24.01.2012

Prozess gegen Berliner Hotelchef: Ein Konto in der Schweiz

Von Andreas Förster
        

Gut gelaunt: Axel Hilpert (63) mit seinen Verteidigern im Gerichtssaal.
Gut gelaunt: Axel Hilpert (63) mit seinen Verteidigern im Gerichtssaal.
Foto: dpa
Berlin –  

Vor dem Potsdamer Landgericht soll am Mittwoch der Prozess gegen den Hotelbetreiber vom Resort Schwielowsee fortgesetzt werden. Noch sitzt Hotelchef Axel Hilpert in Untersuchungshaft – wegen Fluchtgefahr.

Axel Hilpert wird Fördermittelbetrug, Untreue und Steuerhinterziehung zur Last gelegt. Am ersten Verhandlungstag am 9. Januar verhinderte noch eine Besetzungsrüge seiner Verteidiger den Start des Prozesses. Ob es nun am Mittwoch mit der Verlesung der Anklageschrift losgehen wird, bleibt abzuwarten. Wahrscheinlich wird es erst einmal weitere Anträge von Hilperts Anwälten geben, etwa zur Aussetzung des Haftbefehls gegen den 64-Jährigen. Ein solcher Antrag dürfte aber kaum Chancen auf Erfolg haben.

Hilpert war am 9. Juni 2010 auf offener Straße verhaftet worden. Seitdem sitzt er in U-Haft, weil Flucht- und Verdunkelungsgefahr besteht. Was seine Fluchtmöglichkeiten anbelangt, wird dabei oft Kuba genannt, wo der frühere Stasi-Oberst angeblich mit einflussreichen Leuten verkehrt. Tatsächlich aber besitzt Hilpert auf der Karibik-Insel längst keine Bezugspersonen von Rang mehr.

Keine Freunde mehr in Kuba

Richtig ist, dass der frühere Antiquitätenhändler des DDR-Außenhandelsbereichs Kommerzielle Koordinierung (KoKo) und Stasi-Spitzel mehrere, wenn auch erfolglose Anläufe genommen hatte, sich geschäftlich in Kuba zu etablieren. Mal waren es Hotelprojekte, die er mit einer West-Berliner Immobilienfirma aufziehen wollte, dann war er für Baufirmen aus Griesheim und Tuttlingen im Castro-Reich unterwegs, schließlich taucht sein Name Ende der 90er-Jahre auch im Umfeld eines dubiosen Unternehmers auf, der Kuba mit einem Millionenkredit übers Ohr hauen wollte. Ein früherer Mitarbeiter Hilperts erinnert sich an eine Kuba-Reise von 1998, die er im Auftrag seines Chefs unternahm. Dabei traf er mit einer aus West-Berlin stammenden Unternehmerin zusammen, deren Firma diverse Geschäfte für die Castro-Regierung vermittelte. In dem schriftlichen Memo über das Gespräch wird die Frau mit dem Satz zitiert: „Wenn Geschäfte irgendwas mit Axel Hilpert zu tun haben, dreht sich in Kuba kein Rad.“

Millionen-Anklage
Axel Hilpert

Axel Hilpert ist Miteigentümer und Betreiber des „Resorts Schwielowsee“, eines luxuriösen Hotel- und Tagungskomplexes bei Potsdam.

Sein Glück hatte Hilpert in den 90er-Jahren auch in Florida gesucht, wo er eine Immobilienfirma betrieb. Deren Erfolg aber blieb ebenfalls überschaubar. Die Ermittler glauben daher, dass Kuba und Florida keine ernsthaften Fluchtziele für Hilpert sein könnten. Gleichwohl müssen sie damit rechnen, dass er sich in andere Regionen absetzen könnte. Geld dafür könnte der Hotelier im Ausland geparkt haben. Schon in der Vergangenheit war bekannt geworden, dass er etwa in der Schweiz über mindestens ein Bankkonto verfügte.

Flucht nach Bali?

Aber wohin könnte Hilpert fliehen? Nach Bali vielleicht? Dort lebt von Zeit zu Zeit sein alter Freund aus Stasi- und KoKo-Zeiten, Karl-Heinz Bringer. Die beiden kennen sich aus den späten 80er-Jahren, als Bringer Chef des Ost-Berliner Palasthotels war. Die noble Devisenherberge war oft Schauplatz von „Herrenabenden“, bei denen Geschäftspartner der KoKo mit Spirituosen und Hostessen versorgt wurden. Hilpert hatte ab 1988 als Angestellter der KoKo-Firma Delta diese Abende mit Bringer zu organisieren.

Die alte Freundschaft der beiden hat aber einen kleinen Riss bekommen. Laut Anklage soll Hilpert ein paar Zehntausend Euro aus der Kasse seiner Fontane GmbH abgezweigt haben, die das Resort Schwielowsee betreibt. Um das zu vertuschen, so die Ankläger, habe er fingierte Rechnungen auf Bringers Firma ausgestellt, die mehrere Hotels betreibt. Bringer will davon nichts gewusst haben. Den Ermittlern teilte er zudem mit, ein Anwalt Hilperts habe ihn im letzten Sommer in dieser Angelegenheit in Bali aufgesucht. Die Staatsanwaltschaft wertete dies als Versuch der Verdunkelung und hatte damit ein Argument mehr für ihren Haftbefehl.

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