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Senat: Noch mehr Wohnungen mit Asbestverdacht

Asbest: Im Märkischen Viertel hat die Gesobau viele Wohnungen saniert.

Asbest: Im Märkischen Viertel hat die Gesobau viele Wohnungen saniert.

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imago/Schöning

In Berlin gibt es deutlich mehr landeseigene Wohnungen mit Asbestverdacht als bisher bekannt war. Nachdem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Zahl der Wohnungen bisher auf rund 48 000 beziffert hat, korrigierte sie diese jetzt auf 50 406 nach oben. Das geht aus der Antwort der Stadtentwicklungsverwaltung auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Andreas Otto hervor.

Da bei der Zahl von 50 406 Wohnungen mit Asbestverdacht die Unterkünfte der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gesobau noch nicht mit eingerechnet sind, dürfte die tatsächliche Zahl noch sehr viel größer sein. Bei der Gesobau liegen laut Senat keine gesicherten Angaben zur Zahl der Wohnungen mit Asbestverdacht vor. Zur Erinnerung: Noch in einer Antwort vom August hatte die Stadtentwicklungsverwaltung mitgeteilt, dass es bei der Gesobau 700 Wohnungen mit Asbestverdacht gebe.

Nur Howoge nicht betroffen

Mit 23 878 Wohnungen hat die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag den größten Anteil an Unterkünften mit Asbestverdacht. An zweiter Stelle folgt die Degewo mit 22 076 Wohnungen, dahinter rangiert die Stadt und Land mit 3 422 Wohnungen und die Wohnungsbaugesellschaft Mitte, bei der 1 030 Wohnungen mit Asbestverdacht registriert sind. Als einzige der sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen hat die Howoge keine Asbestverdachtsfälle.

Asbest findet sich im Inneren der Wohngebäude häufig in Bodenbelägen, Wandbelägen und Rohrummantelungen. Außen wurde das krebserregende Material oft an Dächern und an Fassaden verwendet. Ist das Material unbeschädigt, geht keine Gefahr davon aus. Gehen zum Beispiel Bodenplatten kaputt oder werden sie angebohrt, können dabei Asbestfasern freigesetzt werden. Wenn sie eingeatmet werden, können sie Lungenkrebs auslösen.

Die meisten landeseigenen Wohnungen mit Asbestverdacht gibt es der Senatsantwort zufolge in Tempelhof-Schöneberg (9 631 Wohnungen), in Neukölln (8 549) und in Spandau (8 319). In Pankow, Lichtenberg, Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf wurden keine landeseigenen Wohnungen mit Asbestverdacht registriert.

Keine Angaben zu Privaten

In welchem Ausmaß private Eigentümer Wohnungen mit Asbestverdacht besitzen, ist dem Senat nicht bekannt. Die Landesregierung hat auch nicht die Absicht, die privaten Eigentümer in dieser Frage zu konsultieren und bei ihnen für eine gemeinsame Asbestsanierungsstrategie zu werben, wie es in der Antwort auf die Anfrage heißt.

Der Grünen-Abgeordnete Otto ist damit nicht zufrieden. „Mieter müssen vor gesundheitlichen Gefahren durch Asbest geschützt werden“, fordert Otto. „Deshalb muss der Senat endlich auch die Asbestbelastung im privaten Wohnungsbestand ermitteln und über bestehende Gesundheitsgefahren aufklären.“ Insbesondere bei Bauarbeiten bestehe immer die Gefahr, dass Asbestfasern eingeatmet werden.