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Zwangsräumung Reinickendorf: Zwangsgeräumte Rosemarie F. gestorben

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Protest gegen die Zwangsräumung der Wohnung von Rosemarie F. (09.04.2013).
Protest gegen die Zwangsräumung der Wohnung von Rosemarie F. (09.04.2013).
Foto: Björn Kietzmann

Zwei Tage nach der Zwangsräumung ihrer Wohnung in Berlin-Reinickendorf stirbt Rosemarie F. in der Wärmestube der Kälte-Nothilfe. Die genauen Umstände der Todesursache soll eine Obduktion klären.

Nach der Zwangsräumung ihrer Wohnung in der Aroser Allee 92 in Berlin-Reinickendorf erhielt Rosemarie F. Obdach in der Wärmestube der Kälte-Nothilfe. Nur zwei Tage später starb die schwerbehinderte Rentnerin. Die 67-Jährige habe dem Druck und Stress nicht standhalten können, teilt die Kältehilfe mit. Rosemarie F. sei am Donnerstag gegen 18 Uhr gestorben. Die genaue Todesursache soll eine Obduktion klären.

Der Initiator der Kälte-Nothilfe, Zoltan Grasshoff, erzählt von den letzten Stunden, die er mit Rosemarie F. verbracht hat: „Sie hat in den Tagen nach der Räumung erheblich abgebaut“. Rosemarie F. habe auf einem Spaziergang, der ihr große Mühe bereitete, mehrfach erbrochen, nur sehr langsam habe sie sich bewegen können.

Am Donnerstag früh habe sie den Wunsch gehabt, ins Jüdische Krankenhaus eingeliefert zu werden, doch dann habe sie erst einmal schlafen und sich ausruhen wollen. Diesen Wunsch habe man akzeptiert, sagt Grasshoff. In einem Video von "mit Herz TV" äußert sich Zoltan Grasshoff sehr verbittert über den Tod von Rosemarie F. Er empfindet ihren Tod als Mord "durch den Staat", als "Hartz-IV-Mord".

Am 27. Februar 2012 hatte das Berliner Landgericht die Zwangsräumung vorläufig noch gestoppt. Die zuständige Gerichtsvollzieherin hatte schon die Schlösser zu der Wohnung ausgetauscht, als die telefonische Absage bei ihr eintraf. Rund 200 Personen hatten vor dem Haus gegen die Räumung demonstriert. Die Mieterin konnte vorerst bleiben.

Bei einem erneuten Versuch am 9. April 2013 setzten 140 Einsatzkräfte die Zwangsräumung der Wohnung von Rosemarie F. schließlich durch. Wieder protestierten rund einhundert Menschen friedlich in Berlin-Reinickendorf. „Wir wollten präsent sein und auf die Räumung aufmerksam machen“, sagte David Schuster vom „Bündnis Zwangsräumung verhindern“ vor drei Tagen. Die Initiative ist Teil eines Netzwerks aus rund 20 stadtpolitischen Organisationen.

„Wir sind sehr geschockt über die Vorgehensweise in unserem Land und bitten Sie alle Hebel in Bewegung zu setzen um endlich einen Ruck durch die Bevölkerung gehen zu lassen“, erklärt die Kälte Nothilfe nach dem Tod von Rosemarie F. in ihrer Pressemitteilung. Am Freitag-Abend soll es um 18 Uhr auf der Aroser Allee 92 einen Trauermarsch geben.

Rosemarie F. bewohnte eine Eineinhalb-Zimmer-Wohnung und hatte längere Zeit nicht die Miete in Höhe von monatlich 350 Euro bezahlt. Doch es ging nicht allein nur um Mietschulden. Die Wohnungseigentümerin warf der schwerbehinderten Rentnerin vor, Gasleitungen in dem Haus manipuliert zu haben, sie soll Feuer gelegt und andere Mieter belästigt haben.

Rosemarie F. hatte das immer als verleumderische Unterstellungen zurückgewiesen. Hilfsangebote nahm sie angeblich nicht an. Ein Gespräch mit dem sozialpsychiatrischen Dienst des Bezirks soll sie abgelehnt haben. „Wir haben ihr geschrieben, haben versucht, sie telefonisch zu erreichen. Mitarbeiter waren auch vor Ort“, hatte der Gesundheitsstadtrat von Reinickendorf, Uwe Brockhausen (SPD), im Zusammenhang mit der Zwangsräumung der Berliner Zeitung gesagt.

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