Neuer Inhalt

BKA-Ermittlungsgruppe: NSU-Geld aus unbekannten Quellen

Generalbundesanwalt Harald Range berichtete dem Innenausschuss.

Generalbundesanwalt Harald Range berichtete dem Innenausschuss.

Foto:

dpa/Peter Steffen

Auch wenn nun schon seit einem knappen Jahr der NSU-Prozess in München läuft, die Ermittlungen gegen die rechte Terrorgruppe und ihr mögliches Umfeld sind noch nicht abgeschlossen. Im Auftrag der Bundesanwaltschaft geht die Ermittlungsgruppe (EG) „Trio“ des Bundeskriminalamtes (BKA) Spuren und Hinweisen auf weitere Terroristen und Helfer nach. Die EG „Trio“ ist aus der gleichnamigen Besonderen Aufbauorganisation (BAO) des BKA hervorgegangen, die nach der Selbstenttarnung des NSU im November 2011 gebildet worden war.

Von den ursprünglich mehr als 400 Ermittlern sind jetzt gerade noch 35 Beamte übriggeblieben, die die noch laufenden Ermittlungsverfahren im NSU-Komplex durchführen. Über den Stand der Ermittlungen haben kürzlich der Leiter der EG „Trio“ sowie Generalbundesanwalt Harald Range dem Innenausschuss des Bundestages berichtet.

Demnach richten sich diese Ermittlungsverfahren gegen noch neun Beschuldigte aus dem Umfeld von Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe. Weil diese Personen den untergetauchten Neonazis mit der Bereitstellung von Autos oder Ausweispapieren geholfen haben, stehen sie im Verdacht der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung.

Darüber hinaus führt die EG „Trio“ noch weitere Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt. Dabei geht es insbesondere um die Beschaffung der Waffen, die von Mundlos und Böhnhardt bei ihren Morden und Banküberfällen benutzt wurden, sowie um die Herkunft des Sprengstoffs und der Bomben, die die beiden in Köln gezündet haben sollen. Bislang konnten die Ermittler lediglich den Beschaffungsweg der Ceska-Pistole weitgehend nachvollziehen, mit der neun der zehn NSU-Morde begangen wurden. Die Ermittlungen gegen Unbekannt gehen auch der Frage nach, ob es noch weitere rechtsterroristische Zellen gab und gibt, die vielleicht mit dem Trio kooperierten. Hierfür konnten die Fahnder aber nach eigener Aussage bislang keine Belege finden.

Die Ermittler sind zudem der Frage nachgegangen, wie viel Geld dem Trio in den jeweiligen Zeitabschnitten zwischen den bislang bekannten Banküberfällen zur Verfügung gestanden hat. Dies förderte offenbar Hinweise darauf zutage, dass sich die im Untergrund lebenden Neonazis nicht nur aus den Überfällen finanzierten, sondern dass ihnen auch noch Geld aus weiteren, bislang unbekannten Quellen oder Straftaten zugeflossen sein muss.

Auch im Fall des Heilbronner Polizistenmordes sind noch nicht alle Fragen geklärt. Am 25. April 2007 waren die aus Thüringen stammende Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen und ihr Kollege lebensgefährlich verletzt worden. Die Bundesanwaltschaft schreibt die Tat Mundlos und Böhnhardt zu, in deren Hinterlassenschaft die Tatwaffen und Ausrüstungsgegenstände der Opfer gefunden wurden. Im Innenausschuss räumte der Ermittlungsleiter nun ein, dass die Motivlage für diese Tat nach wie vor eine der noch offenen zentralen Fragen sei. Auch die Frage nach möglichen Mittätern oder Mitwissern sei noch nicht abschließend geklärt.

Mysteriöser Todesfall

In einem anderen mysteriösen Todesfall, der möglicherweise einen Bezug zum NSU hat, kommt die EG „Trio“ hingegen nicht zum Zug, wie ihr Chef vor dem Innenausschuss bestätigte. Es geht um den Tod des aus der Nähe von Heilbronn stammenden Florian H., der am 16. September vergangenen Jahres in Stuttgart in seinem Auto verbrannte. H., eine aussteigewilliger Neonazi, sollte an diesem Tag vom Staatsschutz über mögliche Verbindungen baden-württembergischer Neonazis zum NSU befragt werden. Bundesanwaltschaft und EG „Trio“ hätten in diesem Fall gern eigene Ermittlungen angestellt, um zu prüfen, ob H. vielleicht einem Racheakt aus der Szene zum Opfer gefallen sein könnte. Das Landeskriminalamt hat den Feuertod des 21-Jährigen aber als Selbstmord eingestuft. Damit ist die Akte geschlossen.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?