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Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer: "Meine Arbeit im Verband ist Vergangenheit"

Seitenwechslerin: Cornelia Yzer arbeitete mal für die Industrie, mal die Politik.

Seitenwechslerin: Cornelia Yzer arbeitete mal für die Industrie, mal die Politik.

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Markus Wächter

Berlin -

Cornelia Yzer wurde vor drei Wochen Nachfolgerin der parteilosen Sybille von Obernitz ernannt. Sie soll im rot-schwarzen Senat für Stabilität im CDU-Lager sorgen.

Frau Yzer, Sie dürften den sichersten Posten in der Landesregierung haben. Noch einen Wechsel kann sich CDU-Chef Henkel nicht leisten. Ein gutes Gefühl?

Das gute Gefühl ist, einen der spannendsten Posten im Berliner Senat zu haben.

Sie trennen sich von Staatssekretär Christoph von Knobelsdorff. Bleibt sein Kollege Nicolas Zimmer?

Herr von Knobelsdorff wird zum Monatsende das Haus verlassen. Ich bin ihm sehr dankbar für seine Arbeit. Ansonsten äußere ich mich grundsätzlich nicht zu Personalangelegenheiten.

Inwiefern ist Ihr Posten im Senat so spannend?

Die Ressort-Kombination aus Wirtschaft, Forschung und Technologie halte ich für hochinteressant. In meiner Zeit als Staatssekretärin auf Bundesebene, Mitte der 90er Jahre, habe ich im Ministerium den Bereich Forschung und Technologie verantwortet. Damals dachte ich, es wäre sehr sinnvoll, wenn jetzt noch die Wirtschaft dabei wäre. Und zwar, weil man so den Transfer von Forschungsinnovationen in den Markt umsetzen könnte – in Unternehmen, in Arbeitsplätze. Für mich macht es den besonderen Reiz aus, dass hier alle drei Felder zusammengeführt werden.

Wie steht es um das Zusammenspiel von Wissenschaft und Wirtschaft?

Es ist konsequent, vor allem die angewandte Forschung besser mit der Wirtschaft zu verzahnen. Einer der großen Vorteile von Berlin, dass wir eine sehr starke Forschungslandschaft haben. Das wissen vor allem junge Firmen und Start-Ups zu schätzen. Die Politik kann besonders kleinen und mittleren Unternehmen helfen, die großen betreiben ja oft ihre eigene Forschung.

Berlin fördert fünf Kernbereiche, um deren Zukunftspotenzial zu heben: Gesundheit, Energie, Mobilität, Kreativwirtschaft und Optik. Reicht das?

Diese Cluster sind ja erst einmal nur ein Signal, dass man etwas zusammenführen will. Entscheidend ist, was dort passiert. Ich weiß, dass es bereits viele dicke Masterpläne gibt und viele umfangreiche Maßnahmen-Kataloge. Sind die Maßnahmen wirkungsvoll, wo muss man umsteuern? Ich will künftig nicht nach fünf Jahren evaluieren, sondern schon nach einem Jahr Zwischenergebnisse wissen.

Welche Stellschrauben haben Sie denn, damit sich das Konjunkturklima in der Stadt verbessert?

Am Marketing hängt sehr viel: Wie offen ist die Stadt, welche Möglichkeiten gibt es, wie steht es mit dem kulturellen Umfeld? Beim Marketing für Berlin hat sich viel getan. Genauso wichtig ist, dass sich die öffentliche Verwaltung als Dienstleister präsentiert. In den Umfragen unter Unternehmern heißt es regelmäßig, einer der größten Hürden in Berlin sei die Verwaltung.

Sagen das die Chefs nicht immer?

Man muss prüfen, ob das so stimmt. Deshalb müssen wir die Unternehmer fragen, wo es klemmt. Ich glaube, ich habe ein gutes Gespür dafür, was berechtigte und unberechtigte Anliegen sind.

Berlins Wirtschaftsförderung soll reformiert werden. Bleibt es beim Konzept einer Fusion von „Berlin Partner“ und Technologiestiftung?

Ich habe festgestellt, dass dieses Konzept noch gar nicht fertig ist. Es gibt aber noch keine klaren Ziele, keinen Maßnahmeplan, keine Zeitschiene. Ich bin schon der Meinung, dass man beide Organisationen zusammenführen sollte. Künftig muss die Botschaft an Investoren sein: In Berlin ist der Service besonders gut und sehr schnell.

Was heißt das konkret?

Ein Beispiel aus den letzten Tagen: Ein großes Unternehmen sucht einen Standort in Berlin und fragt, was wir tun können. Wir haben innerhalb einer Woche unsere Vorschläge übermittelt und die Firma gefragt, wann bei ihnen die Standortentscheidung fällt. Da hieß es: also innerhalb einer Woche schaffen wir das nicht. Wenn das künftig die Botschaft wäre: In Berlin ist die Verwaltung schneller als das Unternehmen selbst – das wäre großartig.

Was halten Sie als CDU-Senatorin vom Rekommunalisierungstrend, den die SPD verfolgt: Wasserbetriebe, Strom- und Gasnetze, S-Bahn?

Für mich ist das keine ideologische Frage, das hängt vom Einzelfall ab. Eine Landesbeteiligung muss Vorteile für Bürger und Verbraucher bringen, das ist entscheidend. Zu den einzelnen Vorhaben kann ich noch nichts sagen.

Sie werden bisher vor allem als ehemalige Pharma-Lobbyistin wahrgenommen. Ein Problem für Sie?

Jeder Wechsel dieser Art wird in Deutschland debattiert. Ich bin in meinem Leben mehrfach zwischen Wirtschaft und Politik gewechselt. Meine Arbeit im Verband ist Vergangenheit. Ich bin jetzt Wirtschaftssenatorin und damit allen Unternehmen dieser Stadt verpflichtet, nicht nur einer Branche.

Berlins Wirtschaft ist im Aufschwung, doch die Stadt hat mit die höchsten Arbeitslosenquoten. Wie wollen Sie das ändern?

Wir müssen alle gemeinsam, also Politik und Unternehmen, aufpassen, dass es wirklich ein breites Angebot an Jobs gibt. Sonst spaltet sich die Stadt in Arbeitnehmer mit hoher Qualifikation in Hightech-Betrieben und einen Bevölkerungsteil, der außen vor bleibt.

Wo sollen diese Jobs entstehen?

In der Industrie, die weiter wachsen muss. Im Handel, bei Dienstleistungen und auch im Handwerk, das sich sehr gut entwickelt.

Wo steht Berlin wirtschaftlich?

Die Aufholjagd hat auf niedrigem Niveau begonnen. Und die Dynamik stimmt positiv: Auch 2012 und 2013 dürfte Berlins Wirtschaft stärker wachsen als im Bundesschnitt.

Das Gespräch führten Matthias Loke und Jan Thomsen.


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