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Zoohandlung: Die Verweigerin

Nach der Zeitumstellung fühle sie sich immer müde, sagt Renate Stahn.

Nach der Zeitumstellung fühle sie sich immer müde, sagt Renate Stahn.

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Berliner Zeitung/Sabine Fründ

Renate Stahn ist trotzig. Im ganzen Land ticken die Uhren nach der Sommerzeit, nur bei ihr nicht. In Stahns Zoohandlung an der Dunckerstraße in Prenzlauer Berg herrscht noch immer Winterzeit. „Das war das Beste, was ich machen konnte“, sagt Stahn.

Auf einem Schild teilt die 65-Jährige ihren Kunden mit: „Meine Zeit bleibt die normale mitteleuropäische Zeit!“ Gerne würde sie die Zeitumstellung ganz abschaffen. Ihrer Meinung nach bringe das gar nichts. „Von wegen Strom sparen. Kopfschmerzen, Kreislauf-Probleme, Müdigkeit und Schlafstörungen – das bekomme ich.“ In den ersten Wochen nach der Umstellung fühle sie sich immer müde und schlapp. Auch ihren Wellensittichen, Kanarienvögeln, Reisfinken und Diamanttauben gehe es nicht besser. Und deshalb boykottiert Renate Stahn in diesem Jahr die Sommerzeit und öffnet ihren Laden erst um 11 Uhr offizieller Zeit (MESZ).

„Tiere passen sich an unseren Biorhythmus an“

Bis jetzt habe sie nur positive Resonanz erhalten, sagt Stahn. Die Leute fänden das ganz toll. Einige sprachen sie sogar an, ob sie nicht eine Demo gegen die Zeitumstellung organisieren möchte – das will sie dann auch nicht. Auch ihren Vögel gehe es besser. „Jetzt zwitschern und flattern sie so wie immer. Das war früher nicht so.“

Experten finden das Verhalten der Zoohändlerin gar nicht abwegig. „Tiere passen sich an unseren Biorhythmus an“, sagt Stephanie Eschen vom Tierschutzverein für Berlin. „Förster berichten uns regelmäßig nach der Zeitumstellung von vermehrten Wildunfällen.“