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Das Landgericht Mainz bestätigt Haftstrafe gegen Kirchenstörer Roy und seinen Komplizen: Zur Buße ins Gefängnis

Kirchenstörer Andreas Roy streicht sein weißes T-Shirt glatt. Darauf ist zu lesen: "Tut Buße!" Das ist auch das Motto von Christian Arnold. Die beiden Berliner müssen nun wegen Störung der Religions-ausübung fünf Monate lang ins Gefängnis - und zwar ohne Bewährung. Das entschied am Freitag das Landgericht Mainz und bestätigte damit ein Urteil des Mainzer Amtsgerichts vom 5. Juli 2004. Roy und Arnold waren nach eigenen Angaben am 4. Juli von Berlin nach Mainz gereist, um in der Jubiläumsmesse "25 Jahre Fernsehgottesdienst" im Dom allen klar zu machen, wie die Bibel richtig zu verstehen sei. Das sah dann so aus: Der 45-jährige Roy sprang mit einem Megafon nach vorn, zitierte Bibelverse und rief zur Buße auf. Der 29-jährige Arnold riss derweil das Altartuch herunter, so dass Kelche, Hostien, Kerzen und Altarschmuck zu Boden fielen. Gottesdienstbesucher überwältigten die beiden Männer. Die Strafe folgte auf dem Fuße: In einem beschleunigten Verfahren wurden sie bereits am nächsten Tag vor Gericht gestellt. Am Freitag waren die beiden Sozialhilfeempfänger nun angetreten, um einen Freispruch oder wenigstens eine Aussetzung der Strafe auf Bewährung "herbeizupredigen", wie sie sagten. Entspannt saßen sie auf der Anklagebank. "In Mainz ist uns kein Hass entgegen-geschlagen. Dafür wollen wir danken." Mit Kopfnicken bestätigten sie alle Vorwürfe: "Ja, unsere Aktion im Mainzer Dom war von Gott gesegnet!" Dabei sei es ihnen völlig gleichgültig gewesen, dass es sich um eine Fernsehübertragung handelte. Heil sei allein im Wort Gottes zu suchen, sagten sie. "Lest die Bibel, auch wenn es nur fünf Minuten am Tag auf der Toilette sind!" Dazu hielt Roy auch den Staatsanwalt an. "Ich hoffe, dass Sie Buße tun!" Nicht immer waren die Männer von Gott geleitet. Wegen schweren Raubes saß der korpulente, vollbärtige Roy schon fünfeinhalb Jahre im Gefängnis. Dort habe er dann zu Gott gefunden, sagte er. Roy und Arnold haben in den vergangenen vier Jahren in Berlin mehr als 50 Veranstaltungen gestört. In der Hedwigskathedrale zerstörten sie eine Eucharistieschale. Bei der Trauerfeier für Hildegard Knef beleidigte Roy den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit: "Schwul sein ist dem Herrn ein Gräuel." Dazu sagte er am Freitag: "Das hat mich 300 Mäuse gekostet." Arnold musste bislang nur Geldstrafen bezahlen. Erst als er Roy kennen lernte, kam er mit dem Gesetz in Konflikt. Beide sind nach einem psychiatrischen Gutachten voll schuldfähig. Die Mainzer Richter warfen den Angeklagten vor, Tausende von Fernsehzuschauern beim Gottesdienst gestört zu haben. "Sie haben Ihre eigene religiöse Auffassung rücksichtslos über die der anderen gestellt. So etwas geht nicht!" Noch müssen Roy und Arnold die Haftstrafe nicht antreten. Gegen das Urteil ist Revision möglich, bis darüber entschieden ist, bleiben sie auf freiem Fuß. Sechs Wochen vor dem Zwischenfall in Mainz standen Roy und Arnold in Berlin vor Gericht. Roy bekam sechs Monate auf Bewährung, Arnold fünf Monate, weil sie im Dezember 2003 die Spitze des Weihnachtsbaumes vor der Gedächtniskirche abgesägt hatten. Ein Wachmann war leicht verletzt worden. Außerdem hatten die Männer im Herbst 2003 den Gottesdienst in der Nikolai-Kirche durch Zwischenrufe unter-brochen. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft nun, ob die Bewährung widerrufen wird. Dann könnten weitere Monate Gefängnis auf die beiden zukommen.------------------------------Fanatiker unterwegs // In rund 50 Fällen sollen Andreas Roy und Christian Arnold in Gottesdiensten und bei öffentlichen Anlässen gestört und randaliert haben. Etwa ein Dutzend Verfahren stehen noch aus. Beide kündigten an, ihre Aktionen fortzusetzen.Bei der Trauerfeier für Hildegard Knef im Februar 2002 in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche unterbrach Andreas Roy die Rede des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) und beschimpfte den Politiker wegen seiner Homosexualität. Im Januar 2003 fiel Andreas Roy mehrfach auf. Am 19. Januar störte er einen vom ZDF übertragenen Gottesdienst in der Lankwitzer Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde. Am 25. Januar 2003 unterbrachen Roy und Arnold eine Messe in der Katholischen Akademie in der Hannoverschen Straße in Mitte durch Zwischen-rufe.Am 2. Februar 2003 wurden die Männer aus dem Berliner Dom geworfen, nachdem sie die Predigt des evangelischen Bischofs Wolfgang Huber durch "Tut Buße"-Rufe übertönt hatten.Im Juli 2003 störten die religiösen Fanatiker eine Bundestagssitzung. Roy und Arnold behinderten die Regierungserklärung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und die Rede von FDP-Chef Guido Westerwelle durch Zwischenrufe von der Zuschauertribüne aus. Roy beklagte Abtreibungen und mahnte zur Buße. Arnold forderte zur Lektüre der Bibel auf. Beide wurden von Sicherheitskräften abgeführt.Im Dezember 2003 hatten die beiden Störer den Weihnachtsbaum vor der Gedächtniskirche abgesägt. Ein Wachmann wurde dabei leicht verletzt.Am 24. Januar 2004 bei der Amtseinführung des Papstbotschafters kam es zu einer Sachbeschädigung. Roy und Arnold zerstörten eine Eucharistieschale in der Hedwigskathedrale. Roy hatte ein Altartuch heruntergerissen, dabei wurde die Schale aus Jade schwer beschädigt. Sie hatte einen Wert von 10 000 Euro. Ministranten und die herbeigerufene Polizei überwältigten Roy.Wegen Störung der Religionsausübung sind die beiden Sozialhilfeempfänger in Berlin bisher mit Geld- und Bewährungsstrafen davongekommen. In Mainz wurden sie zu fünf Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.------------------------------"Sie haben Ihre religiöse Auffassung rücksichtslos über die der anderen gestellt."Vorsitzender Richter------------------------------Foto: "Tut Buße": Kirchenstörer Andreas Roy mit Bibel in Mainz vor Gericht.