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Das Areal in Moabit wurde neu bebaut: Von der Brotfabrik zum Hotel

Die Sprüche "Der Orje sprach zum Kulle, haste nich 'ne Paechbrot-Stulle?" oder "Paechbrot gibt es täglich frisch, aus dem Ofen auf den Tisch" sind in Berlin legendär. Mit der Werbung auf U-Bahnen und Bussen machte der Brotfabrikant Eberhard Paech (1910-2000) seine Produkte berühmt. Hergestellt wurde das Brot in Moabit an der Stephanstraße Ecke Birkenstraße - bis 1995. Die alte Fabrik verfiel immer mehr und wurde schließlich abgerissen, 15 Jahre später nun ist das Grundstück neu bebaut. Im November eröffnen dort im sogenannten "Moa-Bogen" unter anderem ein großer Supermarkt sowie ein Vier-Sterne-Hotel."Wir glauben an Moabit und an die Turmstraße", sagt Alexander Wendeln, der Geschäftsführer des neuen Hotels, das als Best Western eröffnen wird. Die Großbäckerei Wendeln hatte 1986 die Moabiter Paechbrot-Fabrik aufgekauft und das Grundstück entwickelt. Obwohl das Viertel wegen der hohen Arbeitslosigkeit und der vielen Hartz-IV-Familien als sozial schwierig gilt, sieht Wendeln den Standort eher positiv und beschreibt den Kiez als "lebendig und dynamisch". Zudem liege das Areal in der Nähe zum Hauptbahnhof, zu Bayer-Schering, aber auch zum BND-Neubau.Eröffnung im NovemberInsgesamt 196 Zimmer und Suiten wird das neue Hotel haben. Zielgruppen sind vor allem Familien und Geschäftsreisende. Für Familien etwa werde es Appartements geben, "in denen man für deutlich unter 100 Euro übernachten kann", sagt Wendeln. Derzeit allerdings mag man kaum glauben, dass der Eröffnungstermin am 11. November geschafft wird. Man braucht viel Fantasie, sich zwischen den kahlen Betonwänden schicke Zimmer oder ein Frühstücksrestaurant vorzustellen. Hotelchefin Kirsten Kurbjuhn ist trotzdem optimistisch: "Wir schaffen das." Aber auch im zehn Meter hohen Atrium, das Kurbjuhn als "Herzstück des Hotels" bezeichnet, wird noch gebaut. Wasserflächen soll es dort einmal geben, auch großzügige Grünflächen und Lichtinstallationen.Entworfen wurde das neue Gebäude von Stararchitekt Sergei Tchoban, der ein für Moabit untypisches, geschwungenes Gebäude mit großen Glasflächen und leuchtenden Farben etwa Gelb und Blau gestaltet hat. Der Supermarkt von Edeka, mit 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche zählt er zu den größten in Berlin, soll am 4. November eröffnen. Außerdem sollen weitere Geschäfte und Restaurants, darunter ein italienisches und ein persisches, einziehen. Geplant ist auch ein Fitnesszentrum für Frauen.Wie Geschäftsführer Wendeln sagt, werde man an die Paechbrot-Zeit vielleicht im künftigen Konferenzzentrum des Hotels erinnern. Die alten Sprüche aber will man nicht einfach übernehmen, sondern hat sich selbst ans Dichten gemacht. Herausgekommen ist etwa: "Wo eben noch das Bauloch war, gibt's Vielfalt jetzt, wie wunderbar." Geschäftsführer Alexander Wendeln sagt da lieber: "Wir denken: Hier hat einfach eine neue Epoche begonnen."------------------------------Foto: Das Paechbrot-Areal liegt in Moabit. Bis 1995 wurde dort Brot gebacken.