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China: Smartphone-Gehweg für Dauersurfer

Weg nur für Smartphone-Zombies: Das löst bei eben denen Staunen aus.

Weg nur für Smartphone-Zombies: Das löst bei eben denen Staunen aus.

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REUTERS/China Daily

Und wieder ein Zusammenstoß. Hinten auf die Füße getreten. Vorne die Schulter angerempelt. Der Mensch vor einem hat nur Augen für sein Mobiltelefon. Das passiert auf der Straße, in der U-Bahn beim Ein- und Aussteigen, im Café beim Bezahlen. Der Mensch mit dem Mobile schleicht im Schneckentempo umher, bleibt ganz plötzlich stehen. Manchmal schreit er laut auf, weil die Figur in seinem Online-Spiel nicht das macht, was er von ihr verlangt. Zwischendurch schafft er es, drei Kurznachrichten auf einmal zu beantworten. Was vor, neben und hinter diesem Smartphone-Zombie passiert, ist nebensächlich – bis es zur Kollision kommt.

Dieser Gefahr rücken findige Beamte im Land nun zu Leibe. In der Großregion Chongqing im Südwesten Chinas leben an die 30 Millionen Menschen und müssten wohl an die 60 Millionen Handys vorhanden sein. Dort gibt es ab sofort den ersten Smartphone-Gehweg der Welt. Dessen rühmt sich zumindest die Verwaltungsspitze. Im Zentrum von Chongqing hat die Marketingfirma Meixin einen Weg in zwei Bereiche unterteilt: die eine Hälfte für „normale“ Fußgänger, die andere für die Smartphone-Nutzer, zum Gebrauch auf eigene Gefahr. Die Strecke ist gerade einmal 50 Meter lang, doch sie soll mahnen. „Wir wollen die Leute daran erinnern, dass es gefährlich sein kann, nur auf sein Telefon zu starren“, sagt Meixin-Vertreter Nong Cheng.

Die Idee ist nicht ganz neu

Die Idee ist nicht neu. Im Juli starteten Reporter des US-Magazins National Geographic ein Experiment. Sie teilten einen Weg in Washington ebenfalls in zwei Bereiche auf, einen für Handy-Nutzer und einen für Fußgänger. Einige Tage wurde das Verhalten der Menschen beobachtet: Wer läuft über welchen Bereich, wer prallt ineinander.

Die Chinesen von Meixin fanden das offenbar lustig – und starteten ihr „ironisches Projekt“, wie die Macher es nennen. Zur Erziehung, sagt Nong Cheng. Vor allem aber sollen die Menschen sich fragen, wie sehr sie sich von einem Elektronikspielzeug leiten lassen. Eine große Verhaltensänderung erwartet selbst Nong nicht. „Wer den Handy-Weg nutzet wird es nicht einmal bemerken, da er nur auf das Gerät schaut.“

China ist das Land mit den am meisten verkauften Smartphones weltweit. Das ändert den Alltag, stellten die Stadtherren Hongkongs jüngst fest. Seitdem säuselt eine weibliche Stimme in der U-Bahn: „Richten Sie Ihre Augen nicht nur auf Ihr Smartphone.“