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Wohnen in Berlin (16): Mehr Betten als in Manhattan

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Das Westin Grand Hotel in Berlin.
Das Westin Grand Hotel in Berlin.
Foto: Imago

Berlin erlebt einen beispiellosen Hotelboom, und ein Ende ist nicht absehbar. Die Auswahl an Herbergen ist riesig. Auch ausgefallene Geschmäcker werden bedient.

Nummer 1333 wird immer für Heinz Warneke freigehalten. Der frühere Präsident von Hertha BSC ist seit Jahrzehnten Stammgast im Hotel Berlin Berlin am Lützowplatz. Und er steigt stets im selben Zimmer ab. Die in Beige- und Rottönen gehaltene Juniorsuite in der ersten Etage ist wie ein zweites Zuhause für den 81-Jährigen, der 1981 aus Berlin wegzog und inzwischen in Bad Honnef lebt. „Ich fahre zu jedem Heimspiel von Hertha nach Berlin“, sagt Warneke. An seinem Hotel schätzt er besonders das freundliche Personal, den Vier-Sterne-Standard und die Lage. „Ich bin schnell am Kudamm und der 100er-Bus fährt vor der Tür ab.“

Seit seiner Eröffnung im Jahr 1958 ist Warneke dem Hotel Berlin Berlin, das früher Hotel Berlin hieß, verbunden. „Damals war ich Berliner Niederlassungsleiter von Bauknecht und habe dort 120 Einzelelektrohändler untergebracht“, erzählt er. In West-Berlin sei es nicht einfach gewesen, für eine so große Gruppe Zimmer in einem Haus zu finden.

Heute ist das kein Problem mehr. Mit rund 800 Hotels und 125.000 Betten – 55.000 mehr als in Manhattan – haben die Gäste der Stadt eine riesige Auswahl. Ob Hostel, kleines Designhotel oder Fünf-Sterne-Haus: „Jedes Klientel wird bedient“, sagt Burkhard Kieker, Chef der Tourismusmarketinggesellschaft Visit Berlin. Auch für Leute mit ausgefallenem Geschmack ist etwas dabei. Sie können die Nacht in einem VW Käfer verbringen, auf einem OP-Tisch oder in einer Gefängniszelle. Architektonisch seien Häuser wie das neue Waldorf Astoria am Bahnhof Zoo oder das Grand Hyatt und das Ritz-Carlton am Potsdamer Platz ein Zugewinn, sagt Kieker, wenngleich er einräumt, dass ebenso normierte Kettenhotels aus dem Boden gestampft wurden, wie es sie überall auf der Welt gibt. Aber wirklich unschlagbar sind die günstigen Preise.

Bettenkapazität verdreifacht

In Berlin gibt es bereits für 30 Euro ordentliche Zimmer. Selbst im Adlon, dem teuersten Haus der Stadt, sind rund 300 Euro für die Übernachtung im Vergleich zu anderen Metropolen ein Schnäppchen. In New York oder London zahlt man dafür gut und gern das Doppelte. „Aus Sicht der Gäste ist das ein tolles Preisniveau“, sagt Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes. Weniger zufrieden sind die Hoteliers. „Sie liefern sich einen unvorstellbaren Preiskampf.“ Was an der großen Zahl der Mitbewerber liegt.

Seit Anfang der neunziger Jahre hat sich die Bettenkapazität in Berlin verdreifacht. „Vor allem große Reisegruppen sind hart umkämpft“, berichtet Antje Kaltofen, Verkaufsdirektorin im Park Inn am Alexanderplatz. „Da senken Fünf-Sterne-Häuser ihre Preise und drängen in unseren Markt.“ Trotz dieser Konkurrenz ist die Belegung in ihrem Haus in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. Kaltofen führt das auf den wachsenden Anteil internationaler Gäste zurück. Zimmer in dem Vier-Sterne-Superior-Hotel werden im Internet schon ab 69 Euro angeboten.

Ein Ende des Berliner Hotelbooms ist nicht in Sicht. Allein in der nächsten Zeit kommen rund 50 neue Häuser hinzu. „Wir haben jetzt 24 Fünf-Sterne-Häuser. Früher hatten wir fünf oder sechs“, sagt Lengfelder. Aber auch Hostels seien stark nachgefragt. „Das Ein- und Zwei-Sterne-Segment wird nicht nur von jungen Backpackern gebucht, sondern auch von Geschäftsleuten, die solche Häuser cool finden.“

Während bis vor einigen Jahren neue Häuser vor allem in der Innenstadt entstanden, breiten sich Hotels nunmehr in allen Bezirken aus. „Selbst Neukölln und Marzahn entwickeln sich langsam“, sagt Lengfelder. Auch Tourismuschef Kieker glaubt: „Solange es innerhalb des S-Bahn-Ringes freie Eckgrundstücke gibt, werden sie von Investoren gekauft, um dort Hotels zu errichten.“ Hotels sind nun mal lukrativer als Wohnhäuser. Angesichts des drohenden Wohnungsmangels warnen Stadtsoziologen vor dieser Entwicklung.

Für Stammgast Heinz Warneke käme ein anderes Hotel als das Berlin Berlin nicht in Frage. Wenn er am 26. September zum nächsten Heimspiel von Hertha kommt, wartet sicherlich wieder ein besonderes Betthupferl auf ihn. „Irgendetwas lassen die sich immer einfallen.“

Morgen lesen Sie in dieser Serie: Wie ehemalige Hausbesetzer heute leben.

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