Neuer Inhalt

Das ZDF zeigt die letzten beiden Fernsehauftritte von Frank Giering in "Der Kriminalist": Die Traurigkeit bleibt

Es ist nur eine kurze Szene am Ende einer Verfolgungsjagd. "Ty gawarisch pa russkij?" fragt Kommissar Henry Weber einen verletzten Killer, der sich mit seinem Auto überschlagen hat und ob dieser bemühten Anrede lächeln muss. "Na bitte, geht doch!" freut sich Weber. Doch diese Episode am Ende der Folge "Dierhagens Vermächtnis", die am nächsten Freitag laufen wird, ist leider etwas Besonderes: der letzte Auftritt von Frank Giering. Der Schauspieler war Ende Juni letzten Jahres überraschend verstorben - er wurde nur 38 Jahre alt.Die Bestürzung in der Branche ist bis heute groß. Viele, die ihn etwas kannten, haben Schuldgefühle: Warum habe ich mich nicht stärker um ihn gekümmert? Denn Frank Giering war nicht nur ein großartiger Schauspieler, der vor der Kamera so intensiv wie sensibel sein konnte. Der Magdeburger war schon mit seinem ersten TV-Auftritt aufgefallen.Verletzlich und schüchternIn Diethard Klantes Film "Der Verräter" spielte er 1995 einen unsicheren, zerrissenen Jungen in der ostdeutschen Provinz, der um die Anerkennung einer Neonazi-Clique kämpft. Sein Spiel beeindruckte Regisseur Michael Haneke, der ihm immer wieder prägende Hauptrollen gab, wie jene in "Funny Games", die sogar international für Furore sorgte. Doch abseits der Kameras wirkte Giering extrem verletzlich und schüchtern, blieb ein Außenseiter. Allein dass er, bei seiner anerkannten Klasse, seit 2006 in der ZDF-Serie "Der Kriminalist" ohne zu klagen nur den Assistenten von Christian Berkels Hauptfigur spielte, spricht nicht für ein großes Selbstbewusstsein. Wer Frank Giering aus den Kinofilmen Michael Hanekes kannte und sich nun seine letzten Auftritte als Kommissar Henry Weber ansieht, der erschrickt: Denn aus dem pummlig-kräftigen Mann war ein schlaksig-hagerer Kerl geworden. Die Wandlung war so offensichtlich, dass 2009 der Vorspann der Serie geändert werden musste.Auch Claudia Schneider, Produzentin bei Monaco Film, hatte Gierings Abmagerung um 20 Kilo mit Sorge gesehen und ihn oft gefragt, ob es ihm wirklich gut gehe. Doch Frank Giering versicherte immer wieder, dass er sich wohler fühle. Sein fragiler Gesundheitszustand war bekannt: Über seine Alkoholprobleme und Entziehungskuren hat er öffentlich gesprochen. Dass er am 23. Juni 2010 an einer Gallenkolik verstarb, war dennoch ein Schock für das Team des "Kriminalisten". Am nächsten Tag sollte Frank Gierings erster Drehtag für eine neue Folge sein.Bei aller Trauer waren sich Schauspieler und Crew schnell einig: Die Dreharbeiten sollten weiter gehen. Doch wie? Für Produzentin Schneider war es ausgeschlossen, nun einfach zur Tagesordnung überzugehen, Gierings Dialoge auf die anderen Kommissare zu verteilen und Henry Weber dienstlich zu "versetzen". "Frank war so sehr Teil der Serie, dass wir ihm kein fiktionales Ende anhängen konnten", sagt Claudia Schneider. Zusammen mit der ZDF-Redaktion und allen Beteiligten wurde entschieden, dass Henry Weber ein würdiges Begräbnis bekommen und ein Nachfolger seinen Platz übernehmen sollte. Der Vorschlag Janek Rieke stieß auf Zustimmung. Rieke sah sich bei seinem Einstieg in einer ähnlichen Situation wie seine Serienfigur, der Kommissar Max Winter, in seiner ersten Folge. Christian Berkel habe ihn dem Team sehr feinfühlig vorgestellt, das um Frank Giering trauern wollte und doch weiterarbeiten musste.Am Anfang der Folge "Tod eines Begleiters", die am 11. März läuft, wird Henry Weber zu Grabe getragen. Der Abschied von Frank Giering, der mit großen Augen vom Trauerfoto grüßt, ist eine hoch emotionale Szene: Bei allen, die ihn kannten, schätzten und mochten, werden die Tränen fließen. Nicht der Kopf, sondern die Gefühle gaben den Ausschlag für diese Art Abschied, erklärt Produzentin Schneider. Auch für Janek Rieke wurden die Dreharbeiten zu einer psychischen Belastung. Zum ersten Mal fragte er sich: "Kann ich dem Vergleich mit diesem großartigen und allseits beliebten Kollegen standhalten?"Ob er nun seine persönliche Unsicherheit in die TV-Serie transportiert oder einfach stark spielt - auf jeden Fall fügt sich Janek Rieke gut ein. Sein Ringen um Anerkennung beim Team ist ebenso spannend wie die Suche nach dem Mörder eines Callboys, der dem "Kriminalisten" die Bekanntschaft von vier auffälligen Damen verschafft. Sonja Kirchberger, Sibylle Canonica und Minh-Khai Phan-Thi spielen Kundinnen, Feo Aladag die Chefin eines Escort-Services. Und wenn vor den Augen von Christian Berkels Kommissar immer wieder Bilder seines verstorbenen Kollegen Henry auftauchen, so ist dies kein Erinnerungskitsch, sondern gehört zu seinem Wesen - Bruno Schumann projiziert in seiner Arbeit seit jeher die Abwesenden auf ihre Plätze zurück.Dem Tode naheHeute Abend ist Frank Giering in seiner vorletzten Folge zu sehen. In den Plattenbauten im Berliner Osten und im Asia-Großmarkt in Lichtenberg agiert sein Kommissar Weber auf vertrautem Terrain, bei der Suche nach den Hintermännern beim Geschäft mit illegalen vietnamesischen Einwanderern zeigt er die gewohnte Sensibilität. Doch auch diese Auftritte wird keiner ohne den Gedanken an seinen nahen Tod sehen können.-----------------------Der Kriminalist, vier neue Folgen, freitags, 20.15 Uhr, ZDF------------------------------Dass Giering am 23. Juni 2010 an einer Gallenkolik starb, war ein Schock für das Team.Foto: Frank Giering (l.) in der Rolle des Kommissars Henry Weber an der Seite von Christian Berkel


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?