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Wohnstudie: Wohnungen in fast allen Preisklassen knapp

Auf dem Berliner Wohnungsmarkt ist im Augenblick nur im oberen Preissegment das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage relativ ausgeglichen.

Auf dem Berliner Wohnungsmarkt ist im Augenblick nur im oberen Preissegment das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage relativ ausgeglichen.

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Max Lautenschläger

Berlin -

Die Suche nach einer neuen Wohnung in Berlin wird in den kommenden Jahren immer schwieriger. Der Grund: Das Angebot an freien Wohnungen reicht in fast allen Preisklassen nach Expertenmeinung nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen.

Nur im oberen Preissegment ist das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage in etwa ausgewogen. Das geht aus dem am Dienstag vorgestellten Wohnungsmarkt-Barometer der Investitionsbank Berlin (IBB) hervor. Es beruht auf den Angaben von 256 Experten des Berliner Wohnungsmarktes.

„Auch unter dem Eindruck aktueller Zuwanderungszahlen gehen die befragten Experten mittlerweile davon aus, dass es in den kommenden Jahren einen Nachfrageschub in allen Marktsegmenten geben wird, dem häufig kein ausreichendes Angebot gegenüber steht“, sagte Andreas Tied von der Investitionsbank Berlin.

Schwierig ist es vor allem für Menschen mit geringem Einkommen, eine neue Wohnung zu finden. Das Angebot an Mietwohnungen im unteren Preissegment ist derzeit nach Einschätzung der Experten in nahezu allen Bezirken erheblich geringer als die Nachfrage. Im Vergleich zu 2011 hat sich die Situation laut dem IBB-Barometer „weiter verschärft“.

Verschlechterung erwartet

Etwas besser ist das Angebot von preisgünstigen Wohnungen lediglich noch in Neukölln, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf. Besserung ist nicht in Sicht. In den nächsten drei Jahren wird sich die Marktlage im unteren Preissegment nach Einschätzung der Experten in allen Bezirken verschlechtern.

Im mittleren Preissegment gibt es derzeit nur in Marzahn-Hellersdorf genügend freie Wohnungen. In allen übrigen Bezirken übersteigt die Nachfrage das Angebot laut Wohnungsmarkt-Barometer deutlich. Besonders groß sei das Defizit derzeit in Friedrichshain-Kreuzberg und in Tempelhof-Schöneberg. Dagegen ist das Angebot an Wohnungen im oberen Preissegment gemessen an der Nachfrage nahezu ausgeglichen.

Innerhalb Berlins sehen die Fachleute jedoch große Unterschiede: So gibt es in Neukölln, Spandau und Tempelhof-Schöneberg zurzeit eher zu viele teure Wohnungen. In Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Treptow-Köpenick entspricht die Zahl der hochpreisigen Wohnungen dagegen in etwa dem Bedarf. Eher zu wenig Mietwohnungen im oberen Preissegment gibt es in Reinickendorf, Pankow, Mitte, Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg.

Die Nachfrage nach Wohneigentum ist laut IBB-Barometer im Moment ebenfalls größer als das Angebot – und wird es in den nächsten drei Jahren auch bleiben. Bei der Nachfrage nach Eigentumswohnungen zeigen sich aber große regionale Unterschiede. In Mitte sind Angebot und Nachfrage derzeit ausgeglichen. In den nächsten Jahren erwarten die Experten hier „leichte Überkapazitäten“.

Das bedeutet, dass dort mehr Wohnungen gebaut werden als tatsächlich gefragt sind. Eine steigende Nachfrage nach Eigentumswohnungen erwarten die Experten auch in Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg und in Steglitz-Zehlendorf.

Proteste erschweren Neubau

Obwohl derzeit immer mehr Eigentumswohnungen in Berlin geplant werden, besteht nach Meinung der Experten insgesamt eine größere Nachfrage nach Mietwohnungen. Gefragt sind dabei Wohnungen in allen Größen. Bei Mietwohnungen werden vor allem Wohnungen mit einer mittleren Größe von 45 bis unter 70 Quadratmeter benötigt. Im Eigentumssegment sind eher größere Wohnungen zwischen 70 und 100 Quadratmeter gefragt.

Bei den Investoren führt die zunehmende Knappheit von Wohnungen dazu, dass der Wohnungsneubau wieder attraktiv wird. Das Investitionsklima hat sich nach Ansicht der Experten von „schlecht“ auf „durchschnittlich“ verbessert. Der größte Bedarf an neuen Mietwohnungen besteht in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg.

Gerade in Friedrichshain-Kreuzberg wird jedoch das Investitionsklima von den Experten als „unterdurchschnittlich“ beurteilt. Zurückzuführen ist das schlechte Urteil nach Ansicht der Fachleute auf den Widerstand gegen zahlreiche Neubauprojekte.


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