blz_logo12,9

Berliner Delikatessenläden: "Mani di fata": Italienisches Lebensgefühl in Weckgläsern

Ich habe immer gekocht. Seit ich klein war. Meine Mutter musste arbeiten und ich habe das Essen gemacht", sagt Mariella Gatta mit Stolz. Diese Prägung erhielt sie an der Ostküste Italiens, in der Nähe des Touristenorts Gargano. An die Spree verschlug es Mariella vor elf Jahren, weil sie ihr Herz an einen Berliner verloren hatte. Über die Liebe jedoch vergaß sie ihre Neigung nicht und begann erst einmal, italienische Kochkurse zu geben. Mit der Eröffnung ihres kleinen Ladens "Mani di fata" (zu Deutsch: "Hände, die Wunder bewirken") erfüllte sich schließlich ein Lebenswunsch: Produzentin von frischer Pasta zu sein, Botschafterin des Südens und Gastgeberin dazu. Drei Tische zwischen Vitrine und Schaufenster warten Tag für Tag auf Italienhungrige. Allein für ihre perfekte Lasagne und das Focaccia-Brot, in dessen Bauch Mozzarella und Tomaten reichlich Platz finden, hätte sie längst einen Orden für deutsch-italienische Zusammenarbeit verdient.Salsiccia nach OriginalrezeptSeit einem Jahr fertigt sie jeden Tag frische Spaghetti oder Farfalle (die sie auch getrocknet in Tüten packt) aus Hartweizengrieß, Tortellini mit Ricotta, Cannelloni mit Hackfleisch und Käse sowie überaus köstliche Ravioli, die sie zum Beispiel mit selbst gekochtem Kürbismus samt Amarettobröseln füllt oder mit Salsiccia. Letztere ist die mediterrane, mit Fenchel und Knoblauch aromatisierte Version der Bratwurst, die in Sachen Herzhaftigkeit den meisten Konkurrenten unserer Breiten überlegen ist. Mariella lässt sie eigens von einem Metzger nach traditioneller Rezeptur herstellen und verkauft sie auch über die Theke.In ihrer eigenen Küche gibt sie einen Haufen grob zerkleinerte Zwiebeln mit einem tüchtigen Schuss Olivenöl in die Pfanne, um beide Zutaten bei kleiner Hitze miteinander zu verschmelzen. Sobald das geschehen ist, kommen die Würste dazu. Außerdem streut sie ein paar Blättchen Salbei hinzu sowie einen Zweig Thymian und löscht wenig später mit einem Glas Weißwein ab, um dann alles für zwanzig Minuten ruhig simmern zu lassen. Mit Kartoffelpüree ergibt das eine rustikale Delikatesse. Wem es gelingt, einen näheren Kontakt zu dieser besonderen Köchin aufzubauen, der wird gewiss noch so manches Rezept aus ihrer Hand mit nach Hause nehmen dürfen.Köstliche CrostataDass die agile Apulierin auch eine gute Bäckerin ist, versteht sich nicht von selbst. Denn grammgenaues Arbeiten unterscheidet sich doch deutlich vom peu à peu des Abschmeckens, wie es bei salzigen Speisen zum Zuge kommt. Umso überzeugter von ihrem Talent darf der Kunde sein, wenn er von der Crostata kostet. Es handelt sich dabei um eine Art Linzer Torte mit Mürbteigboden und typischem Gittermuster, unter dem Kirsch- oder Aprikosenmarmelade mit karamellisierten Walnüssen ausgestrichen ist. Oder eine dicke Schicht Ricottacrème.Ob es ihr Pesto ist oder Origano oder aber winzige Kapern aus Gargano, mit denen sie Weckgläschen befüllt: Mariella wandelt ihr Heimweh in Dinge um, die Freude machen. Antonia SchulemannMani di fata, Charlottenburg, Leonhardt-straße 4, Tel. 32 66 33 06. Geöffnet: Mo-Fr9-19 Uhr, Sa 10-15 Uhr. www.mani-di-fata.de------------------------------Foto: Mariella Gatta macht nicht nur Pasta selbst.