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China bietet sich im Korea-Konflikt als Vermittler an und holt sich eine Absage: Verhandeln, ob verhandelt wird

PEKING. Es war ein seltsames Stück Diplomatietheater, das sich gestern in Pekings Außenministerium abspielte. Per SMS hatten die Beamten kurzfristig die Weltpresse einbestellt, um eine wichtige Ankündigung zu machen. Peking will im Nordkoreakonflikt vermitteln, erklärte Vizeaußenminister Wu Dawei. "Nach eingehenden Überlegungen schlägt die chinesische Seite Notfallverhandlungen zwischen den Nuklearunterhändlern Anfang Dezember in Peking vor." Die Gespräche sollen im Rahmen der Sechs-Parteien-Runde aus Nord- und Südkorea, China, den USA, Japan und Russland stattfinden, die sich zuletzt im Dezember 2008 getroffen hatte. Allerdings sei das vorgeschlagene Treffen "keine Fortsetzung dieser Gespräche, aber sie werden hoffentlich die Voraussetzung für eine Fortsetzung schaffen", sagte Wu. Im Klartext: Es soll darüber verhandelt werden, ob künftig wieder verhandelt wird.Militärmanöver mit den USADoch schon als die Einladungen für die "wichtige Ankündigung" verschickt wurden, hatten die Chinesen eine entscheidende Absage kassiert. Südkoreas Präsident Lee Myung Bak hatte Chinas Staatsrat Dai Bingguo gestern Morgen bei einem Treffen in Seoul erklärt, dass für seine Regierung noch "nicht die richtige Zeit für Diskussionen" gekommen sei. Zunächst müsse Nordkoreas "Kriegslust" eingedämmt werden, zitierte ihn das Blaue Haus, Südkoreas Präsidialamt.Als Reaktion auf den nordkoreanischen Granatenangriff auf die südkoreanische Insel Yeonpyeong, bei dem am vergangenen Dienstag vier Menschen getötet worden waren, haben südkoreanische und US-amerikanische Truppen gestern mit einem viertägigen Seemanöver im Gelben Meer begonnen, an dem 6000 Soldaten und der Flugzeugträger "USS George Washington" teilnehmen - zum Ärger Nordkoreas, aber auch Chinas. Aus seinem Ärger über Pekings Haltung in dem Konflikt machte Lee keinen Hehl. "Wirhoffen, dass China einen Beitrag zum Frieden auf der Koreanischen Halbinsel leistet, indem es eine gerechtere und verantwortlichere Position zu den Beziehung zwischen Süd- und Nordkorea einnimmt", wurde er zitiert. Peking ist Pjöngjangs engster politischer Verbündeter und unterstützt das Regime von Diktator Kim Jong Il wirtschaftlich und politisch.Damit hält Seoul - im Tandem mit Washington - an seiner Position fest, den Nordkoreanern nicht noch einmal Gelegenheit geben zu wollen, für den Abbruch seines Atomprogramms hohe Gegenleistungen zu fordern. Außerdem misstrauenSüdkoreaner und Amerikaner der Aufrichtigkeit der chinesischen Offensive, zumal Peking erst vergangene Woche eine Südkoreareise von Außenminister Yang Jiechi abgesagt hatte, vermutlich aus Verstimmung über das Seemanöver in Chinas unmittelbarer Nachbarschaft.Die Chinesen hoffen dennoch, mit ihrer Initiative aus der diplomatischen Schusslinie zu kommen. Morgen wird der Sekretär des Zentralkomitees der nordkoreanischen Arbeiterpartei und Parlamentsvorsitzende Choe Thae Bok einen fünftägigen Chinabesuch beginnen, bei dem die Spannungen auf der Halbinsel das Hauptthema sein dürften.Nordkoreas offizielle Nachrichtenagentur KCNA wiederholte derweil ihre Drohungen gegen Südkorea und die USA. "Die tollköpfige Aggression der Kriegsspiele, die sie im Meer und in der Luft nahe der Verlängerung der militärischen Demarkationslinie in Koreas Westmeer abhalten, versetzen die koreanische Halbinseln in einen Zustand des Ultra-Notfalls", hieß es in einem Bericht. Es könne jeden Moment ein militärischer Konflikt ausbrechen. "Das ist nichts anderes als der Versuch, einen Vorwand für Aggression zu finden und um jeden Preis einen Krieg zu entfachen."------------------------------Foto: Südkoreas Armee sichert Landestellen für das Manöver mit den US-Truppen.


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