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Friedrichswerdersche Kirche in Mitte: Streit um Schinkels Bauweise

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Ein großer Baumeister – Karl Friedrich Schinkel, auf dem Schinkelplatz gleich neben der Friedrichswerderschen Kirche steht sein Denkmal. Doch hat er beim Bau der Kirche Fehler gemacht?
Ein großer Baumeister – Karl Friedrich Schinkel, auf dem Schinkelplatz gleich neben der Friedrichswerderschen Kirche steht sein Denkmal. Doch hat er beim Bau der Kirche Fehler gemacht?
Foto: Paulus Ponizak

An der Friedrichswerderschen Kirche in Mitte haben sich Risse gebildet. Nun wirft ein Statiker dem Baumeister Karl Friedrich Schinkel Fehler bei der Konstruktion vor.

Risse in der Friedrichswerderschen Kirche, Schinkels Bauwerk akut gefährdet, Ausstellung geschlossen: So lauteten im Oktober die Nachrichten, nachdem Putz von der Decke der denkmalgeschützten Kirche gefallen war. Als Ursache wurden schnell Bodenbewegungen vermutet.

Möglicherweise ausgelöst von benachbarten Bauprojekten, etwa dem Schlossneubau, der Sanierung der Staatsoper oder dem Neubau der Kronprinzengärten, die seit diesem Sommer direkt neben der Kirche errichtet werden. Mit diesen Bauprojekten haben die Schäden in der Kirche möglicherweise aber gar nichts zu tun. Das jedenfalls vermutet Manfred Hügelland, der Tragwerksplaner ist und ein Bauingenieurbüro betreibt.


Konstruktionsbedingt

Hügelland kennt die Baugeschichte der Friedrichswerderschen Kirche wie kaum ein anderer. Er hat in der DDR beim VEB Denkmalpflege gearbeitet und war während der Sanierung der Kirche von 1982 bis 1987 und auch danach der verantwortliche Statiker. „Schon damals habe ich auf konstruktionsbedingte Gewölberisse hingewiesen und einen Sanierungsvorschlag unterbreitet, der aber unter anderem aus Kostengründen leider nicht umgesetzt wurde“, sagt er der Berliner Zeitung.

Hügelland rechnete damals die Konstruktion der Gewölbe nach und kam zu dem Ergebnis, dass sie mit einer „übertriebenen Geometrie zu steil gebaut wurden“, so dass sich in den Gewölbedecken Risse gebildet haben. Für diesen Mangel findet Hügelland eine simple Erklärung: „Entweder hatte Schinkel keinen ordentlichen Statiker, oder er hat nicht auf ihn gehört.“

Auf weitere Besonderheiten der Kirche weist der Tragwerksplaner hin. Sie stehe in Nord-Süd-Richtung und nicht wie üblich in Ost-West-Richtung. Zudem stehen die großen Strebepfeiler innen und nicht außen an der Fassade wie etwa an der Nikolai- und der Marienkirche.

Das führe dazu, dass sich bei Sonneneinstrahlung und Temperaturwechsel die Westfassade einseitig um 1,5 Zentimeter verformt, die Ostfassade aber nur um 0,5 Zentimeter. Die Risse sind laut Hügelland während der Kirchensanierung zur 750-Jahr-Feier Berlins mit Putzmörtel statt mit elastischen Materialien ausgefüllt worden. Dieser Putz scheine jetzt herunterzufallen.

Der Friedrichswerderschen Kirche droht Einsturzgefahr durch eine Baustelle.
Der Friedrichswerderschen Kirche droht Einsturzgefahr durch eine Baustelle.
Foto: Markus Wächter

Dass sich auch im Boden Risse gebildet haben,könnte mit dem damals eingebauten Betonfußboden und der Bodenheizung zusammenhängen, vermutet der 60-Jährige. Es sei möglich, dass durch Baugeschehen in der Umgebung jetzt Setzungen entstünden. Hügelland kommt daher zu der Einschätzung: „Die Risse in der Kirche sind alte Schinkel-Risse.“

Ein Netz zum Schutz

Ob das tatsächlich so ist, müssen jetzt die Fachleute klären, die die Bauschäden an der Friedrichswerderschen Kirche analysieren. Die Untersuchungen müssen jetzt umfangreicher ausfallen, ein entsprechendes Gutachten wird erst später fertig. Wie der Investmentchef des Unternehmens Bauwert, Henning Hausmann, sagt, werde es in etwa drei Wochen vorliegen. Erst dann könne man auch etwas zu den Ursachen für die Schäden an der Kirche sagen. „Wir wollen alles fundiert untersuchen.“ Das sei schon wegen der Bedeutung der Friedrichswerderschen Kirche erforderlich.

Risse im Boden der Kirche.
Risse im Boden der Kirche.
Foto: Markus Wächter

Die Bauwert errichtet wenige Meter neben der Kirche die Kronprinzengärten, ein Luxusprojekt mit Stadthäusern, 30 Wohnungen sowie einem Atelier- und Galeriehaus. Die Baugrube für das 85 Millionen Euro teure Projekt ist ausgehoben. Im September dann hatten die Staatlichen Museen zu Berlin, die die Schinkel-Kirche als Ausstellungsort nutzen, festgestellt, dass von der Decke Putz herunterfällt. Auch gebe es Brüche in den Bodenplatten und Risse im Mauerwerk, sagte Generaldirektor Michael Eissenhauer.

Die Museen schlossen daraufhin die Kirche für Besucher. Ein engmaschiges Netz wurde über den Emporen gespannt, um die wertvollen Skulpturen in der Ausstellung zu schützen. Im Oktober verhängte der Bezirk Mitte zudem einen Baustopp, der für einen 20 Meter breiten Bereich an der Kirche gilt. Denn die an den Kirchenwänden angebrachten elektronischen Sensoren hatten Veränderungen registriert.

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