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Berlinale-Filme aus Asien: Die Schöne und die Tiere

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Zaubertricks in „Postcards from the Zoo“.
Zaubertricks in „Postcards from the Zoo“.
 Foto: Berlinale
Berlin –  

Zarte und schwere Kost: Die beiden asiatischen Wettbewerbsfilme „Postcards from the Zoo“ und „Bai lu yuan“ könnten nicht unterschiedlicher sein.

Der indonesische Filmemacher Edwin gehörte vor sieben Jahren zu den jungen Teilnehmern des Berlinale Talent Campus. In die Schule aber ging er fraglos auch bei François Truffaut. Dessen viel zitiertes Bonmot, Film bedeute, schöne Frauen schöne Dinge tun zu lassen, ist schon das halbe Drehbuch seines zweiten Langfilms „Postcards from the Zoo“. Und Little Lana, seine Protagonistin, ist, wenn man so will, das weibliche Gegenstück zu Truffauts „Wolfsjungen“. Als Findelkind in einem Tierpark ausgesetzt und von einem Tierpfleger aufgezogen, erlebt sie im harmonischen Einklang mit der künstlich nachgestalteten Natur ihr tägliches Dschungelbuch. Und nicht einmal den Exodus in die Menschensiedlung muss sie fürchten – denn wo sind die Segnungen der Zivilisation wohl spürbarer als in einem Zoo?

Der 33-jährige Regisseur zeigt uns den Tierpark ganz unverkrampft als Paradies aus Menschenhand. Und entzieht mit seinem Filmtitel gleich vorab jeder Kritik den Boden, die da lauten könnte: Was sind all die warmfarbigen Porträts dieser mädchenhaften Frau (gespielt von Ladya Cheryl) im Kreis ihrer vierbeinigen Freunde schon anderes als hübsch aufgereihte Postkarten? Aber warum auch nicht? In seiner Pop-artigen Verliebtheit in die Schöne und die Tiere entwickelt dieser Film einen eigentümlichen Charme, dem sich nur radikale Tierschützer entziehen könnten. Denn so viele Filme es derzeit mit Tieren gibt – auch dieser wurde bereits in etliche Länder, darunter Deutschland verkauft –, auf diese Art hat man das Thema noch nie gesehen.

Ohnmächtig in der Menschenmenge: die schöne Xian (Zhang Yuqi) im Film „Bai lu yuan – White Deer Plain“.
Ohnmächtig in der Menschenmenge: die schöne Xian (Zhang Yuqi) im Film „Bai lu yuan – White Deer Plain“.
 Foto: Berlinale

Vorliebe für Dämmerungsszenen

Edwin verändert nicht viel an seinem Spielort, und doch reicht es, um ihn gründlich zu verändern. Wie selbstverständlich campieren etwa Obdachlose zwischen den Gehegen; Schlangenbeschwörer haben es sich neben ihren geliebten Reptilien gemütlich gemacht, weil sie sich nicht von ihnen trennen mögen. Und Little Lana hängt am liebsten mit ihrer Lieblingsgiraffe ab, dem heimlichen Star des Films. Eine zarte Liebesbeziehung zu einem Zauberkünstler ist darüber getupft, und doch kippt das Ganze nicht in Zirkuskitsch. „Postcards from the Zoo“ ist ein herrlich nichtsnutziger Film, nicht viel mehr als ein leckeres Dessert nach manchem Schwergewicht im Wettbewerb, aber gerade recht für ein Festival, das bekanntlich auch eine Tier-Trophäe als Preis vergibt. Wie schwer im Magen liegt dagegen „Bai Lu Yuan – White Deer Plain“, der dreistündige Wettbewerbsbeitrag aus China.

Was für ein staatstragendes Epos durfte Wang Quan’an da nach dem Historienroman von Chen Zhongshi inszenieren. Kaum etwas daran erinnert noch an die liebenswerte Frische seines Berlinale-Gewinners „Tuya’s Hochzeit“ von 2006. Beim ersten Drittel des Dreistünders glaubt man gar an einen Fall von Markenpiraterie, denn die Geschichte um die leidenschaftliche Affäre eines Erntearbeiters mit der Frau des Grundbesitzers erinnert nicht nur inhaltlich an Terrence Malicks Klassiker „In der Glut des Südens“. Sie sieht auch genauso aus. Wie der Amerikaner entwickelt Wang Quan’an eine unstillbare Vorliebe für Dämmerungsszenen, was nicht nur die imposanten Tableaus rot-goldener Felder in arge Verwechslungsgefahr bringt. Auch die erotische Leidenschaft rückt er ins gleiche expressive gemeinte Helldunkel, doch bald müssen die Liebenden schon zu deftiger Fäkalsprache übergehen, um sich von dem eleganten Südstaatenepos abzusetzen.

Kaum Raum für Sexualität

Dass dieses Epos im ausklingenden chinesischen Kaiserreich beginnt und das Leid der Bauern durch wechselnde Machtverhältnisse bis zur Mao-Revolution und der Invasion der Japaner verfolgt, macht es nicht vielschichtiger. Selbst die Parallelsetzung der öffentlichen Erniedrigungen und Prügelorgien mit den erwachenden sadomasochistischen Vorlieben der weiblichen Hauptfigur führen nirgendwo hin. Ohnehin gibt es im staatlich reglementierten chinesischen Kino kaum Raum für offensichtliche Darstellungen von Sexualität. Doch mit der sanften Inszenierungskunst von „Tuya’s Marriage“ könnte Wang Quan’an dem lange verbotenen Roman von Chen Zhongshi ohnehin nicht beikommen.

So steht und fällt sein Werk mit seiner Hauptdarstellerin Zhang Yuqi, die alle Leidenschaft und allen Schmerz allein mit ihrer Mimik evozieren muss. Das gelingt ihr durchaus bewundernswert, und vielleicht hilft es auch, dass die Maske ihrem schönen Gesicht sehr lange die Spuren des Alterns erspart. Dieser Film selbst wirkt freilich durchaus betagt in einem wenig originellen Sinne – und er setzt Zhang Yimous blutgetränkten Agrarlandschaften des wegweisenden Berlinale-Gewinners von 1988, „Rotes Kornfeld“, nicht wirklich eine eigene Bildsprache entgegen.

Postcards from the Zoo
16. 2.: 9.30 Uhr sowie 20.30 Uhr, Friedrichstadt-Palast; 19. 2.: 22.15 Uhr, Haus der Berliner Festspiele.

Bai lu yuan – White Deer Plain
16. 2.: 10 Uhr, Haus der Berliner Festspiele, 14.15 Uhr, Friedrichstadt-Palast; 19. 2.: 18 Uhr, Friedrichstadt-Palast.

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Karten kosten 10 bzw. 13 Euro und können jeweils drei Tage im Voraus erworben werden, für Wettbewerbswiederholungen vier Tage im Voraus.

Am Tag der Vorstellung sind Tickets nur an den Tageskassen der Kinos und online (1,50 Euro Aufpreis, Abholung in den Potsdamer Platz Arkaden) unter www.berlinale.de erhältlich.

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Grundsätzlich können pro Veranstaltung 2 Tickets gebucht werden. Ausnahmen sind die Veranstaltungen der Sektion Generation, für die je 4 Tickets bestellt werden können, und die Veranstaltungen des Kulinarischen Kinos, für die es keine Begrenzung gibt. Zur Programmplanung empfehlen wir die Berlinale-App.

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