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Billige Pflegekräfte aus Südeuropa: Arbeitnehmer zweiter Klasse

Auch Altenheime setzen auf die Anwerbung von Fachkräften aus Krisenländern zum Schnäppchenpreis.

Auch Altenheime setzen auf die Anwerbung von Fachkräften aus Krisenländern zum Schnäppchenpreis.

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imago stock&people

Berlin -

Morgens um kurz nach fünf verlässt Marta* ihre Wohnung in Berlin-Friedrichshain. Die junge Spanierin muss sich beeilen, um ihren Zug zu erwischen. Sie arbeitet als Krankenpflegerin bei der Gesellschaft für medizinische Intensivpflege (GIP), einem Unternehmen aus Berlin-Hohenschönhausen, das bundesweit schwerst kranke Patienten betreut. Menschen, die künstlich beatmet und rund um die Uhr überwacht werden müssen. Noch vor wenigen Jahren wurden solche Fälle auf Intensivstationen in Krankenhäusern versorgt. Dank des Fortschritts der Medizintechnik können sie heute ambulant gepflegt werden.

Ein verantwortungsvoller Job, der Einsatzbereitschaft und besondere Qualifikationen erfordert. Doch es ist nicht einfach, geeignetes Personal zu finden, auch weil in Deutschland über Jahre zu wenig ausgebildet wurde. Marta ist hoch qualifiziert, sie hat ein vierjähriges Hochschulstudium hinter sich, wie es bei examinierten Pflegekräften in Spanien Standard ist. Aber weil in den vergangenen Jahren im Gesundheitswesen ihres Heimatlandes massiv gekürzt wurde, hatte sie dort keine Chance, eine Stelle zu finden. Das Angebot aus Deutschland erschien ihr wie ein Rettungsanker.

Der 15. Mai hat sie gestärkt

Für deutsche Kliniken und Medizindienstleister ist die Eurokrise ein Glücksfall. Sie bietet die Möglichkeit, ihren Fachkräftebedarf zu decken: 300.000 Pflegerinnen und Pfleger aus Süd- und Osteuropa arbeiten mittlerweile in der Bundesrepublik. Doch obwohl sie oft besser qualifiziert sind als ihre deutschen Kolleginnen und Kollegen, werden sie deutlich schlechter bezahlt.

Marta, die 23-Jährige aus Madrid, ist eine von ihnen. 9,50 Euro die Stunde verdient sie bei der GIP, weit unter den 13 bis 15 Euro, die tarifgebundene Unternehmen zahlen, weit auch unter den Gehältern der kirchlichen und meisten privaten Träger. Mit ihrer Qualifikation könnte Marta in Berlin oder im Umland sofort etwas Besseres finden. Das Problem: Sie kommt nicht so einfach aus ihrem Vertrag. Kündigt sie vor Ablauf von 18 Monaten, kann ihr Arbeitgeber mehrere Tausend Euro Schadensersatz von ihr einfordern.

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