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Berliner Zeitung | Zu wenig Erstanmeldungen : Die unbeliebtesten Schulen in Berlin
11. August 2014
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Zu wenig Erstanmeldungen : Die unbeliebtesten Schulen in Berlin

Berliner Politiker fordert den Austausch der Lehrer an Problemschulen. Doch liegt es wirklich an den Lehrern?

Berliner Politiker fordert den Austausch der Lehrer an Problemschulen. Doch liegt es wirklich an den Lehrern?

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imago/CHROMORANGE

Eltern und Schüler machen um bestimmte Berliner Schulen einen weiten Bogen. An diesen Schulen, meist sind es Sekundarschulen, werden jährlich viel weniger Schüler angemeldet als dort Plätze zur Verfügung stehen. Auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Abgeordneten Burgunde Grosse hat die Bildungsverwaltung nun die Anmeldezahlen für alle staatlichen Berliner Schulen veröffentlicht.

Daraus wird ersichtlich, dass es in fast jedem Bezirk ein oder zwei Schulen gibt, die gemieden werden. Nach den Erstanmeldungen bleiben etwa ein Drittel oder gar drei Viertel aller Plätze frei. An diese Schulen werden dann jene Schüler geschickt, die an den besonders begehrten Schulen abgelehnt werden. Mitunter werden ausgerechnet dort auch noch sogenannte Rückläuferklassen gebildet aus Schülern, die das Probejahr an den Gymnasien nicht bestanden haben. Das führt zu einer problematischen Schülermischung. Für die neue Liste stellten die drei Bezirke Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Spandau leider keine Daten zur Verfügung.

Wenn die gymnasiale Oberstufe fehlt

Burgunde Grosse weist allerdings darauf hin, dass zum Beispiel die Integrierte Sekundarschule am Staakener Kleeblatt in Spandau angeblich nur sieben Anmeldungen hatte. Andere Problemfälle kann man der Liste der Bildungsverwaltung entnehmen. So meldeten sich an der Gustav-Langenscheidt-Sekundarschule in Schönberg für das kommenden Schuljahr nur 17 Schülern an, obwohl 96 Plätze zur Verfügung stehen.

Neben einem Direktorenwechsel und einer Schulfusion mag hier eine Rolle spielen, dass Berlins beliebteste Sekundarschule, die Sophie-Scholl-Schule, gleich um die Ecke liegt. Die Sophie-Scholl-Schule hat zudem eine eigene gymnasiale Oberstufe, die den Schulen mit wenigen Anmeldungen oft fehlt.

SPD-Bildungspolitiker Joschka Langenbrinck, der eine ähnliche parlamentarische Anfrage gestellt hat, will diese Probleme nicht länger totschweigen, wie er sagt. „Unattraktiven Schulen muss geholfen werden, damit ihre Schüler nicht von Anfang an auf dem Abstellgleis stehen“, fordert Langenbrinck und hat auch schon ein Patentrezept parat: „Schule schließen, Leitung und Lehrer raus, motivierte Leute mit frischen Ideen rein und Schule wieder öffnen.“

Zudem sollten Lehrer, die in ausgewiesenen Problemschulen arbeiten, eine Zulage erhalten und angehende Schulleiter früher auf ihren Dienst vorbereitet werden. Die Bildungsverwaltung selbst setzt hingegen eher auf intensive Beratung, sie hat mit der Robert-Bosch-Stiftung ein Turnaround-Projekt für zehn scheiternde Schulen aufgelegt. Mit dieser Hilfe sollen die Kollegien neuen Mut schöpfen und sich gemeinsame Ziele stecken, an einigen dieser Schulen wechselten die Schulleiter.

Schwieriges Umfeld

Probleme hat auch die Gustave-Eiffel-Sekundarschule in Prenzlauer Berg, wo sich fürs bald beginnende Schuljahr nur 20 Schüler anmeldeten, obwohl 104 Plätze bereitstehen. In diesem Fall hat die Schule ganz offensichtlich auch mit dem gar nicht Prenzlauer Berg-typischen Umfeld zu kämpfen – sie liegt mitten in einer Hochhaussiedlung, in der sich die soziale Situation der dort lebenden Familien zugespitzt hat. Ähnliches gilt wohl auch für die Vincent-van-Gogh-Sekundarschule in Neu-Hohenschönhausen. Hier gab es nur 22 Anmeldungen auf 104 Plätze, auch dies eine vor Kurzem fusionierte Schule ohne eigene Oberstufe. Vor zwei Jahren lag die Zahl der Anmeldungen noch höher.

Einige wenig nachgefragte Schulen liegen auch in Randlagen oder Gegenden mit älterer Bevölkerung. Während einige Sekundarschulen nicht gefragt sind, können sich andere vor Anmeldungen kaum retten.

Bei den Gymnasien sind die Gegensätze nicht ganz so stark ausgeprägt. Aber es gibt sie.

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