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Wohnen in Berlin (8): Der Nachbar ist der beste Schutz

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Immer mehr Einbrüche: Besonders Altbauten in Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf sind bei Einbrechern beliebt.
Immer mehr Einbrüche: Besonders Altbauten in Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf sind bei Einbrechern beliebt.
Foto: dpa

Die Zahl der Wohnungseinbrüche hat in der Hauptstadt drastisch zugenommen. Doch die Täter werden kaum gefasst, weil sie gleich weiterziehen. Die Polizei setzt auf Aufklärung.

Elvira R. ist wieder umgezogen. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate. Vor kurzem wohnte sich noch in Prenzlauer Berg, davor in Weißensee. Die 38-jährige Betriebswirtin hielt es nicht mehr aus in ihrer Wohnung. Denn erneut ist bei ihr eingebrochen worden. Im November vergangenen Jahres räumten Unbekannte ihre Wohnung in Weißensee aus. Vor kurzem dann die in Prenzlauer Berg. Elvira R. ist auf eine neue Masche der Profieinbrecher hereingefallen: den Trick mit der Handtasche.

Mit einer Freundin saß Elvira R. in einem Lokal in Kreuzberg. Ein Mann rief beim Wirt an und bat ihn, den Frauen auszurichten, seine Gattin hätte aus Versehen eine Handtasche von ihnen mitgenommen, das aber erst jetzt gemerkt. Er würde sofort losfahren, um die Tasche zurück zu bringen. So lange mögen sie in dem Restaurant warten. Elvira R. tat wie ihr geheißen. Nach einer Stunde kam ein Mann und brachte ihr die Tasche zurück. Geld, Ausweis und Schlüssel – alles war da. Er entschuldigte sich, spendierte ein Glas Wein und verschwand. Als Elvira R. nichts ahnend nach Hause kam, brach sie zusammen.

Die Schränke waren durchwühlt, ihr Schmuck fehlte, auch die Kaffeebüchse, in der sie Geld aufbewahrt hatte, war leer. Es war wie im November, ein Alptraum, sagt sie. Es ist ihr peinlich, auf den Trick hereingefallen zu sein. Sie leide weniger darunter, dass ihr Geld, Schmuck und teure Kosmetika gestohlen wurden. Sie stört sich auch nur wenig daran, dass ihre Wohnungstür nicht mehr richtig schließt.

Viel schlimmer sei es, dass wieder ein Fremder ungefragt in meiner Wohnung gewesen ist, sagt sie. „Meine Lebenswelt in der Wohnung ist zerstört.“ Sie finde die Vorstellung furchtbar quälend, dass der Einbrecher ihre Wäsche und andere persönliche Sachen durchwühlt haben könnte.

Merkzettel an Haustüren

Polizisten hören oft so etwas von Betroffenen. „Oftmals erleiden die Opfer nach einem Einbruch psychische Störungen“, sagt Polizeisprecher Michael Maaß. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) spricht von Traumata, die die Opfer jahrelang nicht loswerden. Hoffnung, den Täter zu fassen, hat die Polizei Elvira R. auch jetzt nicht gemacht. Die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen ist niedrig, sie liegt seit Jahren bei rund zehn Prozent. Ein Grund: Professionelle und in Banden organisierte Einbrecher halten sich nur wenige Tage in ein und derselben Stadt auf.

Die Zahl der Einbrüche in Wohnungen und Häuser in Berlin steigt. Waren es 2010 noch 8713 Fälle, wurden im Jahr 2011 schon 11.006 Fälle registriert. Und auch in diesem Jahr spricht die Polizei von einer steigenden Tendenz. Innensenator und Polizei sind dabei, über Strukturveränderungen zu reden, um das Phänomen besser bekämpfen zu können.

Mehr Polizei bringe nicht unbedingt mehr Erfolg, sagen Fahnder. Erfolgreicher sei Nachbarschaftshilfe und das Engagement der Mieter. Mittlerweile hat die Polizei Tausende Merkzettel an Haustüren geklebt, auf Straßen, Plätzen und in Einkaufszentren verteilt. Darauf raten die Sicherheitsbehörden die Haustüren geschlossen zu halten. Das klinge zwar lapidar, aber es sei ein Schritt, um Einbrüche zu vermeiden, so die Polizei. „Nach unserer Erfahrung geben Einbrecher auf, wenn es ihnen zu lange dauert, in ein Haus oder in eine Wohnung hineinzukommen“, sagt Polizeisprecher Guido Busch.

Altbauwohnungen in Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf beliebt

Vor allem Altbauwohnungen in Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf sind bei Einbrechern beliebt. Dort sind viele Wohnungstüren nur einfach gesichert, so dass ein Schraubendreher reicht, um das Schloss zu knacken oder die Tür wird mit einem Brecheisen aufgehebelt.

Nur wenige Wohnungen seien mit speziellen Stangenschlössern ausgerüstet und damit halbwegs sicher, berichten Mitarbeiter vom Schlüsseldienst Berlin. Schlosser hören immer wieder von Mietern, die Schließtechnik sei nicht so wichtig und viel zu teuer. Es werde schon nichts passieren. Auch einige Hausverwalter und Wohnungsbesitzer hören nicht hin, wenn es um moderne Schließtechnik geht.

Elvira R. jedenfalls hat die Fenster und Türen in ihrer neuen Wohnung sicherer machen lassen. Außerdem wurde eine Alarmanlage installiert. Bekannte rieten ihr, nachts Glasscherben vor der Wohnungstür auszustreuen, so wie man es in Filmen sieht. Einmal hat sie es probiert. Am Abend lag sie dann mit blutenden Füßen auf ihrem Sofa. Denn als sie ihre Wohnung betrat, hat sie nicht mehr an die Scherben im Flur gedacht. Das Trauma vom Einbruch in ihre alte Wohnung ist noch nicht vorüber. Und in Lokale geht sie nur noch ohne Tasche.

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