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Wasserverschmutzung Uckermark: Pestizide in acht von elf Teichen

Der Laubfrosch ist von Pestiziden aus der Agrarwirtschaft bedroht, warnt der BUND.

Der Laubfrosch ist von Pestiziden aus der Agrarwirtschaft bedroht, warnt der BUND.

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dpa

Potsdam -

Nachdem Umweltschützer elf Teiche in den Kreisen Uckermark und Oder-Spree auf Pestizide untersucht haben, schlagen sie nun Alarm: In acht Gewässern, die sich mitten in Feldern befinden, ist das Wasser teilweise hochgradig mit Resten von Pflanzen- und Insektengiften belastet. In sechs Fällen wurden sogar Überschreitungen der Grenzwerte der Grundwasserrichtlinie festgestellt.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Naturschutzbund (NABU) sowie die Bürgerinitiative „Verseuchte Felder in der Uckermark“ hatten das Wasser untersuchen lassen. Nur bei drei Teichen konnten keine giftigen Rückstände nachgewiesen werden.

In einem sogenannten Söll bei Stabeshöhe in der Uckermark – einem mehr als 10.000 Jahre alten Wasserloch aus der letzten Eiszeit – wurde beispielsweise eine 19-fache Grenzwertüberschreitung des Herbizides Glyphosat festgestellt. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Auch in zwei anderen Teichen wurden 15-fache und 14-fache Überschreitungen dieses Grenzwertes festgestellt.

Die Bürgerinitiative hatte diesen Teich bereits im Vorjahr untersuchen lassen, dabei massiv erhöhte Werte festgestellt und Strafanzeige gestellt. „Unsere Vermutung, dass es sich bei der Vergiftung nicht – wie behauptet – um einen einmaligen Unfall, sondern um ein flächendeckendes und anhaltendes Problem handelt, hat sich leider bestätigt“, sagte Sybilla Keitel. „Wir befürchten, dass durch die Giftstoffe auch unsere Nahrungsmittel beeinträchtigt werden.“

Maisanbau lässt Belastung steigen

Die Umweltschützer gehen davon aus, dass die zunehmende Pestizidbelastung zum erheblichen Teil auf den verstärkten Maisanbau zurückzuführen ist: Denn fast der ganze heimische Mais wird nicht für Lebensmittel produziert, sondern für Biogas-Anlagen. „Insgesamt ist der Pestizideinsatz in Deutschland seit 1994 um 37 Prozent gestiegen“, sagte BUND-Landesvorsitzender Burkhard Voß.

„Wir fordern, dass die Landwirtschaft dafür sorgt, dass keine Pestizidrückstände in das Grund- und Oberflächenwasser gelangen“, sagte Tom Kirschey vom NABU. Denn selbst in vergleichsweise kleinen Gewässern können diese Gifte große Auswirkungen auf die Natur haben. „Zunehmender Maisanbau und verstärkter Pestizideinsatz führen zu einem weiteren Rückgang von Amphibien in der Agrarlandschaft“, sagte Kirschey. Betroffen seien Arten wie beispielsweise Laubfrosch, Kammmolch und Rotbauchunke. Deshalb sei es dringend nötig, die gesetzlichen Anforderungen an die Zulassung und Anwendung von Pestiziden strikter zu handhaben.