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Zweiter Neubau genehmigt: Die East Side Gallery wird zum bunten Gartenzaun

An der East Side Gallery ist es auch bei grauem Wetter schön bunt.

An der East Side Gallery ist es auch bei grauem Wetter schön bunt.

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Berliner Zeitung/Matthias Günther

Auch bei Regenwetter wie am Freitag ist die East Side Gallery in Friedrichshain ein Ort für Touristen. Polen, Japaner und Spanier fotografierten sich vor den bunten Bildern auf der einstigen DDR-Hinterlandmauer entlang der Mühlenstraße. Hinter der Freiluftgalerie wächst eines der umstrittensten Bauprojekte der Stadt: Der Luxus-Wohnturm Living Levels des Investors Maik Uwe Hinkel ist in der neunten Etage angekommen, 15 sollen es einmal sein. Die Baustellenzufahrt, für die vor knapp einem Jahr eine neue Lücke in das Mauerdenkmal gerissen wurde, ist hinter einem blauen Metalltor verborgen.

Für einen weiteren Neubau hinter der Mauer hat die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung jetzt die Baugenehmigung erteilt: Der israelische Investor Alon Mekel will dort einen 120 Meter langen Wohn- und Hotelriegel bauen. Statt wie ursprünglich geplant sieben Etagen darf das Gebäude sogar neun Etagen haben – so viele wie Living Levels derzeit hat.

Grund für die genehmigte Aufstockung ist ein Kompromiss, der nach lautstarken Protesten gegen immer mehr Lücken in der Mauer zwischen Senat und beiden Bauherren ausgehandelt wurde. Danach wird es für beide Grundstücke nur noch eine einzige Zufahrt geben. Ursprünglich waren drei Durchbrüche vorgesehen. Jetzt soll die Zufahrt für Hinkels Hochhaus Living Levels über das Grundstück der Israelis geführt werden, der dafür Planungsänderungen vorgenommen hat. Vor seinem Grundstück gibt es schon eine Mauerlücke, die jetzt auf etwa 30 Meter erweitert werden soll. Weil durch diese eine Zufahrt aber Platz für das Hotel verloren geht, hatte Investor Mekel die Aufstockung beantragt. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, der eigentlich für die Baugenehmigung zuständig ist, lehnte die Aufstockung ab. Der Investor legte Widerspruch beim Senat ein, wo jetzt in seinem Sinn entschieden wurde. „Wir haben im Rahmen der Gespräche am Runden Tisch, bei denen es darum ging, die East Side Gallery möglichst zu schonen, einen Weg aufgezeigt, wie ein Kompromiss aussehen kann“, sagte Daniela Augenstein, die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung.

Mit der Baugenehmigung für seinen Nachbarn gerät jetzt auch Maik Uwe Hinkel gehörig in Zugzwang: Hinkel hatte versprochen, im Falle eines Kompromisses die Mauersegmente seiner Baustellenzufahrt wieder zu schließen. Sein Sprecher Jürgen Scheunemann sagte am Freitag, noch seien viele Fragen ungeklärt: „Uns muss offiziell ein Wegerecht eingeräumt werden, damit die Bewohner von Living Level dort langfahren können.“ Für dieses Wegerecht werde Nachbar-Investor Mekel bestimmt Geld fordern. Scheunemann: „Wer das bezahlt, ist auch noch unklar.“ Eine Zufahrt über das Hotelgrundstück sei auch aus Gründen der Verkehrssicherheit und des Brandschutzes schwierig.

Eine nachbarschaftliche Vereinbarung über solche und andere strittige Fragen gibt es jedenfalls noch nicht. Von der East Side Gallery Berlin Friedrichshain GmbH, die im Auftrag des israelischen Investors arbeitet, war am Freitag keine Auskunft zu erhalten.

Bezirk kennt neue Pläne nicht

Im Bezirk, der den Hinkel-Bau inklusive Mauerdurchbruch genehmigt und dann viel zu spät versucht hatte, beide Bauprojekte zu verhindern, weiß man derzeit nicht, wie es jetzt weitergeht. Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) sagt, er kenne die Planungsänderungen gar nicht. Empörung über die Baugenehmigung herrscht unter den Freunden der East Side Gallery. Sascha Disselkamp von der Clubkommision sagt, während sich Prominente wie David Hasselhoff und die Stiftung Berliner Mauer für den Erhalt der East Side Gallery stark machten, zerstöre die Politik Geschichte. Und: „Wir sind sicher, dass es mehrere Zufahrten für die Luxuskarossen der neuen Bewohner geben wird.“ Die Mauer werde vor den Massivbauten wie ein bunter Gartenzaun wirken.


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