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Wohnungspreise 2015 in Berlin: Senator Geisel plaudert zu früh über den Mietspiegel

Wohnen wird vielerorts immer teurer.

Wohnen wird vielerorts immer teurer.

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imago stock&people

Eigentlich wurde Vertraulichkeit vereinbart: Erst im Mai soll der nächste Mietspiegel von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung veröffentlicht werden. Er wird Auskunft darüber geben, wie stark die Mieten in Berlin seit 2013 gestiegen sind, und noch wird das Werk auf Basis von mehreren tausend Miet-Daten von der Behörde zusammen mit Mieter- und Vermieterverbänden in vertraulichen Sitzungen erarbeitet. Doch noch vor Beginn der Mietspiegel-Beratungen wartete der neue Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) jetzt mit einer Überraschung auf.

Geisel sagte am Montagabend im Fernsehsender RBB, dass der neue Mietspiegel deutlich gestiegene Mieten für die Hauptstadt ausweisen werde. Die durchschnittliche Kaltmiete werde oberhalb von sechs Euro je Quadratmeter liegen. Überraschend ist hierbei nicht nur die Höhe der angeblichen Mietsteigerung, die – so es dazu kommen sollte – deutlich über der bisherigen Mietentwicklung läge. Überraschend ist vor allem, dass sich der Senator entgegen der vereinbarten Vertraulichkeit vorab äußerte.

Die Vertreter von Mieter- und Vermieterverbänden reagierten denn auch leicht pikiert. Es sei „nicht in Ordnung“, dass sich der Senator zum Mietspiegel äußere, während alle anderen Beteiligten zum Stillschweigen verpflichtet sind, sagte Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins (BMV). „Wir sind überrascht, dass jetzt schon angebliche Durchschnittswerte in Umlauf gebracht werden“, erklärte die Geschäftsführerin des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) Berlin/Brandenburg, Hiltrud Sprungala. „Uns liegen noch keine Ergebnisse der Mietspiegel-Befragung vor“, so Sprungala.

Da für die Arbeit zum Mietspiegel Vertraulichkeit vereinbart wurde, werde sich der BFW vor der offiziellen Veröffentlichung im Mai auch nicht dazu äußern. Maren Kern, Vorstandsmitglied des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), äußerte sich ähnlich. Wie sich die Mieten entwickelt haben, könne erst nach Vorlage des Datenmaterials verlässlich beurteilt werden, sagte sie.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung war am Dienstag um Schadensbegrenzung bemüht. Behördensprecher Martin Pallgen erklärte: „Bislang gibt es keine endgültigen Ergebnisse über die Durchschnittswerte im neuen Mietspiegel, weil die Auswertung der Daten noch nicht abgeschlossen ist.“ Die Angabe, „dass die Durchschnittsmiete auf über 6 Euro je Quadratmeter steigen könnte, war eine Einschätzung“, relativierte der Sprecher die Aussage seines Senators. Und fügte hinzu: „Die Zahl können wir nicht bestätigen.“ Fest stehe, „dass die Mieten in Berlin steigen und dass Handlungsdruck besteht, preisdämpfend auf den Markt einzuwirken“, so Pallgen.

Wohnungsmarktexperten bezweifeln, dass die ortsübliche Miete im Schnitt auf mehr als 6 Euro je Quadratmeter klettert, wie es der Stadtentwicklungssenator erklärte. Aus Sicht von BFW-Geschäftsführerin Hiltrud Sprungala beeinflussen mehrere Faktoren die Mietenentwicklung. „Klar ist, dass es weniger Umzüge in Berlin gibt. Dadurch reduziert sich die Zahl der höheren Mieten, die in den Mietspiegel einfließen“, sagte Sprungala. „Durch die geplante Mietpreisbremse der Bundesregierung kann es allerdings zu Vorzieheffekten gekommen sein. Das heißt, dass manche Vermieter die Mieten im vergangenen Jahr noch einmal erhöht haben, weil die Möglichkeiten später eingeschränkt werden“, so die BFW-Geschäftsführerin.

Innerhalb der Regierungskoalition wird schon eine Aufstockung der Mittel für den Bau von Sozialwohnungen ins Gespräch gebracht. „Bei einer Verdoppelung des Wohnungsbaufonds ermöglichen wir den Bau von 60.000 neuen Wohnungen“, sagte der CDU-Abgeordnete Matthias Brauner.



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