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Zentraler Omnibusbahnhof (ZOB): Der Busbahnhof platzt aus allen Nähten

Wir fahr’n nach Łódz: Ein Mitarbeiter von Polskibus empfängt am Busbahnhof die Fahrgäste. Polskibus ist eines von mehr als 50 Busunternehmen am ZOB.

Wir fahr’n nach Łódz: Ein Mitarbeiter von Polskibus empfängt am Busbahnhof die Fahrgäste. Polskibus ist eines von mehr als 50 Busunternehmen am ZOB.

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AKUD/Lars Reimann

Mit diesen Zuwachsraten kann nicht mal der Flughafen Tegel mithalten, obwohl auch er für manchen Rekord gut ist. Am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) Berlin hat der Verkehr im vergangenen Jahr um mehr als 50 Prozent zugenommen, für dieses Jahr wird eine ähnlich hohe Steigerung erwartet. „Die Nutzungszahlen explodieren“, sagt Andris Mamis vom Verband Paneuropäischer Reisebusbahnhöfe. Der ZOB Berlin platzt aus allen Nähten. Der vom Senat geplante Ausbau lässt jedoch auf sich warten.

Volle Busse, viele Fahrgäste: Seitdem der Fernbusverkehr im vergangenen Jahr liberalisiert worden ist, erlebt der Busbahnhof einen Boom. Im Jahr 2012 hatte die Internationale Omnibusbahnhof-Betreibergesellschaft, ein Tochterunternehmen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), 64.000 An- und Abfahrten registriert. 2013 war die Zahl schon fast sechsstellig: 99.870. „Für 2014 rechnen wir mit 150.000 An- und Abfahrten“, so BVG-Sprecher Markus Falkner. „Der Trend ist positiv.“

Martialische Sperren

Internen Daten zufolge haben während der ersten drei Monate dieses Jahres rund 34.100 Busse den ZOB genutzt. Das sind mehr als doppelt so viele wie im selben Zeitraum des vergangenen Jahres, als lediglich 14.900 Fahrten registriert wurden. Rekordmonat war nach Informationen der Berliner Zeitung der März mit 12.800 An- und Abfahrten, so viele wie noch nie in der 48-jährigen Historie des Busbahnhofs am Messedamm in Charlottenburg. Fast zwei Drittel entfallen auf Mein Fernbus, Flixbus sowie ADAC Postbus.

Zur Fahrgastzahl gibt es keine Angaben. Doch wer frühere Schätzungen hochrechnet, kommt darauf, dass im vergangenen Jahr fünf Millionen Reisende die landeseigene Anlage frequentiert haben. Für den Berlin-Tourismus, der ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, wird der Busbahnhof immer wichtiger. Nicht mehr nur ältere, auch junge Leute fahren Fernbus – weil er dank niedrigerer Betriebskosten meist billigere Tickets anbietet als die Bahn.

Allerdings zeigt sich Berlin am ZOB nicht von seiner besten Seite. Die Fahrgäste warten auf orangeroten Plastikbänken, wie es sie früher mal in Sozialämtern gab. Die Firma Wall unterhält zwar eine Toilette, doch weil sich die martialisch aussehenden stählernen Sperren erst nach dem Einwurf von 50 Cent öffnen, erleichtern sich viele Fahrgäste lieber hinter den Kiosken nebenan – was man riechen kann.

In einer Vorlage für den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses ist von einer „verstärkten Verschmutzung im Außenbereich der Toilettenanlage“ die Rede. Der ZOB hat aber auch Pluspunkte, vor allem die gute Information. So sagt eine BVG-Mitarbeiterin Ankünfte und Abfahrten an – ein Service, der in deutschen Busbahnhöfen einzigartig ist. Es gibt auch eine elektronische Anzeigetafel.

Die Hamburger waren schneller

Ein wichtigeres Kriterium ist allerdings die Kapazität – und die ist laut BVG bereits zu manchen Tageszeiten fast erschöpft. Morgens und abends ist der Busbahnhof voll, dann sind zeitweise die 27 gleichzeitig nutzbaren Haltestellen besetzt.

Um die Anlage leistungsfähiger und attraktiver zu machen, stehen für dieses Jahr 1,2 Millionen und für 2015 zwei Millionen Euro bereit. In der ersten Phase werden Busparkplätze umgebaut, damit zehn weitere Haltestellen entstehen, sagt Daniela Augenstein, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD).

„Es ist unser Ziel, noch 2014 mit den Baumaßnahmen zu beginnen.“ Wann es losgehe, ließe sich aber nicht sagen. Ohnehin seien der Umbau der Haltestellen und der Wartehalle erst später geplant. Der Senat will die Kapazitäten auch anders „optimieren“: So soll die Gebührenordnung Busbetreibern künftig Anreize geben, den ZOB lieber außerhalb der Stoßzeit am Morgen anzufahren.

„Der Ausbau muss endlich beginnen“, fordert Andris Mamis vom Busbahnhofsverband. Anders als die Hamburger und Münchner, die ihre Busbahnhöfe längst aufgemöbelt haben, würden die Berliner Verantwortlichen viel zu lange warten.


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