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Zwischen Wedding und Prenzlauer Berg: Der Mauerpark wird fast doppelt so groß

Spazieren gehen soll im Mauerpark bald wieder Spaß machen: Der Bezirk Pankow will das Grillen verbieten, stattdessen sollen extra Grillpavillons eingerichtet werden.

Spazieren gehen soll im Mauerpark bald wieder Spaß machen: Der Bezirk Pankow will das Grillen verbieten, stattdessen sollen extra Grillpavillons eingerichtet werden.

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Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Der Mauerpark zwischen Wedding und Prenzlauer Berg kann endlich erweitert werden – und wird künftig fast doppelt so groß sein. Seit dem 1. Januar gehört ein sieben Hektar großes Areal auf Weddinger Seite zwischen Bernauer- und Gleimstraße nicht mehr dem Berliner Projektentwickler Klaus Groth, sondern dem Land Berlin. Vollzogen wird der Eigentümerwechsel jetzt, weil Groth als Gegenleistung für den Abtritt der bisherigen Gewerbefläche auf seiner verbleibenden, noch 3,5 Hektar großen Fläche nördlich der Gleimstraße, ein neues Wohnviertel bauen darf. Das hatte im Oktober das Abgeordnetenhaus beschlossen und den Weg für Wohnungsbau und Parkerweiterung frei gemacht.

Zwei Jahrzehnte wurde verhandelt, geplant und gestritten, wie der acht Hektar große Mauerpark in Prenzlauer Berg auch in den Wedding erweitert werden kann. Jetzt ist es soweit: Von den sieben Hektar Zusatzfläche sind fünf als Grünanlage vorgesehen, zwei Hektar an der Bernauer Straße bleiben Gewerbezone mit den Gaststätten Mauersegler und Schönwetter sowie dem beliebten Flohmarkt.

Grün Berlin übernimmt

Verantwortlich für die Gestaltung des neuen Mauerpark-Geländes wird die landeseigene Grün Berlin GmbH sein. Das bestätigt Martin Pallgen, Sprecher von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). Noch seien nicht alle Vorbereitungen zur Übernahme des Grundstücks abgeschlossen. Anfang Januar gebe es weitere Gespräche. Nach der Grundstücksübertragung werde ein Nutzungsvertrag mit Grün Berlin geschlossen.

Für das neue Gelände gibt es erste Ideen. Sie wurden in einer Bürgerwerkstatt gemeinsam mit dem Architekten Gustav Lange, der in den 90er Jahren die ersten Mauerpark-Abschnitte gestaltet hatte, entwickelt. So soll die Fläche des Sonntags-Flohmarktes verkleinert und befestigt werden. Werktags soll sie zugleich als Wochenmarkt mit frischen Lebensmitteln genutzt werden. Auch ein Blumenmarkt könnte entstehen. Große Teile der Parkerweiterung werden mit Wiesen und Baumhainen gestaltet. Die Kosten für die Erweiterung betragen etwa 5,9 Millionen Euro.

Die Grundstücksübertragung ist in einem städtebaulichen Vertrag zwischen Groth und dem Senat geregelt. Doch die Opposition im Abgeordnetenhaus und viele Anwohnerinitiativen kritisieren den Vertrag als Deal. Zigtausende Bürgereinwendungen gegen das Bauprojekt von Groth seien vom Senat nicht berücksichtigt worden, wirft zum Beispiel die Mauerpark-Allianz, ein Zusammenschluss vieler Bürgerinitiativen, der Landesregierung vor. Anwohner kritisieren vor allem, dass das Gebiet am S-Bahnring bebaut wird, noch dazu viel zu dicht und viel zu hoch.

„Groth gewinnt – Berlin verliert“, heißt es in einer Erklärung der Allianz. Die Anwohner hatten gefordert, dass der Senat das komplette Gelände für die Mauerparkerweiterung kauft. Doch die Landesregierung lehnte ab. Zugleich hebelte Senator Geisel im März ein Bürgerbegehren gegen das Groth-Projekt im Bezirk Mitte aus, als er die Verfahren für Parkerweiterung und Wohnviertel an sich zog.

Fläche gehört zu Pankow

Mit der Erweiterung wird es große Änderungen im Mauerpark geben: Vorgesehen sind massive Toilettenhäuser und feste Grillplätze. Dafür will Jens-Holger Kirchner (Grüne), Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Grillpavillons errichten, in denen die Grillroste fest installiert sind. Kirchner spricht von einem „skandinavischen Modell“. In den nordischen Staaten gibt es an vielen Stellen Grillpavillons. Die Nutzer reinigen auch die Roste und nehmen ihren Müll mit. Das Grillen wird also im gesamten Park auf der Wiese und an den Hängen verboten, nur an den Pavillons ist es erlaubt. Zugleich will der Bezirk Mitte die Grillfläche im Monbijoupark aufgeben, kündigte Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) an. Grillen wird dort wie im Großen Tiergarten verboten sein.

Die Bezirke Mitte und Pankow haben sich auch schon auf eine Grenzverschiebung geeinigt: Die zusätzliche Mauerparkfläche gehört künftig zu Pankow, damit es bei Fragen wie Sauberkeit und Sicherheit ein einheitliches Parkmanagement gibt. Pankow bereitet schon einen Beschluss für das Bezirksamt sowie das Bezirksparlament vor, der möglicherweise bereits im Januar verabschiedet werden soll. In Mitte werde man sich an diesen Formulierungen orientieren, sagt Baustadtrat Spallek. Wenn beide Bezirke der Grenzverschiebung zugestimmt haben, könnte bis zum Sommer 2016 der gesamte Mauerpark zu Pankow gehören, sagt Martin Pallgen von der Stadtentwicklungsbehörde.