E_Paper_BZ
Nachrichten aus Berlin und der ganzen Welt

Zwielichtiges Angebot: Spreepark zum Verkauf - auf Ebay

Das Riesenrad im Plänterwald dreht sich schon lange nicht mehr (Archivbild).

Das Riesenrad im Plänterwald dreht sich schon lange nicht mehr (Archivbild).

Foto:

BLZ/Markus Wächter

Da hat jemand aber gewaltig unterschätzt, wie sehr sich Berlin für den Spreepark interessiert, erst Recht, wenn es mal wieder was Neues zu berichten gibt. Denn Ernst Gerd Schmidt brüllt am Sonntag ins Telefon, er verbiete sich weitere Nachfragen und knallt dann den Hörer auf. Na gut.

Ernst Gerd Schmidt ist Inhaber der eg Schmidt Projektentwicklung aus Hartheim am Rhein (etwa 4000 Menschen wohnen dort) und der Mann hat sich was Großes vorgenommen. Auf dem Internetportal EBay bietet Schmidt derzeit den Vergnügungs- und Freizeitpark (Spreepark) in Erbbaupacht zum Verkauf an. 1,62 Millionen Euro soll das etwa 30 Hektar große Gelände kosten. Eine großflächige Nutzung erfolge nicht mehr, schreibt Schmidt, die Baulichkeiten seien größtenteils zerstört, der Zustand sei renovierungsbedürftig.

#bigimage
Ernst Gerd Schmidt verkauft eigentlich Wohnhäuser in Leverkusen und im Schwarzwald. Das ist auch korrekt. Doch mit dem Spreepark wagt der umtriebige Hartheimer Ungewöhnliches. Er verkauft einen Erbbaupachtvertrag, der ihm gar nicht gehört. Und verlangt eine Courtage von vier Prozent, also knapp 65 000 Euro. Nicht schlecht für einen cholerischen Geschäftsmann.

Aber unwahrscheinlich. Denn am Spreepark in Treptow sind schon einige Geschäftsleute mit ihren großen Plänen gescheitert. Und bis heute weiß niemand, was aus der lukrativ gelegenen Brachfläche (beste Spreelage!) mit ihren maroden Resten des einstigen Vergnügungsparks Plänterwald geschehen wird. Der Plänterwald, 1969 als Kulturpark eröffnet, war eine Attraktion in der DDR. Jährlich kamen über eine Million Besucher zu Rummel und Geisterbahn. Und alle genossen im fast 50 Meter hohen Riesenrad den Rundblick über die ganze Stadt.

Nach der Wende ging es abwärts, immer weniger Besucher kamen. 2001 war Spreepark-Chef Norbert Witte Pleite, der Vergnügungspark musste schließen. Es blieben elf Millionen Euro Schulden, mittlerweile sind es 20 Millionen Euro. Das Gelände verrottet, manchmal gibt es Führungen über das Gelände, dann sieht man zerstörte Dinosaurier, die am Boden liegen. Schon oft sah es nach Rettung aus. Doch nichts passierte.

Das Grundstück gehört dem Land Berlin, der Erbbaupachtvertrag mit Norbert Witte gilt bis 2065. Bei einer Zwangsversteigerung dieses Erbbaurechts im Jahr 2013 suchte das Amtsgericht einen neuen Investor. Berlin bot mit, bei 2,48 Millionen Euro wurde die Versteigerung abgebrochen. Nächster Termin ist am 17. September 2014, um 10 Uhr im Amtsgericht Köpenick, Mandrellaplatz 6, Saal 110. Und nicht bei Ebay.