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Wohnen in Berlin: In Pankow rebellieren die Mieter

Prunk in Pankow: Die Wohnungen in Berlins einwohnerstärkstem Bezirk sind begehrt, die Mieten steigen ebenso rasant wie die Zahl der Bewohner. Derzeit leben knapp 370.000 Menschen im Bezirk.

Prunk in Pankow: Die Wohnungen in Berlins einwohnerstärkstem Bezirk sind begehrt, die Mieten steigen ebenso rasant wie die Zahl der Bewohner. Derzeit leben knapp 370.000 Menschen im Bezirk.

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Markus Wächter

Mit dem fürsorglich klingenden Slogan „Wir machen’s Ihnen schön“ wirbt die Gesobau für ihre etwa 40 000 Wohnungen in der Stadt. Der nette Spruch steht auch am Anfang der Briefe, die das städtische Wohnungsbauunternehmen an Mieter in Pankow verschickt hat.

Doch was dann folgt, finden die Bewohner der betreffenden Wohnhäuser in der Trelleborger Straße, Hallandstraße, Pestalozzistraße und Florapromenade gar nicht schön.

Denn ihre Miete könnte sich nach der Modernisierung der Häuser erheblich erhöhen. In manchen Fällen um mehr als das Doppelte, berichten sie. „Das ist weder sozial noch nachhaltig“, sagt Martin Engelmann, der mit seiner Familie in einer Wohnanlage der Gesobau an der Trelleborger Straße/Ecke Hallandstraße wohnt. Zu seinen Nachbarn gehören Familien mit kleinen Kindern, Studenten und Auszubildende sowie Rentner, die schon lange dort leben.

Viele Vorwürfe gegen Gesobau

Die Bewohner der betreffenden Häuser haben sich jetzt im „Bündnis Pankower Mieterprotest“ organisiert. Von „radikalen Baumaßnahmen“ und erheblichen Mietsteigerungen“ sprechen sie. Viele Bewohner haben Angst, die angekündigte Mieterhöhung nicht mehr zahlen zu können und aus ihren Wohnungen verdrängt zu werden.

Eine lange Liste von Vorwürfen gegen die Gesobau trägt das Bündnis vor. Es gebe „Schikanen und Scheingespräche“, Mieter würden nicht über ihre Rechte informiert, stattdessen betreibe das Wohnungsunternehmen eine „gezielte Desinformation“.
Dabei haben die Bewohner gar nichts dagegen, dass ihre zum Teil maroden Häuser endlich saniert werden. Neue Fenster und neue Heizungen sind ebenso nötig wie Wärmedämmungen und Dachreparaturen.

„Was nötig ist, soll auch gemacht werden“, sagen sie. Doch die Gesobau wolle das „maximal Mögliche“ modernisieren.

Was die Bewohner aber am meisten ärgert: Erst im September 2012 hat Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) mit den sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften, darunter auch der Gesobau, ein „Bündnis für soziale Wohnungspolitik und bezahlbare Mieten“ geschlossen.

Doch die Praxis der einzelnen Wohnungsunternehmen ist unterschiedlich. So hat das städtische Wohnungsunternehmen Gewobag für seine Mieter nach der Sanierung ihrer Wohnungen eine Mietobergrenze von 5,47 Euro pro Quadratmeter festgelegt. Die Gesobau hingegen kündigt ihren Mietern Erhöhungen auf mehr als 7 Euro pro Quadratmeter an.

Deshalb fordert das „Bündnis Pankower Mieterprotest“ eine Gleichstellung mit den Mietern der Gewobag. Eine unabhängige Mieterberatung soll die Bewohner beraten, ein Sozialplanverfahren verhindern, dass Mieter wegen steigender Mieten ausziehen müssen. „Die Gesobau muss sich zu ihrer sozialen Verantwortung bekennen“, sagt der freiberufliche Lektor Martin Engelmann.

Unterstützung aus der Politik

Pankower Politiker von SPD, Grüne und Linke unterstützen die neu gegründete Initiative. „Von einer kontraproduktiven Haltung der Gesobau“ spricht der SPD-Bezirksverordnete Klaus Mindrup. Der Abgeordnete der Grünen Andreas Otto sagt, die Vorgehensweise der Gesobau sei „nicht adäquat“ für ein landeseigenes Unternehmen. Der Berliner Mieterverein sieht in der Praxis der Gesobau einen Verstoß gegen die Vereinbarung mit dem Senat.

„Auf die Belange der Mieter wird keine Rücksicht genommen“, sagt Geschäftsführer Reiner Wild. Die vorgesehenen Mieterhöhungen würden zur Verdrängung führen. So dürfte die Bestandsmiete für eine Wohnung in der Trelleborger Straße maximal 6,10 Euro pro Quadratmeter betragen, die Gesobau verlange jedoch 7,12.

„Hier unterscheidet sich die Gesobau nicht von renditeorientierten Immobilienspekulanten“, sagt Wild.

In der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ist der Protest aus Pankow angekommen. „Wir schauen uns den Fall jetzt genau an“, sagt Sprecherin Daniela Augenstein. Die Gesobau teilte am Montag mit, man arbeite aktiv daran, „keine Kunden aufgrund einer Modernisierung zu verdrängen“. Die Gesobau führe die Modernisierungen bündnisgerecht und sozialverträglich durch, heißt es weiter.