritisieren, weil unter anderem Brutplätze der Feldlerche vernichtet werden, betonte Staatssekretär Gaebler, es gehe darum, eine Lösung zu finden, die dem neuesten Stand der Technik und des ökologischen Wassermanagements entspreche. Er glaube, diese Lösung habe man auch gefunden. „Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Naturschutzverbände den neuesten Stand der Diskussion nicht immer präsent haben“, sagte Gaebler. Für die Feldlerche seien Ersatzflächen in den Berliner Stadtgütern im Umland geschaffen worden. Er gehe aber davon aus, dass es auch auf dem Tempelhofer Feld weiter Feldlerchen geben werde. Gaebler verteidigte zugleich den Bau des Wasserbeckens noch während der Zeit, in der der Volksentscheid über die Zukunft des Tempelhofer Feldes vorbereitet wird. Die Zusicherung von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD), dass vor dem Volksentscheid keine Bagger rollen werden, beziehe sich nur auf die Baufelder am Rande des Areals, sagte Gaebler. Also auf die Gebiete, in denen Wohnungen und Gewerbeflächen errichtet werden sollen. Der Bau des Beckens sei davon nicht betroffen, dabei gehe es um das Regenwassermanagement.

Wie berichtet, will eine Initiative von Bürgern über ein Volksbegehren und einen Volksentscheid per Gesetz jegliche Bebauung des Tempelhofer Feldes verhindern. Bis Anfang Januar müssen die Bürger rund 174 000 Unterschriften sammeln, damit es zum Volksentscheid kommt. Die landeseigene Tempelhof Projekt GmbH, die für den stillgelegten Airport zuständig ist, rechtfertigt den Bau des Wasserbeckens ebenfalls. Sie schreibt auf ihrer Internetseite, dass das Wasserbecken gebaut werden darf, weil das von den Bürgern entworfene Gesetz „derzeit nicht in Kraft“ sei. Wenn das Becken steht, kann es nicht mehr zurückgebaut werden. „Eine Rückbauverpflichtung sieht der Gesetzesentwurf nicht vor“, so die Tempelhof Projekt GmbH. Felix Herzog von der Bürgerinitiative ist empört darüber. Er forderte am Freitag, den Bau des Wasserbeckens zurückzustellen.

Das Becken soll nicht nur das Regenwasser auffangen, sondern zugleich die Aufenthaltsqualität erhöhen. Besucher gelangen in bestimmten Bereichen über Treppen zum Wasser. Der Senat zeigt sich offen für Ideen auf dem Wasser. „Wir können uns viel vorstellen, wollen es aber nicht eingrenzen“, sagte Gaebler. Das Becken wird im Schnitt zwei Meter tief sein. Von den elf Millionen Euro für den Bau kommen 4,49 Millionen Euro aus EU-Mitteln. Der jährliche Unterhalt soll 35 000 Euro kosten. Eingespart werden dafür 300 000 Euro jährlich, die bisher für die Einleitung in den Landwehrkanal fällig wurden. Im Juli 2015 soll das Wasserbecken fertig sein.



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