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Wohnungsmodernisierung in Berlin : Wie Altmieter das Nachsehen haben

Bei Cornelia Hentschel soll sich die Miete um 160 Prozent erhöhen.

Bei Cornelia Hentschel soll sich die Miete um 160 Prozent erhöhen.

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Benjamin Pritzkuleit

Berlin -

Cornelia Hentschel muss jetzt in einem kleinen Hotel übernachten. In ihre Wohnung kann sie für eine Weile nicht zurück, ihre Hausratversicherung hat sie für unbewohnbar erklärt. Große Bautrockner stehen in mehreren Zimmern. Sie sind Tag und Nacht in Betrieb, sie heizen die Wohnung auf feuchtheiße fünfzig Grad auf. Es ist wie in einer Sauna.

Fünf Wochen ist es her, dass Wasser in ihre Wohnung in der Wisbyer Straße 6 im Prenzlauer Berg schoss. Arbeiter hatten beim Abriss von Zwischenwänden ein Rohr kaputt geschlagen. Etwa eine halbe Stunde lang soll das Wasser aus der Leitung geflossen sein, ohne dass etwas unternommen wurde.

Es bahnte sich seinen Weg in die darunter liegenden Wohnungen. Cornelia Hentschel traf es besonders schlimm. Decken, Wände, Fußböden waren teils völlig durchweicht, Tapeten lösten sich, Bodenbeläge quollen auf. Im Flur musste das Parkett später auf elf Metern Länge herausgerissen, eine Schrankwand, ein Bett und weiteres Inventar konnten nur noch entsorgt werden. Der Schaden: geschätzte 20.000 Euro.

Es ist einer von zahlreichen Vorfällen, der den Mietern seit Monaten Schlaf und Nerven raubt. Bauarbeiter, die nachts laut durch leere Wohnungen laufen, eingeschlagene Fensterscheiben, Wassereinbruch im Keller, erdbebenartige Erschütterungen durch brachiale Abrissarbeiten.

„Hier entstehen Eigentumswohnungen und exklusive Dachgeschosswohnungen“ kündigt ein Plakat am Baugerüst an. Die neun Parteien, die noch in dem Vorderhaus und den zwei Seitenflügeln wohnen, zahlen niedrige Mieten, teurere Wohnungen können sich manche auch gar nicht leisten. Dass sie in einem der wenigen unsanierten Häuser Prenzlauer Bergs lebten, nahmen sie gern in Kauf. Doch damit soll nun Schluss sein, entschied die neue Eigentümerin.

Klupp gilt als schonungsloser Sanierer

Erst fünf Monate ist es her, dass die „Inter Stadt- und Wohnungsbau Wisbyer Straße 6 Grundbesitz GmbH“, ansässig am noblen Kurfürstendamm, das Gebäude für 2,85 Millionen Euro kaufte. Dem „Wohle der in Berlin lebenden Menschen“ fühle man sich verpflichtet, ist auf den Websites des Unternehmens zu lesen.

Dessen Geschäftsführer Sascha Klupp hat sich in Berlin allerdings eher als schonungsloser Sanierer einen Namen gemacht. In der Dokumentation „Betongold“ beschreibt die Filmemacherin Katrin Rothe, mit welchen Mitteln der Investor sie und ihre Nachbarn aus ihrem Haus in Mitte verdrängt. Der Film wurde im April mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Der Wasserschaden bei Cornelia Hentschel, lässt Klupp über seinen Anwalt mitteilen, sei ein Versehen der Entkernungsfirma gewesen. Die Hausverwaltung habe sofort die Behebung des Schadens veranlasst. Doch der Klempner, sagen die Mieter, sei nie erschienen. Das Rohr sei erst zwei Tage später auf Anweisung der Polizei repariert worden. Der Wasserschaden ist kein Einzelfall. Auch in anderen Sanierungshäusern von Sascha Klupp hatten Mieter mehrfach mit ähnlichen Vorfällen zu kämpfen.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt, welchen Belastungen die Mieter ausgesetzt sind.

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