Neuer Inhalt

Wohnungsmarkt: Berlin boomt und baut wie lange nicht

Baugenehmigungen in den Berliner Bezirken 2013.

Baugenehmigungen in den Berliner Bezirken 2013.

Der Wohnungsneubau kommt in Schwung. Erstmals seit 1999 wurden im vergangenen Jahr in Berlin wieder mehr als 10.000 neue Wohnungen genehmigt, nämlich insgesamt 12.518 Unterkünfte. Das teilte das statistische Amt Berlin-Brandenburg am Dienstag mit.

Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) zeigte sich erwartungsgemäß zufrieden. „Die Trendwende beim Wohnungsbau ist geschafft, es wird so viel gebaut wie schon seit Langem nicht mehr“, sagte er. „Das ist eine gute Entwicklung für Berlin, denn jede Wohnung hilft auf dem angespannten Wohnungsmarkt.“

Rund 8000 Wohnungen sollen in Mehrfamilienhäusern entstehen. Etwa 2000 Wohnungen sind in Ein- und Zweifamilienhäusern geplant. Weitere knapp 2500 Wohnungen sollen in bestehenden Gebäuden errichtet werden, beispielsweise durch den Ausbau von Dachgeschossen.

Zwei bis drei Jahre Bauzeit

Mit der hohen Zahl genehmigter Wohnungen ist das politische Ziel, 10.000 neue Wohnungen pro Jahr zu errichten, in greifbare Nähe gerückt. Genehmigt ist jedoch noch nicht gebaut. Bis die Wohnungen stehen, vergehen in der Regel zwei bis drei Jahre. Stadtentwicklungssenator Müller betonte, dass eine hohe Zahl von Wohnungen nicht ausreiche.

„Wir wollen auch aktiv beeinflussen, welche Wohnungen gebaut werden“, sagte er und spielte damit darauf an, dass ein Großteil der neuen Unterkünfte als Eigentumswohnungen gebaut werden oder als Mietwohnungen im gehobenen Preissegment geplant sind. Es sei deshalb richtig und wichtig, die neue Wohnungsbauförderung auf den Weg zu bringen sowie Bündnisse mit den Bezirken, aber auch mit privaten Bauinvestoren und der Bauwirtschaft abzuschließen, so Müller. Ziel sei es, auch in Zukunft in ganz Berlin für alle Schichten den geeigneten Wohnraum zu haben.

Unklare Förderung

Durch die geplante Wohnungsbauförderung will der Senat, wie berichtet, mit jährlich 64 Millionen Euro den Bau von 1000 Wohnungen zu Mieten zwischen 6 und 7,50 Euro je Quadratmeter (kalt) unterstützen. Außerdem will er über städtebauliche Verträge mit privaten Investoren einen Anteil von Wohnungen mit niedrigen Mieten durchsetzen.

Das Problem: Noch ist nicht eine einzige geförderte Wohnung genehmigt worden, die Fördermodalitäten sind unklar. Der Berliner Mieterverein (BMV) kritisierte am Dienstag, dass das Wohnungsbauförderprogramm 2014 „längst überfällig“ sei. Sowohl die geplante Zahl von geförderten Wohnungen als auch die angepeilte Miethöhe reichen dem Mieterverein nicht aus. Nötig seien jährlich mindestens 1500 bis 2000 neue Wohnungen, die zu Kaltmieten zwischen 5,50 und 7,50 Euro je Quadratmeter angeboten werden, so BMV-Geschäftsführer Reiner Wild.

Jährlich 100 Millionen Euro für Wohnungen

Die Mittel für die Wohnungsbauförderung sollten von den geplanten 64 Millionen Euro jährlich auf über 100 Millionen Euro aufgestockt werden. „Von einer tatsächlichen Trendwende gibt es leider keine Spur“, stellte Reiner Wild fest. Davon könne erst dann gesprochen werden, „wenn durch den Neubau eine spürbare Marktentlastung“ erzielt werde, die auch bei den Wiedervermietungsmieten zu einer Senkung führt.

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) forderte ebenfalls mehr bezahlbare Mietwohnungen. „Hierfür sollte das bereits beschlossene Förderprogramm zügig umgesetzt werden“, so BBU-Chefin Maren Kern. Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende des Bauausschusses, Andreas Otto (Grüne): „Senator Müller muss endlich liefern, damit Investoren - landeseigene wie private - endlich günstigen Wohnraum neu bauen können“, sagte er.

Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Berlin/Brandenburg warnte indes davor, den Wohnungsbauboom durch überhöhte Forderungen „im Rahmen aufgenötigter städtebaulicher Verträge abzuwürgen“.