13.02.2012

Neues Wundermittel gegen Brände: Kugeln Marsch!

Von Katrin Bischoff
Die Pyrobubbles schützen die Kabel vor den 750 Grad heißen Flammen.
Die Pyrobubbles schützen die Kabel vor den 750 Grad heißen Flammen.
Foto: Gerd Engelsmann
Königs Wusterhausen –  

Pyrobubbles aus Königs Wusterhausen könnten zum Wundermittel gegen Brände werden.

Vorsichtig gießt Mathias Treisch mit einer langstieligen Kelle brennendes Benzin auf eine Kabelpritsche. Die Flammen schlagen hoch. Es scheint, als würde das Feuer die fünf Kabel, die in der Trasse unter kleinen weißen Kügelchen liegen, zerstören. Treisch gießt nach. Der Treibstoff verbrennt bei etwa 750 Grad. Nach einigen Minuten erlöschen die Flammen von selbst.

Treisch ist Projektmanager für präventiven Brandschutz bei der Genius Entwicklungsgesellschaft in Königs Wusterhausen. Er wühlt sich mit den behandschuhten Händen durch die Schicht der kleinen Perlen. Dann zieht er die fünf Kabel hervor. „Die Kabel sind trotz des Feuers völlig in Ordnung“, resümiert er zufrieden. Und: Die Kabel sind nach dem Brand kalt.

Pyrobubbles - Wundermittel gegen Brände

Bildergalerie ( 11 Bilder )

Ursache für das Phänomen ist das Bett aus weißen Kugeln, in dem die Kabel liegen. Die bis zu fünf Millimeter großen Perlen sehen aus wie Styroporkugeln, die zum Verpacken verwendet werden. Pyrobubbles heißen sie, und sie sind eine Weltneuheit bei der Brandbekämpfung. Sie halten Kälte und Wärme ab, und sie schmelzen erst bei Temperaturen von 1100 Grad. Selbst brennendes Magnesium kann mit den Kugeln gelöscht werden. Dann allerdings schmelzen die Granulate, bilden eine Art Kokon um das brennende Metall, der die Sauerstoffzufuhr kappt. Bisher musste bei solchen Bränden tonnenweise Sand herangeholt werden, um die Flammen zu ersticken.

"Universell einsetzbar"

Die schaumartigen Pyrobubbles dagegen sind 16 Mal leichter als Sand und sechsmal leichter als Wasser. „Das heißt, dass die Pyrobubbles auch auf Wasser schwimmen“, sagt Genius-Chef Klaus Michael Pasewald, der die Kugeln mitentwickelt hat und sie patentieren ließ. So können mit dem Granulat selbst brennende Tanks gelöscht werden.

16 Mal leichter als Sand
Pyrobubbles

Die 0,5 bis fünf Millimeter großen Wunderkugeln werden aus einer Spezialmischung hergestellt. Hauptbestandteil des geheimen Rezepts ist Quarzsand.

Die seltsamen Kügelchen haben noch weitere Vorteile: Sie verursachen bei der Brandbekämpfung keine Wasserschäden, der Boden wird nicht durch Löschwasser kontaminiert und die Perlen sind nach dem Löschen größtenteils wiederverwendbar. „Man muss sie einfach nur mit einem Industriestaubsaugern aufsaugen. Dann können sie erneut zum Einsatz kommen“, sagt Pasewald. Sechs Jahre hat die Entwicklung der Wunderperlen bis zur Marktreife gedauert.

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