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Weiterbau der A100: Säckeweise Proteste

Maskenmänner Ramsauer und Wowereit – das Aktionsbündnis A 100 stoppen protestiert mit Geldsäcken und Satire.

Maskenmänner Ramsauer und Wowereit – das Aktionsbündnis A 100 stoppen protestiert mit Geldsäcken und Satire.

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dpa/Hannibal Hanschke

Berlin -

Den Sinn für Witz und Satire haben die Anwohner in Neukölln, Treptow und Friedrichshain behalten. Drei Tage vor dem offiziellen erste Spatenstich für die Verlängerung der Autobahn A 100 von Neukölln zur Straße Am Treptower Park haben Bürgerinitiativen und Anrainer einen satirischen Spatenstich vor dem Roten Rathaus am Neptunbrunnen gefeiert.

Und die umstrittene A 100 mal schnell zur Innenstadtautobahn erklärt, die vom Alexanderplatz zum Neptunbrunnen führen soll, leider müsse „für diese optimierte Streckenführung aber das Rote Rathaus abgerissen werden“, sagt Tobias Trommer vom Aktionsbündnis A 100 stoppen.

Teuerste Straße Deutschlands

Ernst gemeint ist das natürlich nicht. Die Aktivisten werden aber nicht müde, öffentlich gegen die ihrer Ansicht nach „dümmste Autobahn Deutschlands“ zu protestieren. Geldverschwendung sei es, die nur 3,2 Kilometer lange, sechsspurige Strecke durch Neukölln und Treptow für 475 Millionen Euro zu bauen – die teuerste Straße Deutschlands.

Prall gefüllte Geldsäcke symbolisieren deshalb am Rathaus diese Verschwendung, für die Summe hätte laut Aktionsbündnis das gesamte Berliner Straßennetz saniert oder jedes Jahr 18 Kilometer Straßenbahnstrecke neu gebaut werden können. Wie Harald Moritz von der Bürgerinitiative Stadtring Süd (BISS) sagt, gebe es bei diesem Projekt nur Verlierer: „Wohnungen werden abgerissen, mehr als 300 Kleingärten wurden planiert und 600 Bäume gefällt. Anwohner werden durch Lärm belastet, Autofahrer stehen am Britzer Tunnel und an der Elsenbrücke im Stau.“

Trotz vieler Proteste und Klagen etwa von Anrainern und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) hatte das Bundesverwaltungsgericht im Oktober 2012 den Weg für die Verlängerung der Autobahn frei gemacht. Die Richter akzeptierten die Argumentation des Senats, der 16. Bauabschnitt werde die Innenstadt von Durchgangsverkehr entlasten.

Teilerfolg

Auch wenn die Kläger den Bau nicht verhindern konnten, gab es für sie einen Teilerfolg. Statt vier werden in der Treptower Beermannstraße nur zwei Gebäude abgerissen, die Häuser Nummer 16 und 18 mit 114 Wohnungen bleiben stehen. Der neue A 100-Abschnitt soll 2022 freigegeben werden.

Der Weiterbau der Stadtautobahn ist in Berlin umstritten. 2011 war er Wahlkampfthema, an dem Projekt scheiterte die Bildung einer rot-grünen Regierung. SPD und CDU haben dann den Bau in ihrem Koalitionspapier vereinbart. Berlins SPD-Chef Jan Stöß betonte, dass die Autobahn Teil eines Gesamtkonzeptes sei, das auch Tempo-30-Zonen und eine umfassende Parkraumbewirtschaftung vorsieht, um Wohnquartiere von Autoverkehr zu entlasten. Eine größere Entlastung erwartet der Senat aber erst, wenn die A 100 bis zur Frankfurter Allee führt. Für den 17. Bauabschnitt entstehen bereits Teile eines doppelstöckigen Tunnels unter der Bahn.

Dennoch ist Martin Schlegel vom Bund optimistisch, dass der Kampf gegen die A 100 nicht verloren ist. Nach seiner Einschätzung wird das Bundesverkehrsministerium nach der Bundestagswahl in diesem Jahr eines seiner Großprojekte aus Geldnot streichen müssen. „Der Großflughafen BER wird es wohl nicht sein, mit viel Glück ist es die A 100.“

Hoffnung auf die Bundestagswahl

Und auch Franz Schulz (Grüne), Bürgermeister in Friedrichshain-Kreuzberg, setzt seine Hoffnung auf die Bundestagswahl. „Sollte es eine rot-grüne Regierung geben, wird sie sich noch einmal mit diesem unsinnigen Verkehrsprojekt auseinandersetzen müssen.“

Tobias Trommer findet es eine Farce, dass Politiker jetzt die A 100 feiern. „Am Mittwoch werden wir demonstrieren und auf die A 100 pfeifen.“ Ungeachtet der Proteste wollen um 13 Uhr Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Berlins Verkehrssenator Michael Müller (SPD) den ersten Spatenstich für den Weiterbau an der Anschlussstelle Grenzallee setzen.