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Wohnheime in Berlin: Neue Studenten-Buden de luxe

Investoren aus dem Westerwald haben das Wohnhaus Q 216 saniert, gleich daneben soll der Q 218 Tower, ein Studenten-Hochhaus, entstehen.

Investoren aus dem Westerwald haben das Wohnhaus Q 216 saniert, gleich daneben soll der Q 218 Tower, ein Studenten-Hochhaus, entstehen.

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Berlin -

Noch nie gab es in Berlin so viele Studenten wie derzeit. Fast 165.000 Frauen und Männer sind an den Unis und den Hochschulen im laufenden Wintersemester eingeschrieben. Doch Wohnheimplätze sind noch immer rar, Zimmer in Wohngemeinschaften ebenso – und heiß begehrt.

Jetzt starten zwei Privatinvestoren spektakuläre Neubauvorhaben: In Lichtenberg entsteht ein Hochhaus für Studenten, in Mitte werden in unmittelbarer Nähe zum Alexanderplatz die wohl teuersten Studentenapartments der Stadt entstehen.

In Lichtenberger wollen zwei Investoren aus dem Westerwald auf dem Grundstück Frankfurter Allee 218 ein etwa 70 Meter hohes Hochhaus mit 22 Etagen bauen. Das Projekt der Firma GPU heißt „Q 218 Tower“. Vorgesehen sind etwa 500 Ein-Zimmer-Apartments mit Schallschutzfenstern und Einbauküchen, WLAN und Kabel-TV. Die barrierefreien Wohnungen kosten je nach Größe 300 bis 400 Euro kalt. „Das werden kleine bezahlbare Wohnungen“, sagt GPU-Geschäftsführer Lutz Lakomski.

Spezialisiert auf DDR-Plattenbau

Für mehr als zwei Drittel der geplanten Wohnungen soll die Miete auch für ALG-II-Empfänger bezahlbar sein. Im kommenden Jahr beginnen die Bauarbeiten, die bis zu 18 Monaten dauern werden. 50 Millionen Euro kostet das Projekt.

Lakomski hat in Lichtenberg bisher schon einige DDR-Plattenbauten aus den 1970er-Jahren saniert und erfolgreich vermietet. Dazu gehört auch das Wohnhaus Q 100 in der Gehrenseestraße 100. Zehn Jahre lang stand der marode Elfgeschosser leer. Ende Juni ist nun Richtfest für 351 Mietwohnungen. Auch in der Frankfurter Allee 216, also gleich neben dem geplanten Hochhaus Q 218, entstand aus dem früheren Plattenbau-Verwaltungsgebäude der Deutschen Bahn das Haus Q 216. Die 438 Wohnungen dort sind preiswert und sehr begehrt, die meisten Mieter in den 22 bis 40 Quadratmeter großen Apartments sind Studenten.

„Wir haben keinen Leerstand“, sagt Lakomski. Und das Studentenhochhaus sei „ein weiterer Baustein bei der Erfüllung eingegangener Verpflichtungen“. Lakomskis Unternehmen GPU ist Gründungsmitglied im Lichtenberger Bündnis für Wohnen. Für 1 500 neue Wohnungen, darunter den Studententurm, will GPU noch in diesem Jahr Bauanträge stellen. Über ein weiteres Projekt zu vergleichbaren Mieten wird gerade verhandelt. „Lichtenberg benötigt dringend bezahlbaren Wohnraum“, so Lakomski. Bisherige Projekte der GPU waren die denkmalgerechte Sanierung der Zuckerwarenfabrik in der Konrad-Wolf-Straße und der Umbau des einstigen Warenhauses am Anton-Saefkow-Platz.

Gebaut wird auch in Mitte. Dort entsteht in Sichtweite des Alexanderplatzes anstelle eines abgerissenen Parkhauses ein neuer Wohnblock mit 190 Eigentumswohnungen und 400 Studentenapartments. Die Wohnungen werden von der Lambert Wohnbau GmbH errichtet – sie zählen zu den teuersten der Stadt. Das Unternehmen mit Sitz in Regensburg und Projekten etwa in München hat ein schlichtes Konzept: Es überträgt bayerische Verhältnisse auf die Hauptstadt.

Und das schlägt sich vor allem in den Preisen nieder. Durchschnittlich 4 900 Euro pro Quadratmeter sollen wohlhabende Eltern für ein Apartment ihrer Kinder zahlen, im Dachgeschoss mit eigener Terrasse können es bis zu 5 800 Euro pro Quadratmeter sein. Die für Berliner Verhältnisse astronomischen Summen lassen sich fortsetzen, etwa wenn Mietpreise von rund 19 Euro warm verlangt werden. Dass die Wohnungen nicht für Durchschnittsstudenten gemacht sind, daraus macht Lambert kein Geheimnis.

„Wir sprechen ein gehobenes Klientel an. Wohlhabende Eltern, die nicht möchten, dass ihre Kinder in einer Techno-WG wohnen“, sagt Dario Mazzotta vom Vertrieb der Lambert Wohnbau. Auch Kapitalanleger werden angesprochen, deren Wohnungen werden ausschließlich an Studenten vermietet, deren Eltern den Vertrag unterschreiben müssen. Monatliche Miete: 450 bis 500 Euro. Angemessen sei das für den energetischen Standard, Einbauküche, Top-Lage, dreifach verglaste Fenster, Fußbodenheizung, so Mazzotta.

Mit normalem Studentenleben hat das nur wenig zu tun. Doch in der Immobilienbranche gehen viele davon aus, dass sich in Berlin genügend Käufer für solche Wohnungen finden lassen. Es gebe inzwischen viele Leute, die Ersparnisse haben, nach Anlagemöglichkeiten suchen und 140.000 Euro und mehr für ein kleines Apartment zahlen, heißt es in der Branche. „Die Preise am Alex sind nicht sittenwidrig“, sagt ein Bauherr. Die Tendenz gehe zu immer kleineren Wohnungen.

Selbst das Berliner Studentenwerk sieht die steigenden Preise eher unkritisch. „Die Zielgruppe entspricht sicher nicht den Durchschnittsstudenten. Die Häuser am Alexanderplatz haben eine attraktive Lage. Es gibt zu wenige Studentenwohnungen in der Stadt“, sagt Jürgen Morgenstern, der Sprecher des Studentenwerks.

Nach Angaben von Mazzotta sind etwa die Hälfte der Studentenapartments verkauft. Im Herbst 2015 sollen sie bezugsfertig sein.


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